Getanzt wurde zum Bühnenball - hier Samstagnacht - vor allem auf der Hauptbühne, die die Veranstalter passend zum Wandel der Zeiten in "Räderwerk" umgetauft hatten. Für die Musik sorgte dort die Henry-Bittner-Band aus Meißen.
Foto: Eckardt Mildner
Freiberg tanzt den Ball der Jahrhunderte
Am Mittelsächsischen Theater amüsieren sich fast 1500 Gäste - Kritik am Galaprogramm und an Akustik in der Nikolaikirche
Freiberg. Der Bühnenball des Mittelsächsischen Theaters hat am Wochenende einmal mehr für ein gut gefülltes Haus am Buttermarkt gesorgt. Nach Angaben der Theaterleitung tummelten sich am Freitagabend 700 und am Samstag 750 Gäste in den verschiedenen Räumen zwischen Nikolaikirche, Hauptbühne und Bühne in der Borngasse.
Probleme mit der Technik
Die 2012er-Auflage der wichtigsten Veranstaltung am Freiberger Theater stand im Zeichen der 850-Jahr-Feier - getanzt wurde auf dem Jahrhundertball. Moderiert von der Dresdnerin Birgit Lehmann, die in historische Damenrollen schlüpfte, und Generalmusikdirektor Jan Michael Horstmann erlebte das Publikum zum Auftakt in der Nikolaikirche ein Galaprogramm, das als musikalischer Streifzug durch die Jahrhunderte Freibergs angekündigt wurde. Es reichte von Auszügen aus "Cats" über "Die Meistersinger von Nürnberg" bis zum "Eisenbahn-Galopp" von Hans Christian Lumbye. Dabei hatten die Veranstalter am Freitag arge Probleme mit der Technik. Die schlecht eingestellte Beschallungsanlage in der diesmal eher sparsam ausgestatteten Nikolaikirche machte manchen Dialog des Moderatorenpaars fürs Publikum unverständlich. Das diesmal ohnehin etwas schwache, konzeptionslos wirkende Galaprogramm stand dadurch noch mehr in der Kritik. Stammbesucher vermissten die besondere Handschrift des Balls, der wegen des Intendantenwechsels in eine Übergangszeit fiel.
Immerhin gelang es Samstagabend, die Akustik in der Nikolaikirche deutlich zu verbessern. Traditionell bewiesen die Gäste am arbeitsfreien Samstag auch ein längeres Durchhaltevermögen. Alle Jahre wieder sorgte die Beatles-Coverband Hard Day's Night in der Bühne in der Borngasse für eine volle Tanzfläche bis in die Morgenstunden.
Kaffeehaus und Goldbroiler
Während sich das Publikum beim "Jahrhundertball" mit einer mottogerechten Abendgarderobe eher schwertat, bestach das Theatergebäude mit einer fantasievollen Ausgestaltung der Räume. Der Gang zwischen Nikolaikirche und Theatergebäude, genannt "Umgehungsstraße" wurde mit Straßenbahnrattern beschallt, die Verbindung zwischen Hauptbühne und BiB wurde zum Salonwagen. Elena Pitic von Jupiters Café ließ die Freiberger Kaffeehaus-Kultur von vor 100 Jahren wieder auferstehen. Sie hatte einen Raum ins Café Hummitzsch verwandelt, das 1906 im Haus Erbische Straße 16/18 eröffnete und als "Café Peterstor" bis 1991 betrieben wurde.
Im Malsaal erinnerten die Betreiber des "Ratskellers" an die Gaststätte "Goldbroiler", die sich zu DDR-Zeiten am Obermarkt befand. Und in den Gängen reihten sich Filmsequenzen an historische Stadtaufnahmen. Geschäftsführerin Christine Klecker lobte vor allem die Arbeit der Werkstätten-Mitarbeiter, allen voran das Engagement von Theatermalerin Linda Stechhahn.
Um Mitternacht wurden in der Nikolaikirche die Publikumslieblinge gekürt. Die Musical- und Operettensängerin Susanne Engelhardt und der Bassbariton Sergio Raonic-Lukovic machten dabei das Rennen. Freitagnacht wurde nach der Kür die druckfrische Ballzeitung der "Freien Presse" verteilt, in der sich viele Ballgäste des Abends noch in Wort und Bild wiederfanden.


