Achim Reisdorf (l.) und sein Forscherkollege Michael Wuttke mit dem Fossil des Sauriers Compsognathus longipes.
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Freiberger löst Rätsel um Saurierskelette
Achim Reisdorf gelingt Nachweis an der Universität Basel
Freiberg/Basel. Jeder, der schon einmal ein erdgeschichtliches Museum besucht hat, kennt die Abdrücke auf Steinen: Mit weit geöffnetem Maul, Kopf und Schwanz stark über den Rücken gebogen - in dieser Körperhaltung präsentieren sich oft die Skelette von Dinosauriern. Seit 150 Jahren fasziniert Paläontologen diese Körperhaltung. Sind hier die Begleiterscheinungen von Starrkrämpfen zu sehen? Sind die Fossilien also Stein gewordener Ausdruck des Todeskampfs der Dinosaurier? Lange Zeit war die Wissenschaft davon überzeugt.
Achim Reisdorf, ein 44-jähriger Freiberger, der vor Jahren an die Universität Basel ging, hat jetzt zusammen mit seinem Wissenschaftlerkollegen Michael Wuttke aus Mainz diese Theorie widerlegt. Die beiden Forscher kommen zu dem Schluss, dass die bizarren Verbiegungen erst während der Zersetzung der Saurierleichen eintraten. Stutzig wurden sie beim bekannten Fossil des zweibeinigen, an Land lebenden Dinosauriers Compsognathus longipes, der nahe der bayerischen Ortschaft Solnhofen ausgegraben wurde. Dort hatte der Dinosaurier vor 150 Millionen Jahren sein Grab in einer tropischen Lagune gefunden. "Dass die an Land lebenden Wirbeltiere nach ihrem Tod ins Wasser gelangten und ihre Kadaver zum Meeresgrund absanken, war für uns ein kritischer Punkt", sagt Doktorand Reisdorf vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Basel.
Reisdorf, der in Freiberg einst Geologie studierte, und Wuttke vom Referat Erdgeschichte Mainz waren überzeugt, dass hier nicht versteinerte Todeskrämpfe überliefert sind, sondern dass die bizarren Verbiegungen erst während der Zersetzung der Saurierleichen eintraten. Die beiden Paläontologen setzten in einem Experiment gerupfte Hühnerhälse unterschiedlichen Bedingungen aus. Beim Eintauchen in Wasser krümmten sich die Hälse um mehr als 90 Grad rückwärts. Verantwortlich dafür ist ein Band, das sogenannte Ligamentum elasticum, das die Wirbel vom Hals bis zum Schwanz oberseitig miteinander verbindet.
"Das Band half den Sauriern, Energie zu sparen - andernfalls hätten Hals und Schwanz über Muskelarbeit gegen die Schwerkraft aufrecht gehalten werden müssen", erläutert Wuttke. Gelangten die Tiere nach ihrem Tod unter Wasser, konnten sich diese Zugkräfte entfalten, da im Wasser die Wirkung der Schwerkraft weitgehend aufgehoben ist. "Demzufolge bestimmten nicht Todeskrämpfe, sondern allein biomechanische Gesetze die bizarre Haltung der Saurierskelette in ihrem Wassergrab", folgern die Forscher.


