Gisela Richter aus Rechenberg-Bienenmühle, bekannt als Kräuterweibl, sammelt auch Wurzeln und erklärt bei geführten Wanderung deren heilsame Wirkung.

Foto: Dieter Thümmel

Kräuterweibl schwört auf die Kraft der Wurzeln

Naturexpertin Gisela Richter findet dieser Tage viel Heilsames gegen Wehwehchen

Rechenberg-Bienenmühle. Auch im Herbst zieht es Gisela Richter in die Natur. Dann allerdings nicht zum Kräutersammeln, sondern zum Wurzelstechen. "Ab September gehen die oberirdischen Teile der Pflanzen zurück, und alle Kraft steckt dann in der Wurzel", erklärt die Expertin, die sich seit ihrer Kindheit für die Natur und alles, was in ihr wächst, interessiert.

Und so macht sie sich zurzeit auf, um an Waldrändern und Feldwegen zum Beispiel Beinwell zu stechen. "Dieser hat seinen Namen von den Beinen, denen er gut tun soll", erklärt Richter. Bei Knochen- und Gelenkproblemen, Durchblutungsstörungen sowie Krampfadern bringe eine Salbe oder Tinktur, aus der Wurzel gekocht, schnell Linderung.

"Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum hilft Blutwurz", erzählt die Kräuterexpertin. Wie der Name schon sage, enthalte der Wurzelstock einen roten Farbstoff, der schon früher als Mittel gegen Blutungen verwendet wurde. Blutwurz könne als Tinktur oder Tee angewandt werden. Der Tee helfe zum Beispiel gegen Durchfall. Dafür übergieße man ein bis zwei Teelöffel Blutwurz mit einer Tasse kochendem Wasser und lasse ihn zehn Minuten ziehen, empfiehlt die Kräuterfrau: "Anschließend abseihen und in kleinen Schlucken trinken, täglich ein bis drei Tassen."

Wie bei allen stark wirksamen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken, betont Richter. Durch die Pause würden unerwünschte Langzeitwirkungen verhindert, und die gewollte Blutwurz-Wirksamkeit bleibe erhalten und lasse nicht durch Gewöhnung nach. Auch für die bevorstehende Erkältungszeit hat das Kräuterweibl einen Tipp parat: "Der gute alte Meerrettich hilft immer." Mit Honig verrührt, schmecke er selbst Kindern.

Als Verfeinerung von Fleischspeisen sei Meerrettich bekannt, doch dass er auch eine ausgeprägte Heilwirkung hat, wüssten nur wenige. Seine scharfe Wurzel helfe gegen allerlei Infektionskrankheiten und auch gegen Schmerzen. "Sogar Grippeerregern sagt er den Kampf an", weiß Gisela Richter. Im Herbst und Winter sollte man also immer eine Meerrettich-Wurzel im Kühlschrank oder Keller haben. Sie rät: "Einen Arztbesuch ersetzen Kräuter und Wurzeln nicht, aber vielleicht den einen oder anderen Gang in die Apotheke." (ZIMP)

 
erschienen am 07.10.2008
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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