Kaum lukrativ: Die Spielgeräte an der Freiberger Nikolaikirche, die hier Martha Hoth, Jana Tschapek mit Sohn Jamil und Elena mit Marie-Luise Küchler (v. l.) testen.
Foto: Eckardt Mildner
Freiberger Altstadt: Spielgeräte für Kinder sind Mangelware
Junge Familien müssen weite Wege in Kauf nehmen
Freiberg. Spielplätze in der Freiberger Altstadt sind Mangelware. Dabei ist es der Wunsch der Stadtväter, junge Leute in die Stadtmitte zu holen. Jana Tschapek wohnt gern im Herzen von Freiberg. Für ihren zweijährigen Sohn Jamil fehlen ihr aber Angebote. "Die Wackelteile an der Nikolaikirche und die Kleinspielflächen an der Wasserturmstraße sind kein wirklicher Spielplatz", betont die 39-Jährige. In eine mittelalterliche Stadt wie Freiberg gehörten nicht nur nach Ansicht von Jana Tschapek Spielgeräte.
Verein wünscht Plätze für Ältere
Petra Straube vom Kinderschutzbund in Freiberg geht noch weiter: "Auch die älteren Kinder bräuchten Platz zum Skaten oder Ballspielen." Es würden sich durchaus Bereiche finden, wo das möglich ist. Vor der Gestaltung des Schloßplatzes war auch dort ein Spielplatz in der Diskussion, der am Ende aber wieder verworfen wurde. Vor Jahren aufgestellte Holzgeräte an Berggasse, Talstraße und Lomonossowplatz wurden abgebaut, weil sie verschlissen waren. "Das, was noch existierte, und zusätzliche Geräte wurden am Donatsturm im Graben aufgebaut", erklärt Tiefbauamtsleiter Tom Kunze. Auch wenn er davon ausgeht, dass der Platz gut genutzt wird, für Jana Tschapek ist er zu schattig und zu dunkel.
Eine Alternative, da innenstadtnah und im grünen Bereich, ist für sie der Spielplatz im Albertpark, wenn auch für sehr kleine Kinder Klettermöglichkeiten zu hoch waren: "Nun wurde der Hauptteil des Spielplatzes vor dem Sommer auch noch abgerissen." Nach der Prüfung, bei der die Sicherheit zum Problem wurde, mussten große Teile abgebaut werden. Nun hat der Stadtrat die Rekonstruktion des Platzes im Albertpark beschlossen und nutzt dafür Vorschläge des Kinder- und Jugendparlaments.
Initiative fordert Erhalt
Allerdings sind entstehende Klettersteine, Spielelemente und Sandspielbereich diesen Sommer nicht mehr nutzbar. Gebaut werden soll erst von September bis Dezember. 101.300 Euro sind für den ersten Bauabschnitt geplant. Je nach Haushaltlage könnten später weitere Bereiche hinzukommen, heißt es aus dem Rathaus. Die gegenwärtige Finanzlage der Stadt sei es auch, die das Aufstellen von Spielgeräten in der Altstadt nicht zulasse, betonte Baubürgermeister Holger Reuter. Die Stadt bewirtschafte 14 Spielplätze und sechs Freizeitanlagen, die regelmäßig kontrolliert werden. "Allein 2011 gab die Stadt für die Unterhaltung der Plätze 13.000 Euro aus. Für den Spielplatz Schmiedestraße wurde für 8400 Euro ein neuer Rutschturm angeschafft", zählt Tiefbauamtsleiter Tom Kunze auf.
Trotzdem sollen den Sparmaßnahmen der Stadt auch Spielplätze zum Opfer fallen. Für den Abriss vorgesehen sind die Plätze an der Waldenburger Straße und im Wohnpark Friedeburg. Dagegen machen Eltern mobil. Daniel Tittel hatte bei der Bürgerversammlung zur Haushaltssituation vergangene Woche eine Liste mit 320 Unterschriften übergeben. Allerdings vermisste er beim Forum betroffene Eltern. Dort hätten sie öffentlich ihre Argumente für den Spielplatzerhalt vorbringen können. Der Baubürgermeister hat inzwischen zugesichert, sich mit den Antragstellern in Verbindung zu setzen und nach Lösungen zu suchen.

