Gislinde Stadler (l.) arbeitet seit 14 Jahren im Eine-Welt-Laden mit. Gestern beriet sie Rena Schmidt bei der Suche nach Musikinstrumenten aus der Dritten Welt.
Foto: Eckardt Mildner
Im Eine-Welt-Laden geht das Licht aus
Grund: Trägerverein löst sich auf - Ehrenamtliche hoffen dennoch auf Zukunft des fairen Handels in Freiberg
Freiberg. Im Freiberger Eine-Welt-Laden "La Tienda" geht zum Jahresende für immer das Licht aus. Am 30. Dezember besteht letztmals die Gelegenheit, im Geschäft an der Untergasse 10 fair gehandelte Produkte aus aller Welt zu kaufen.
Wehmütig hat Gislinde Stadler, die seit 1995 ehrenamtlich im Projekt mitarbeitet, am Dienstag den Zettel mit dem Schließungstermin im Fenster angebracht. "Es hängt viel Herzblut an der Arbeit und am Laden. Unsere Kunden müssen jetzt bis nach Chemnitz oder Dresden fahren", sagt die pensionierte Chemikerin.
Hauptproblem sind nicht Umsatzverluste oder die Konkurrenz von Supermärkten, die inzwischen ebenfalls Waren aus dem Fairen Handel anbieten. "Wir haben bis zuletzt schwarze Zahlen geschrieben, auch wenn uns die Wirtschaftskrise zu schaffen machte", sagte am Dienstag Annett Heinich vom "Verein zur Förderung des Verständnisses für die Probleme der Einen Welt", der das Projekt betreute.
Jetzt löst sich der Verein mit etwa 20 Mitgliedern auf. "Wir haben nicht mehr genügend ehrenamtliche Mitstreiter. Es fehlen vor allem Leute für den Vorstand", bedauert Annett Heinich. Das bedeutet gleichzeitig nach fast 20-jährigem Bestehen das Aus für den Eine-Welt-Laden.
Die Hoffnung, dass der faire Handel in Freiberg dennoch weiter unterstützt wird, geben die Mitstreiter nicht auf. "Es gibt Bestrebungen von Studenten der TU Bergakademie, das Anliegen fortzuführen. Außerdem sind wir im Gespräch mit dem Chemnitzer Weltladen. Dieser übernimmt auch unsere Waren", erklärt Annett Heinich.
1990 hatten sich engagierte Freiberger - Schüler, Studenten, Berufstätige, Hausfrauen und Rentner- zusammengetan, weil sie nicht akzeptieren wollten, dass das reiche Fünftel der Erde sein Leben auf dem Rücken einer Mehrheit von Armen und Ärmsten bestreitet. Sie bauten den Eine-Welt-Laden auf, der fortan Waren anbot, die den Produzenten in der Dritten Welt eine faire Grundlage für Leben und Entwicklung lassen.

