Foto: dapd

Hausärzte finden keinen Nachfolger

Politiker setzen Hoffnungen in das neue "Landarztgesetz", doch die Praxis sieht bisher anders aus

Freiberg. Keine Chance: Schon im Sommer 2010 hat Dr. Stefan Peter begonnen, einen Nachfolger für seine hausärztliche Praxis in der Gabelsberger Straße 45 in Freiberg zu suchen - ohne Erfolg. Dabei hatte der Mediziner die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KVS) eingeschaltet, im "Ärzteblatt" annonciert und es über Mundpropaganda versucht. Gebracht hat es nichts.

"Nur eine einzige Interessentin hat sich gemeldet. Aber ihr war meine Praxis zu groß", erzählt der 65-Jährige. Am 31. Dezember 2011 ging er nach 40-jährigem Wirken in den Ruhestand, die Räume seiner einstigen Praxis stehen nun leer. "Mir tun meine Patienten leid, die jetzt Klinken putzen müssen, um einen neuen Hausarzt zu finden", sagt Peter.

So wie dem Freiberger Allgemeinmediziner geht es vielen seiner Kollegen, die sich in den Ruhestand verabschieden: Sie finden keinen Nachfolger, der ihre Praxis übernimmt und ihre Patienten weiter betreut. 16 Hausärzte fehlen laut Bedarfsplan der Kassenärztlichen Vereinigung im Altkreis Freiberg. In ganz Mittelsachsen gibt es 27 freie Hausarztstellen.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann aus Eppendorf setzt große Hoffnungen in das seit dem 1. Januar geltende Versorgungsstrukturgesetz für die gesetzliche Krankenversicherung ("Landarztgesetz"). Denn es bietet Vergütungsanreize "zur Steuerung des Niederlassungsverhaltens" der Mediziner, wie die mittelsächsische Politikerin betont. Im Klartext: Wer in unterversorgten Regionen praktiziert, kann jetzt mehr verdienen. Bisher mussten Mediziner Honorarabschläge in Kauf nehmen, wenn in ihrer Praxis eine festgelegte Zahl an Behandlungen überschritten wurde. Davon sind nun Ärzte außerhalb der Ballungsräume ausgenommen - die Arbeit im ländlichen Raum würde sich mehr lohnen.

Zudem hebt das "Landarztgesetz" die sogenannte Residenzpflicht auf: Ärzte müssen nicht mehr in dem Ort wohnen, in dem sich ihre Praxis befindet. "Außerdem wurden bessere Möglichkeiten für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Landärzte geschaffen", betont die Bundespolitikerin. Ins selbe Horn bläst Thomas Schmid, der das "Landarztgesetz" ebenfalls als möglichen Retter in der Ärzte-Not bewertet und "Licht am Horizont" sieht. Laut dem Pressesprecher der Barmer-GEK in Mitteldeutschland ist die Suche nach Medizinern auch immer eine Geldfrage. Und in dieser Hinsicht offeriere das Gesetz neue finanzielle Anreize.

 

 
erschienen am 04.01.2012 ( Von Heike Hubricht )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 05.01.2012
    12:25 Uhr

    GesunderMenschenverstand: Bereits am 14.12.2011 haben Sie unter der Überschrift fehlender Augenärzte offensichtlich für Frau Bellmann geworben, nun sind es die fehlenden Hausärzte, die Frau Bellmann eine Chance auf einen Artikel in der Freien Presse eröffnen (in einigen Printausgaben auch wieder mit Bild). Ich schlage vor, Sie machen daraus eine Serie - es gibt noch viele Fachärzte, an denen es mangelt. Zum Beispiel Chirurgen, HNO, Neurologen... auf die Frau Bellmann ihre Hoffnungen setzen kann. Da bleibt sie wenigstens immer präsent bis zur nächsten Wahl.

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