Mit Muskelkraft brechen die Nachfahren der Aymara-Indianer die Salzkruste auf dem Salar de Uyuni in Bolivien auf. Bei der schweren Arbeit, die den Lebensunterhalt der Familien in dem 100-Seelen-Dorf Caquene sichern hilft, müssen auch die Halbwüchsigen mit ran. Dennoch sind sie zufrieden.
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Film zeigt Kehrseite der Forschung
TU Bergakademie hilft bei Erkundung der Lithiumvorkommen am Salar de Uyuni in Bolivien
Freiberg. Sie hoffe, dass ihr Film nicht eines Tages als Nostalgiestreifen über eine verlorene Kultur gezeigt werde. Das sagte Eva Katharina Bühler am Montagabend, kurz bevor ihr Dokumentarfilm "Der weiße Schatz und die Salzarbeiter von Caquena" in der "Alten Mensa" an der Petersstraße in Freiberg vor rund 200 Interessierten über die Leinwand lief. Der 50-minütige Streifen widmet sich dem Leben der Menschen am Salar de Uyuni in Bolivien. Der größte Salzsee der Erde ist aus seiner Abgeschiedenheit in den Fokus globaler Interessen geraten. Hier werden 5,4 Milliarden Tonnen Lithium vermutet. Das Leichtmetall gilt als Rohstoff der Zukunft - die Autoindustrie setzt ihn für Batterien der Elektromobile ein.
Davon wissen die Nachfahren der Aymara-Indianer so gut wie gar nichts, die in der weißen Wüste in 3700 Metern Höhe mit Brechstange und Schaufel Speisesalz abbauen. Für eine 20-Tonnen-Lkw-Ladung bekommen sie umgerechnet 100 Euro. Wenn es gut läuft, schaffen sie die Menge in einer Woche. Aber sie wissen, dass ihnen das Wasser im See bei der Arbeit hilft. Und sie fürchten, dass mit dem Lithiumabbau auch der Wasserspiegel sinkt.
Diese Angst ist nicht ganz unbegründet, bestätigte der Freiberger Mineralogie-Professor Gerhard Heide am Montagabend. "Das Lithium sitzt in einer gesättigten Lauge in den Poren des Untergrundes. Wird diese abgepumpt, könnte das Wasser nachsickern", bestätigte er.
Die TU Bergakademie sei deshalb daran interessiert, gemeinsam mit ihrer bolivianischen Partneruni in Potosi eine nachhaltige Gewinnung des Rohstoffs zu ermöglichen. So erforsche ein Doktorand von Professor Broder Merkel, Hydro- und Umweltgeologe, derzeit die Strömungsverhältnisse in dem See.
Chemieprofessor Wolfgang Voigt hat bereits Intensiv-Verdampfer auf dem See getestet, die von den Salzbauern bedient werden können. "So bleibt die Arbeit vor Ort und wandert nicht in riesige Industrieanlagen", erläutert der 60-Jährige. Allerdings werde die Zusammenarbeit durch die politischen Verhältnisse im Land und Mentalitätsprobleme stark erschwert, bedauerte er in der anschließenden Diskussion.
Die Verbindungen der Freiberger Uni haben aber zumindest der 30-jährigen Regisseurin und Kamerafrau zu eindrucksvollen Bildern verholfen, mit denen sie auch ihr Diplom an der Filmakademie Baden-Württemberg erreichte. "Ich habe von dem Lithiumprojekt gelesen und in Freiberg um Unterstützung gebeten", erinnerte sich die in Achern im Schwarzwald Geborene.
Der Freiberger Geologiestudent Michael Zauner vermittelte letztlich den Kontakt zu Milton Lérida, der sich bei seinen wortkargen Landsleuten für Bühler einsetzte. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Assistenten Robert Nickolaus konnte sie so sieben Wochen lang drehen. Den Schulalltag der Kinder, die mit Salzsee schaufeln müssen. Das Waschen am Wasserhahn vor der Hütte. Die Einweihung des ersten Handymastes mit Propaganda und Lamaopfer. Die Sorge der Dorfbewohner, was kommen wird. Weggelassen habe sie aber deren Alkoholkonsum, bekennt die Filmemacherin: "Das will ich nicht zeigen."
Ihr Film habe bereits erste Erfolge erzielt. So sei bei der Dokfilmwoche in Leipzig ein Netzwerk entstanden, um den weißen Schatz für die Bolivianer zu nutzen. So gibt es Pläne für eine Lithium-Universität und Kontakte zum Verein Ayni für Ressourcengerechtigkeit - sein Vorsitzender Muruchi Poma war bei der Aufführung in Freiberg dabei. Sie wünsche sich, sagte die Regisseurin, dass ihr Film möglichst vielen Menschen gezeigt werde, um sie zu sensibilisieren. Besonders den Menschen am Salar de Uyuni. Um mit Beamer und Leinwand dorthin zu fliegen, fehle ihr derzeit aber noch das Geld.


