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Foto: Inga Kjer/dpa

Einkaufen: Kleinstädte und Dörfer leiden

Während die Shoppingmeilen in Großstädten boomen, machen den Einzelhändlern in Mittelsachsen Landflucht und Einwohnerrückgang zu schaffen. Experten sagen: Die eine Lösung gibt's nicht.

Von Jochen Walther
erschienen am 20.03.2017

Freiberg. Christina Bohlen machte 2016 ihre Buchhandlung in Frankenberg dicht. Im Bekleidungsgeschäft von Regina Vogel in Rochlitz lief im gleichen Jahr der Räumungsverkauf, und im Vormonat verließ der Handelsriese C & A Freiberg. Uhrmachermeister Jens Grundmann aus Mittweida gibt hingegen die Hoffnung nicht auf. "Immerhin existiert der Laden seit 1845. In der Werkstatt gibt es viel zu tun", so der 52-Jährige, der wie andere Händler in Kleinstädten mit sinkendem Umsatz und wachsender Internet-Konkurrenz kämpft. Erschwerend sei, dass 56 Prozent der Sachsen in Großstädten wie Dresden und Leipzig sowie der Region Chemnitz-Zwickau leben - und dort auch einkaufen, wie der Landesentwicklungsbericht des Innenministeriums offenbart.

Gänzlich schwarz malt indes Josef Sanktjohanser, Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, der von Innenstädten spricht, die veröden. Bis 2020 könnten bundesweit 50.000 Läden schließen.

Das sieht Cindy Krause von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittelsachsen anders. Zwar betrug die auf den Einzelhandel bezogene Kaufkraft im Kreis 2015 pro Einwohner 5685 Euro und lag damit unter der von Sachsen (5771 Euro) und Deutschland (6459). Dennoch müsse jede Kleinstadt individuelle Lösungen suchen. "Wo eingekauft wird, hängt auch von der Attraktivität des Umfelds ab. Dazu gehören neben dem Ambiente zum Flanieren genügend Parkplätze, Bänke, Fahrradstellplätze und Pflanzkörbe.

Freiberg, Mittweida und Döbeln seien auf einen guten Weg. Das bestätigt das Institut Michael Bauer Research, das deutschlandweit die Attraktivität der Kommunen als Einzelhandelsstandort untersucht. Berechnet wird das Verhältnis zwischen dem Umsatz im Einzelhandel vor Ort und der auf dem Einzelhandel bezogenen Kaufkraft. So habe Freiberg eine Kennziffer von 129 Döbeln 138,1 und Mittweida 111,6. "Den Zahlen nach kommen in diese drei Städte relativ viele Kunden aus dem Umland zum Einkaufen", so IHK-Expertin Krause. Nicht so rosig würden die Zahlen für Frankenberg (84,8) und Flöha (73,1) aussehen. Laut Krause zeigt diese Kennziffer gut, wie es den Klein- und mittleren Städten gelingt, Kaufkraft aus dem Umland zu binden, bevor die in die Shoppingcenter in Chemnitz oder Dresden abwandert.

Das unterstreicht die Freiberger Gewerbevereinschefin Anke Krause. Wegen des Demografie-Wandels kämen auch die Händler der Kreisstadt nicht herum, sich Stammpublikum aus den Umlandgemeinden zu sichern. Dabei spielt die Studie "Trends im Handel 2015" den Erzgebirgern in die Hände. Demnach ist die Möglichkeit, "direkt und persönlich im Laden einkaufen zu können, für drei Viertel der Konsumenten auch in Zukunft wichtig". Schon daher will Krause weiter für einheitliche Öffnungszeiten werben. "Unser Ziel: In der Woche bis 19 Uhr, samstags bis 16 Uhr", sagt die 48-Jährige.

Um mehr über Leerstand und Kaufverhalten zu erfahren, will der Verein in diesem Jahr ein Projekt mit Partnern umsetzen. Details nannte sie nicht. "Bei uns stimmt der Branchenmix. Zudem ist die Innenstadt nach den vielen Bauvorhaben sehr ansehnlich geworden."

Anders das Bild in Mittweida. Uta Siling, Chefin des Gewerbevereins, verspricht sich viel vom geplanten Umbau der Rochlitzer Straße zur Einkaufsmeile."Ich sehe darin große Chancen für die Händler." Es sei wichtig, dass die Händler auch selbst für ein Einkaufserlebnis sorgen, so Siling, die zudem für mehr Präsenz der Gewerbetreibenden im Internet wirbt. Gleichwohl seien Aktionen wie die Einkaufsnacht auch in Zukunft unverzichtbar. Darauf setzen ebenso Rochlitz mit dem Händlerherbst und Penig mit der Einkaufsnacht. Beide Aktionen lockten im Vorjahr tausende Besucher.

Pro und Kontra

Pro: Klein- und mittlere Städte mit ihren Marktplätzen sind für deren Einwohner mehr als ein Einkaufsort. Sie sind Heimat und Treffpunkt jedweden Alters, meint Jochen Walther.

Die Tatsache, dass bis auf wenige Ausnahmen fast alle Gemeinden und Städte in Mittelsachsen schrumpfen, lässt sich nicht wegdiskutieren. Das darf aber kein Grund sein, in Pessimismus zu verfallen. Denn genau das schadet den Einzelhändlern am meisten. Denn wie sich das Image der Orte entwickelt, hängt doch vor allem von den Machern vor Ort ab. Je intensiver Händler, Verwaltungen, Arbeitgeber, Touristiker und Immobilien-Experten gemeinsam an Lösungen für eine lebenswerte Innenstadt basteln, umso größer sind die Chancen, dass die eine oder andere Idee zum Erfolg wird. Und wer kennt die Kommune besser als ihre Bürger! Werden deren Wünsche berücksichtigt, hat man die wohl besten Multiplikatoren.

 

Kontra: Einkaufserlebnisse auf dem Land? Für kleine Orte ist es schwer, im Konzert der Großen mitzuspielen. Traumschlösser bauen ist der falsche Weg, meint Frank Hommel.

Der Charakter des Einkaufens hat sich geändert. Shopping ist eben nicht nur eine englische Übersetzung von Einkaufen, sondern Shopping gehen heißt: Einkaufen und Erleben. Mit Betonung auf Erleben: Bummeln, anschauen, anprobieren, aufsetzen, träumen - und auch mal einen Kaffee trinken. So kann man shoppen, ohne einzukaufen. Kleine Orte können das nicht bieten. Dennoch ist es wichtig, vor Ort Versorgung zu sichern. Nicht jeder ist mobil. Hier kann das Heil des Handels auf dem Land liegen. Wenn sich der Supermarkt nicht mehr lohnt, warum nicht ein Tante-Emma-Laden, in dem es alles wichtige gibt, man bestellen kann, der Waren nach Hause bringt. Das ist kein Einkaufserlebnis, aber sichere Versorgung.

 
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