Volker Rabe, wissenschaftlicher Leiter des Gerbereitechnikums am Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen, am sogenannten Trockenwalkfass von 1959. Hier werden die Leder nach dem Gerben und Trocknen durch Drehen in der Trommel wieder weich gemacht.
Foto: Eckardt Mildner
Gerberausbildung erlebt Renaissance
Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen Freiberg bietet wieder berufsbegleitend Unterricht
Freiberg. Nach jahrzehntelanger Pause werden am Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (Filk) Freiberg wieder Fachleute ausgebildet. Das Institut wird damit zugleich zur einzigen Weiterbildungsstätte dieser Art in Deutschland. Was in Freiberg 1889 an der Gerberschule begann, erlebt eine Renaissance. In Kooperation mit der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden startet dieses Jahr ein berufsbegleitender Unterricht. "Nach der Ausbildung zum staatlich anerkannten Industriemeister, Fachrichtung Chemie, bieten wir in Ein-Jahres-Kursen Qualifizierungen in Gerberei-, Leder- und Beschichtungstechnik sowie Verarbeitung an", sagt Institutsleiter Michael Stoll.
Erste Zertifikate in drei Jahren
2014 sollen die ersten "Schüler" das Haus am Meißner Ring mit einem entsprechenden Zertifikat verlassen. Ein guter Zeitpunkt, findet Stoll. Dann feiert die Freiberger Ausbildungsstätte 125. Geburtstag. Der Professor ist froh, dass man sich wieder auf die Tugenden und Kenntnisse der Freiberger besinnt und ein weiteres Standbein entwickeln kann. Zu den 110 Mitarbeitern könnten neue hinzukommen, hofft der promovierte Chemiker. Durch den jahrhundertelangen Bergbau haben Gerbereien und damit verbundene Fachausbildungen in Freiberg eine noch längere Tradition.
Allerdings hat die Entscheidung für Freiberg durch den Verband der Deutschen Lederindustrie noch einen anderen Hintergrund. Das Lederinstitut Gerberschule Reutlingen (Baden-Württemberg), seit 1992 alleinige Weiterbildungsstätte für diesen Berufszweig in Deutschland, musste wegen zurückgegangener Schülerzahlen Insolvenz anmelden. Industrie erkennt Konzept an
Mit dem von Industrie und Verband anerkannten Konzept wollen die Freiberger nun die Lücke füllen und die Qualifizierungen auf die gesamte verarbeitende Industrie ausdehnen. "Nach dem Wegfall von Reutlingen ist das Freiberger Institut die bestqualifizierte Stelle in Deutschland", betont Thomas Schröer, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Lederindustrie mit Sitz in Frankfurt. "In Freiberg gibt es flexible Ausbildungsstrukturen und notwendige technische Fertigkeiten." Die werden von den Forschern am Institut unter anderem bei der Zusammenarbeit mit der Autoindustrie und der Medizin genutzt.
Um die Arbeit weiter entwickeln zu können, wird der Bau eines neuen Labortraktes geplant. In zwei bis drei Jahren soll das von Sachsen geförderte Millionenprojekt nutzbar sein. "Aber auch Erinnerungen an die Gerberausbildung, die in Freiberg 1948 nach dem Zweiten Weltkrieg für Gesamtdeutschland wieder aufgenommen wurde, halten wir wach", erklärt Stoll. Während diese Ausbildung ab 1950 an den VEB Lederwerke Weida in Thüringen, ging, blieb bis 1992 noch eine Ingenieurschule am Institut.


