Jörg Roder, Mitarbeiter der Metallbaufirma Hetze, beim Sägen von Profilleisten an der Kappsäge. Die neue Glashalle des Betriebes (Hintergrund) entstand in jüngster Zeit.
Foto: Eckardt Mildner
Glas und Stahl fordern Spezialisten heraus
Metallbau Hetze aus Clausnitz verglast bundesweit Fassaden
Clausnitz. Fassaden aus Glas und Stahl - modern, aber auch angelehnt an architektonische Meisterleistungen vergangener Zeit - das ist das Spezialgebiet der Clausnitzer Firma Metallbau Hetze. Und dafür ist der relativ kleine Betrieb in ganz Deutschland bekannt. Denn die gläsernen Meisterwerke der Erzgebirger funkeln an öffentlichen Gebäuden zwischen Ostseeküste und Thüringer Wald.
"Wir haben die Herausforderung gesucht, weil die Stahlarbeiten im Baugewerbe uns irgendwann nicht mehr reichten", denkt Geschäftsführer Frank Hetze zurück. Doch bis zur heutigen Situation der Firma, die nach seinen Worten einen Jahresumsatz von etwa 4 Millionen Euro erwirtschaftet, sei es ein steiniger Weg gewesen.
Das gewölbte Glasdach eines Ateliers in Ahrenshoop lässt viel Raum für Licht.
Foto: Metallbau Hetze
Firmengeschichte bis 1723
Familie Hetze, in Nassau ansässig, kann auf eine lange Firmengeschichte zurückblicken. 1723 gründeten Vorfahren eine Schmiede in Nassau, die bis 2001 noch bestand. Während Harald Hetze von 1984 an die Schmiede weiter auf traditionelle Weise führte und nach der Wende den Stahlbau forcierte, war Sohn Frank Hetze, gelernter Fahrzeugschlosser und studierter Betriebswirtschaftler, in anderen Firmen in Deutschland und Österreich tätig. "Ich wollte selbst meine Erfahrungen machen", sagt der heutige Chef. 1997 stieg er dennoch in den väterlichen Betrieb ein, als dieser gewaltig Schlagseite hatte. "Damals gingen die ersten Baufirmen kaputt, dieser Sog zog uns mit", erinnert sich der 42-Jährige. Aber es gelang, den Betrieb zu retten. Schon im ersten Jahr nach der Übernahme wollte Frank Hetze 1 Million Euro Umsatz schaffen. "Mit den ersten großen Aufträgen ist das auch gelungen", denkt er zurück. Dazu zählten das Dresdner Schloss, Schloss Eckberg und das Hotel "Luisenhof".
2002 zog der Metallbaubetrieb auf seinen jetzigen Standort an der Bundesstraße 171 und investierte Stück für Stück in Gebäude und Maschinenpark. Eine besondere Schweißanlage bildet dabei das Herzstück. Für die heute etwa 30 Mitarbeiter ist jeder Auftrag ein neuer Firmenabschnitt, und der reicht über erste Gedanken zum Projekt, verschiedene Planungsschritte, Kalkulation, technische Zeichnungen, unzählige Absprachen mit Architekten und Glasherstellern in aller Welt bis hin zur oft halsbrecherischen Umsetzung durch die Spezialisten des Betriebes. "Oft sehen die Mitarbeiter das Projekt nur auf dem Papier oder auf Bildern", beschreibt Ehefrau Claudia Hetze, die in der Buchhaltung tätig ist, die besonderen Herausforderungen. "Das spüren auch unsere Lehrlinge schon", sagt der Firmenchef, der gern weiteren jungen Leuten aus der Region eine Perspektive bieten möchte.
Jüngste Firmen-Projekte: Das Denkmal "Topografie des Terrors" in Berlin erhielt ein gläsernes Dach.
Foto: Metallbau Hetze
Höchste Baustelle in Frankfurt
Für die ganz besonderen Projekte ist Frank Hetze bundesweit unterwegs. Und wenn die Visionen der Architekten andere zum Verzweifeln bringen, sieht er nicht selten eine Chance. Gemeinsam mit Glasherstellern entwickelte er besonders gefräste Scheiben für das Denkmal "Topografie des Terrors". Und für eine Pyramide aus Glas, die ein Unternehmer bauen ließ, orderte er selbst die golden funkelnden Glasscheiben in Spanien. "Wir sind auf der höchsten Baustelle, dem Frankfurter Opernturm, tätig und haben die tollsten Auftraggeber", resümiert Frank Hetze. Dazu zählten das Bundesbauministerium ebenso wie Möbel Mahler in Siebenlehn. Dessen gläserne Fassade bauten die Erzgebirger. Mit Visionen ist es also schwierig? "Wir haben in unserer Branche viel erreicht", räumt Frank Hetze ein und macht neugierig: "Wir überlegen, wie wir uns ein weiteres Standbein schaffen können."

