Freiberger Dieter Tempel kritisiert Sparpolitik der Stadt Freiberg

Rathauschef bietet Briefschreiber Gespräch an

Freiberg. Angesichts der drastischen Sparmaßnahmen in Freiberg wirft Dieter Tempel der Rathausspitze in einem offenen Brief Fehler bei der Auswahl der Prioritäten vor: "Offenbar liegt Ihnen das Feiern näher als das umsichtige Haushalten." Tempel hat den offenen Brief an den Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) in der Stadt verteilt. Darin kritisiert er, dass vor allem die Bürger zur Kasse gebeten würden. Händler müssten mittlerweile für eine Sondernutzungserlaubnis viel mehr als früher zahlen.

Auch den weiteren Abbau kostenloser Parkplätze kritisiert der Anwohner des Obermarktes: "Nicht einmal auf die wohl wirtschaftlich Schwächsten, nämlich die Studenten der TU, wird Rücksicht genommen, wenn diese für ihren Parkplatz am Messeplatz zahlen müssen", schreibt er und bezieht sich auf den entsprechenden Stadtratsbeschluss.

Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) beruhigt: "Wir suchen nach einer Lösung und haben eine Anfrage beim Studentenwerk laufen." Dort bestätigt man ein solches Ansinnen. Möglicherweise könnten die Studenten dann ihrer schmalen Geldbörse angemessen parken. Kostengünstige Plätze werde es übrigens weiterhin geben, sagt Reuter. Er verweist auf die Plätze Eherne Schlange und am Donatsfriedhof, Höhe Jakobikirche. Geplant sei ein weiterer Platz an der Halsbrücker Straße. Dass die innerstädtischen Parkplätze etwas kosten, darüber sei lange debattiert worden. Als "Wucher" bezeichnet der Briefschreiber die monatliche Gebühr von 65 Euro für einen Stellplatz im Altstadt-Parkhaus. Das richte sich nach der Investitionssumme und sei keineswegs überteuert, entgegnet Reuter.

Kritik gibt es auch an fehlenden Kinderspielplätzen in der Altstadt. Die Wasserspiele auf dem Obermarkt, die Baubürgermeister Holger Reuter als Spielplatz deklariert, sind für Tempel kein Ersatz.

Er moniert weiterhin, dass die Stadt auf die Realität sinkender Steuereinnahmen ungenügend vorbereitet war und nun versucht, "krampfhaft Gelder einzutreiben". Adressat Schramm vermisst eine Auseinandersetzung mit den Argumenten der Stadt. Der Rathauschef bietet Tempel ein persönliches Gespräch an, was dieser bisher nicht gesucht habe. Schließlich, so Schramm, habe er sicher "Patentrezepte nachhaltiger Veränderung". Eine Einladung zu aktiver Mitarbeit gibt es auch vom Gewerbeverein. Vorsitzender André Dietrich zu Dieter Tempel: "Lassen Sie uns gemeinsam Vorschläge entwickeln." (gfl)

 
erschienen am 09.07.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
5
(Anmeldung erforderlich)
  • 11.07.2012
    12:49 Uhr

    Emma0815: Herr Tempel for Burgermeister!!!

    1 2
     
  • 11.07.2012
    11:48 Uhr

    Privatmann: Prima, erst weigert sich die FP den offenen Brief zu drucken, dann wird er im Freiberger Stadtfernsehen vorgelesen und nun gehts gegen den Verfasser richtig los.
    Herr Tempel muss keine Patentrezepte bereithalten, er ist kein gewählter und dafür gut bezahlter Volksvertreter.
    Er ist ein Freiberger, der sich um seine Stadt, ihr Image und ihre Zukunft sorgt. Und das macht er couragiert mit Name und Anschrift - Respekt!
    Es ist aber schade, daß wie bereits früher üblich, kritische Bürgermeinungen mit Arroganz und Ignoranz weggebügelt werden. Dank Meinungsfreiheit muß Herr Tempel zwar nicht hinter Gitter, darf aber trotdem an den Pranger.
    Leider geht die Antwort aus dem Rathaus nicht auf alle Punkte ein, sondern man beisst sich nur an zweien fest. Witzig ist hier auch der Hinweis von Herrn Reuther, dass die teuren Stellplätze im Parkhaus an der Investitionssumme kalkuliert werden...dann hätte man preiswerter bauen müssen, z.B. ohne dritte Schranke ;o). Oder höher, damit mehr zahlende Tagesnutzer mit ihren Familien in Minivans einfahren können!
    Ich würde es verstehen, wenn künftig noch weniger Interesse von den Bürgern dem Schicksal ihrer Stadt entgegengebracht wird. Hauptsache man rutscht schön bequem durchs Leben, sonst gibt es auf die Nuß - gerne auch von der Lokalredaktion.

    1 5
     
  • 10.07.2012
    12:58 Uhr

    Purzl: Hey Stadt Freiberg, zieh doch einen Zaun um die Altstadt und nenne es Seniorenfreizeitpark oder Freilichtmuseum. Zutritt nur gegen Eintritt. Und alle Finanz-, Park- und Spielplatzprobleme sind gelöst.

    3 4
     
  • 10.07.2012
    08:44 Uhr

    St0nemender: Die Wasserspiele auf dem Obermarkt als Spielplatz zu deklarieren ist so frech, dass einem gleichsam die Spucke wegbleibt! Fakt ist, attraktive Spielplätze gibt es nur noch einen oder zwei und auch die leiden so langsam unter der mangelnden Pflege. Inzwischen weiss man kaum noch wohin man mit seinen Kindern gehen soll.

    0 6
     
  • 09.07.2012
    22:29 Uhr

    mary77: Mir scheint die Lokalausgabe der Freien Presse wird wieder "linientreu". Hatten wir ja alles schon. Immer schön bei den Machthaben anbiedern und den mutigen Bürger durch den Fettnapf ziehen. Mir scheint Herr Tempel wird jetzt benutzt, um Lösungen finden zu müssen, zu denen die Oberen selbst nicht zu finden in der Lage sind. Und bitte was, Herr Schramm, sind die Argumente der Stadt? Eben diese gibt es nicht in glaubhafter Form. Und ich kann mir gut vorstellen, weshalb Herr Tempel nicht mehr reagiert. Wenn mir mit diesem "Großkotz" und dieser "Arroganz" entgegnet würde, würde ich auch nur kopfschütteln resignieren. Und resigniert haben schon 90 Prozent der Freiberger, darum regt sich auch keiner "offiziell" auf. Aber solange noch genug Geld da ist, um in Herrn Reuters Wohn-Stadtteil Kleinwalterdorf für eine Millionensumme einen Dorf-Sportplatz zu bauen, ist die Welt ja noch so in Ordnung...

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