Auf dem Baugebiet "Am Sportzentrum" in Halsbrücke wird das erste Einfamilienhaus errichtet. Foto: Eckardt Mildner
Gemeinde baut für junge Leute
Halsbrücke will für Familien attraktiver werden
Halsbrücke. Halsbrücke. Während viele Kommunen in ganz Deutschland ihren Wohnungsbestand verkleinern, womöglich einzelne Gebäude abreißen, realisiert Halsbrücke das Gegenteil. Die Gemeinde plant am Ortsrand unweit des Sportzentrums den Bau eines Einfamilienhauses, um es später zu vermieten.
"Das ist ein Angebot an junge Familien, die sich kein eigenes Haus leisten können, aber im Grünen leben wollen", sagt Bürgermeister Jörg Kiehne (parteilos). Auf rund 130.000Euro belaufe sich die Bausumme. Der Grund sei kommunales Eigentum.
"Da Halsbrücke zusammen mit dem Gemeinderat in der Vergangenheit solide gewirtschaftet hat, können wir uns eine solche Investition leisten", erklärt Kiehne. Nicht unerheblich dürfte dabei sein, dass die Entwicklung der Steuereinnahmen laut Bürgermeister positiv verläuft. Allein die Gewerbesteuer betrug 2010 demnach rund 1,7Millionen Euro. Dieses Jahr wird mit 2,6Millionen Euro gerechnet. "Das kann sich aber schnell ändern, wenn die wirtschaftliche Lage der Unternehmen eine andere ist", gibt Kiehne zu bedenken.
Wann mit dem Spatenstich oder mit der Fertigstellung des Hauses zu rechnen ist, weiß das Gemeindeoberhaupt nicht: "Das hängt von der Witterung ab." Zumindest wurde auf der jüngsten Gemeinderatssitzung das Projekt weiter vorangetrieben, indem die Gemeinderäte das Unternehmen Town & Country aus Chemnitz mit dem Bau beauftragt haben. Dass überhaupt eine Nachfrage nach Mietraum besteht, davon ist Bürgermeister Kiehne überzeugt. In diesem Zusammenhang verweist er auf zwei Doppelhäuser in der Nachbarschaft, die sich im Besitz der Kommune befinden und aktuell vermietet sind.
Generell verläuft die Entwicklung am Baugebiet "Am Sportzentrum" nach Wunsch des Bürgermeisters. Derjenige, der aus Freiberg kommend am Ortseingang einen Blick nach links wirft, kann sich davon überzeugen. Denn auf besagtem Gelände wird seit geraumer Zeit gearbeitet. Die erste Baugrube für ein Einfamilienhaus eines privaten Bauherrn wurde jüngst ausgehoben. Jetzt wachsen die Mauern Stein für Stein in die Höhe. Bald dürfte mehr passieren. Fünf Grundstücke sind bislang verkauft worden, zwei reserviert. Insgesamt sind auf einem Areal von knapp zwei Hektar 26Bauparzellen mit einer Größe zwischen 612 und 1062 Quadratmetern ausgewiesen.
Die Versorgungsleitungen wie etwa für Trink- und Abwasser sowie Strom wurden bereits im vorigen Jahr gelegt, auch die Straßen sind schon gebaut. Den Kaufpreis von 49,30Euro pro Quadratmeter Land, bei dem die Erschließungskosten enthalten sind, bezeichnet Kiehne als ebenso attraktiv wie angemessen. Vor allem junge Familien will der Politiker damit nach Halsbrücke locken. Diese würden schließlich das Gemeindeleben bereichern. Worauf das Gemeindeoberhaupt womöglich abzielt, aber es nicht sagt: Deren Kinder besuchen vermutlich später die örtlichen Kindergärten und Schulen und helfen so, diese auszulasten und die Standorte zu sichern.
Die Infrastruktur in Halsbrücke stimmt laut Jörg Kiehne. Er verweist auf die Bushaltestelle in der Nähe und auch darauf, dass sich sowohl eine Facharztpraxis als auch eine Praxis für Physiotherapie in der unmittelbaren Umgebung befinden, ebenso hätte sich dort ein Zahnarzt angesiedelt. In wenigen Minuten seien zudem zu Fuß unter anderem ein Einkaufsmarkt, eine Bäckerei, eine Fleischerei sowie eine Bank und eine Post erreichbar. Eine Kindertagesstätte, eine Grund- und eine Mittelschule runden das Ganze ab.
Warum ein Baugebiet ausweisen, wenn die Alten sterben und die Jungen der Arbeit hinterherziehen? "Wir wollen der Abwanderung aus dem ländlichen Gebiet Einhalt gebieten", sagt Kiehne. Das gehe nur, wenn die Infrastruktur stimme und die Menschen sich im Ort wohlfühlen.

