Aufreger im Sommerloch 2012: Planschende Kinder auf dem Obermarkt - hier allerdings in Badehosen.
Aufreger im Sommerloch 2012: Planschende Kinder auf dem Obermarkt - hier allerdings in Badehosen.

Foto: Oliver Hach

Freiberg: Sexualforscher sieht Nackedeis beim Planschen als harmlosen Sommerspaß

Kurt Starke über unbekleidete Kleinkinder, Angst vor Pädophilen und einen Trend zur Verhüllung

Freiberg. Kritik an nackten Kleinkindern auf dem Obermarkt - dieser "Freie Presse"-Beitrag vom vergangenen Mittwoch hat eine heftige Diskussion ausgelöst. Leserbriefe erreichten die Redaktion und im Internet wurde das Thema so intensiv kommentiert wie kein anderer Text des Online-Angebots der Zeitung. Doch was sagt ein ausgewiesener Fachmann zu dem Fall? Professor Kurt Starke, Sexualwissenschaftler, Jugendforscher, Soziologe und Autor, war schon zu DDR-Zeiten am Zentralinstitut für Jugendforschung in Leipzig tätig. Noch immer veröffentlicht er Studien zur Sexualität und tritt als Experte in der Partnerschaftsberatung "Liebe Liebe" im MDR-Radio auf. Im Interview mit Oliver Hach plädiert der Experte für die körperliche Freizügigkeit. Und er will den Freibergern die Angst davor nehmen.

Freie Presse: Herr Professor Starke, in Freiberg lassen Eltern ihre Kleinkinder nackt auf dem Obermarkt planschen. Ist das in Ordnung?

Kurt Starke: Wenn kleine Kinder bei großer Sommerhitze zwischen Wasserfontänen herumspringen, dann ist das ein wunderbares, völlig harmloses Vergnügen. Und es ist eine gute Entwicklung: Wenn sich die Kinder gegenseitig nackt sehen, müssen sie nicht später anfangen, sich heimlich zu entdecken.

Freie Presse: Warum gibt es dann Leute, die sich darüber aufregen?

Kurt Starke: Die Gesellschaft neigt heute dazu, alles zu sexualisieren. Das Kind wird nicht einfach als Kind betrachtet. Das löst bei vielen Menschen ängstliche Gefühle aus, es gibt Unsicherheit: Darf denn das sein? Das hat jedoch nichts mit Prüderie zu tun, sondern mit dem Nacktheitstabu.

Freie Presse: Das ist doch heutzutage schon weitgehend abgeschafft ...

Kurt Starke: In den vergangenen 30, 40 Jahren hatte sich da in der Tat einiges gelockert. Ich beobachte aber in meinen Studien, ebenso wie meine Fachkollegen auch, dass sich dieses Nacktheitstabu jetzt wieder verschärft. Das ist vor allem im Osten zu beobachten, wo der Umgang mit Nacktheit früher durch die FKK-Bewegung sehr offen war. Es ist häufiger geworden, dass sich auch Eltern vor ihren Kindern zuhause nicht mehr nackt zeigen und die Kinder frühzeitig bedecken. Das ist kein spezielles Freiberger Problem, sondern ein allgemeines Phänomen.

Freie Presse: In Freiberg reden wir von Kleinkindern. Wo liegt bei öffentlicher Nacktheit die Altersgrenze?

Kurt Starke: Es gibt ein Agreement: Wenn die sekundären Geschlechtsmerkmale einsetzen, also wenn beim Mädchen an der Brust Knospen entstehen, dann bedeckt man sich in der Öffentlichkeit. Und bei Jungen, wenn die Schambehaarung wächst. Das heißt bei Mädchen zwischen 10 und 12 Jahren, bei Jungen etwas später.

 
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Freiberg: Sexualforscher sieht Nackedeis beim Planschen als harmlosen Sommerspaß
"Total irrwitziger Zustand"
 
erschienen am 14.08.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
(Anmeldung erforderlich)
  • 16.08.2012
    10:10 Uhr

    yorkler: ob jemand seine kinder in den stadthallenbrunnen
    lässt,sollte jeder für sich entscheiden.
    kernaussage meines kommentars war allerdings ob
    es in freiberg keine anderen probleme gibt.

    0 0
     
  • 15.08.2012
    13:39 Uhr

    kassbergwade: In die Brühe vor der Stadthalle kann doch keiner freiwillig steigen.
    Ein Kind von Bekannten hat sich darin mal den ganzen Fuß aufgeschnitten, weil andere ihren Müll darin entsorgen. Und nicht nur den Müll.
    Wer da sein Kind reinlässt handelt echt verantwortungslos. Und da kann auch die Stadt nichts dafür, wenn sich unsere Mitmenschen so übel benehmen.

    0 2
     
  • 15.08.2012
    08:56 Uhr

    yorkler: ich weiß schon warum ich fg voriges jahr
    den rücken gekehrt habe.
    hier in chemnitz plantschen&baden kinder in den brunnen vor
    der stadthalle u kein mensch regt sich auf.
    typische provinzprobleme.

    0 1
     
  • 14.08.2012
    16:11 Uhr

    mary77: Dieses prüde Nacktheitstabu, was der Osten nun so schön vom Westen übernommen hat, gilt allerdings nur für Kinder und den Badestrand. Richtig irrwitzig ist, dass diesselbe Prüderiefront, die gegen Kinder und den FKK-Strand ankämpft, überhaupt garnicht schlimm findet, dass unsere komplette Fernseh-, Film-, Musik- und Werbeindustrie von plumper Nackheit (vorallem weiblicher) durchseucht ist. Von jedem zweitem Werbeplakat werden einen riesen T... um die Ohren gehauen, das stört komischerweise niemanden. Aber der Anblick eines Kleinkindkörpers dagegen ist ja so pervers... Diese elende Prüderie formt doch erst diese ganzen gestörten Kinderschänderseelen. Das sind doch nachweislich fast alles Typen, in deren Erziehung etwas schief gelaufen ist. Wer nackte Kleinkinder anstössig findet, sollte sein eigenes Seelenleben mal hinterfragen.

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