Ein kühles Eis nach dem Einkauf gönnten sich am Montag Silke Gloaguen (r.) mit Tochter Emma aus Freiberg und Oma Helga Schröck aus Stuttgart bei Ines Neumann (h. r. ) in der Italienischen Eisdiele.
Foto: Eckardt Mildner
Hitze bringt Freiberger ins Schwitzen
Temperaturen von bis zu 38 Grad im Schatten halten Region in Schach
Freiberg. Sommer, Sonne, Sonnenschein - seit drei Tagen hat die Affenhitze Freiberg und Umgebung voll erfasst. Doch auch wenn der Schweiß in Strömen fließt: Die Freude über das traumhafte Wetter überwiegt. Und die Leute haben sich wohl darauf eingestellt.
Das Freiberger Krankenhaus zumindest gibt Entwarnung. "Aufgrund der Hitze gab es keine besonderen Vorkommnisse", erklärt Sprecherin Gerlind Schneider. Zwar seien Patienten mit Herz- und Kreislaufproblemen in der Notaufnahme eingeliefert worden, "aber es gab keinen Anstieg."
Damit das so bleibt, gibt Dr. Hans Bödeker Tipps: "Man sollte Hitze sowie direkte Sonneneinstrahlung meiden und im Zweifel im Haus bleiben", sagt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Im Freien empfiehlt der Mediziner luftige Kleidung und Kopfbedeckung. Und es sei wichtig, ausreichend zu trinken und gehaltvolle Mahlzeiten zu meiden.
Weil leckeres Eis Erfrischung bietet, gibt es einen Run auf die Eisdielen. Lange Schlangen sind keine Seltenheit. "Wir verkaufen deutlich mehr - und zwar nicht nur die gängigen Sorten Erdbeer, Vanille und Schoko, sondern auch Zitrone, Rosa Pampelmuse, Stracciatella und die anderen 14 Sorten", sagt Ines Naumann. Laut der Inhaberin der Italienischen Eisdiele in Freiberg kommen mittags auch viele Angestellte und holen Eis für die ganze Abteilung.
Etwas mehr Einsätze als an gewöhnlichen Tagen verbuchen die Gelben Engel. "Ursachen sind schlappe Batterien und defekte Kühlsysteme sowie poröse Reifen", sagt Birgit Müller vom ADAC Sachsen. Und: Nicht selten vergessen Leute die Schlüssel im Wagen und kommen dann nicht wieder rein. Prinzipiell scheinen sich die Autofahrer aber mit der Gluthitze arrangiert zu haben. "Es gibt nicht mehr Verkehrsunfälle als an sonnenarmen Tagen", erklärt Polizeisprecherin Jana Kindt.
Und damit das so bleibt, empfiehlt Werner Helfen Autofahrern, ihren Wagen möglichst im Schatten zu parken. "Und beim Losfahren sollten sie erst einmal die Fester runterlassen, bis die größte Brut heraus ist und die Klimaanlage arbeitet. Deren Temperatur sollte man nicht zu tief stellen - sonst droht eine Erkältung", sagt der Chef der Gebietsverkehrswacht Freiberg. Der Fahrschullehrer betont, dass bei Hitze die Konzentration leidet. "Auch auf die Gereiztheit anderer Verkehrsteilnehmer sollten sich die Fahrer einstellen."
Den Bäckern macht die Hitze zu schaffen. "Bei uns steht die Luft. Auch nachts kühlt sich nichts ab - das schlaucht schon", sagt Jens Schaarschmidt, Chef der gleichnamigen Freiberger Bäckerei. Direkt vorm Backofen herrschen 45 Grad. "Aber da muss man durch. Wichtig ist, dass man den Flüssigkeitsverlust durchs Schwitzen ausgleicht, also viel trinkt", sagt der Bäckermeister.
Das sieht Ray Wünsche ähnlich. "Wir empfehlen unserer Belegschaft, mindestens drei Liter pro Tag zu trinken, und bieten kostenfrei gekühlte Getränke an", sagt der Geschäftsführer der Freiberger Spezialgießerei Actech (knapp 400 Mitarbiter). In der Produktion herrschen bis zu 45 Grad. "Bei uns werden besonders schwere Arbeiten möglichst nachts und nicht gerade in der wärmsten Zeit erledigt", sagt Wünsche. Und die Teamleiter könnten die Pausen der Mitarbeiter verlängern - damit sie sich in klimatisierten Räumen erholen können.
Für den Wetterexperten Manfred Tietz sind heiße Tage nichts Ungewöhnliches. "Temperaturen über 30Grad Celsius gibt es in jedem Jahr", erklärt der Frankensteiner. Seltenheitswert hätten hingegen die sogenannten Tropentage. Einer davon sei der vergangene Sonntag gewesen. "Dann liegt der Mittelwert eines Tages höher als 25Grad Celsius", sagt Tietz. "Am Sonntag waren es genau 27,2 Grad."

