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Margit Barthel betreibt mit ihrem Mann ein Zinngeschäft im Kunsthandwerkerhof an der Burgstraße. Auch sie ist froh, dass der Verkauf des Ensembles daran nichts ändern soll.

Foto: Eckardt Mildner

Kunsthandwerkerhof Freiberg bekommt neuen Besitzer

Die TU breitet sich damit in der Innenstadt weiter aus. Unter Mietern des Kleinods hatte das für Unsicherheit gesorgt. Doch Rektor Barbknecht versichert: Niemand muss um seine Zukunft zittern. Warum also kauft er?

Von Frank Hommel
erschienen am 20.03.2017

Freiberg. Seit 2013 gibt es die Essbar im Kunsthandwerkerhof Freiberg. Das Mittagsangebot mit ausgefallenen Kreationen und biologischen, teils veganen Gerichten findet sehr viel Zuspruch. "Und der wird immer größer", sagt Betreiberin Katrin Froese. "Darüber freuen wir uns sehr." Die Essbar, sagt sie, passt gut ins Konzept des historischen Gebäude-Ensembles in bester Altstadt-Lage mit Keramik-Laden, Foto-Studio, Kunstraum der Volkshochschule, Zinngießerei, Mineralienwerkstatt und Veranstaltungszentrum. "Es wäre schade, wenn sich daran etwas ändern würde."

Das aber befürchten manche, sagt einer der Mieter der "Freien Presse". Grund: Es ist durchgesickert, dass der Kunsthandwerkerhof einen neuen Besitzer bekommt.

Ende der 1990er-Jahre wurde der einstige Gasthof, der auch als Poststation diente, saniert und umgestaltet. Dahinter stand Gizef, die Zentrum für Innovation und Unternehmertum GmbH, die das Gebäude übernommen hatte und den Umbau stemmte. "Ein Meilenstein für Freiberg", nennt Oberbürgermeister Sven Krüger (SPD) diesen Schritt noch heute. Doch nun sind sich Gizef und die Stiftung der TU Bergakademie Freiberg handelseinig geworden. Die TU-Stiftung übernimmt das Ensemble. Aktuell geht es nur noch um Formalitäten. Wird sich die TU, die bereits am Schlossplatz Quartier bezogen hat, damit auch auf den Kunsthandwerkerhof ausbreiten? Müssen Mieter weichen?

"Nein", versichert Klaus-Dieter Barbknecht, der als Rektor der Hochschule mit dem Amt gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Stiftung ist. "Der Charakter des Gebäudes wird auf jeden Fall erhalten bleiben." Der Kauf habe vor allem strategische, finanzielle Gründe. Die 2002 gegründete Stiftung soll unabhängig von irgendwelchen Budgets im Staatshaushalt "Unterstützung bei der personellen Absicherung von Lehre und Forschung sowie der dafür erforderlichen räumlichen und materiellen Ausstattung gewähren", heißt es in der Satzung. Für diesen Zweck gibt es ein Stiftungsvermögen. Normalerweise dienen die erwirtschafteten Zinsen dem Stiftungszweck. Doch momentan sind die Zinsen im Keller. Für die Stiftung sei der Kauf des Gebäudes zwischen Rektorat an der Akademiestraße und SIZ an der Burgstraße also vor allem eine Geldanlage. Aber eben nicht nur. Denn gleichwohl will die TU auch Büros im Kunsthandwerkerhof nutzen. Nur welche und wofür, das stehe noch nicht fest, erklärt Barbknecht. Schon jetzt gibt es dafür freie Räume. "Die Auslastung beträgt aktuell 79 Prozent", sagt Gizef-Geschäftsführer Peter Opitz.

Und einer der aktuell acht Mieter zieht aus: Der Verein Epi-Zentrum Freiberg, der unter dem Dach allwöchentlich Filme zeigt und weitere Veranstaltungen organisiert, will sein Domizil im Sommer aufgeben. Für eine Veranstaltung pro Woche lohne sich das nicht mehr, sagt Organisator Carsten Kohlschmidt. Künftig werde sich das Epi-Zentrum für seine Aktivitäten wechselnde Lokalitäten suchen. Das habe aber nichts mit dem Besitzerwechsel des Kunsthandwerkerhofs zu tun, versichert er.

Die Gizef indes will sich bei der Förderung junger Unternehmen auf ihren Hauptstandort Am St. Niclas-Schacht konzentrieren, teilt Opitz mit. Der sei für die Ansiedlung und Betreuung von technologieorientierten Unternehmen und Forschern weitaus besser geeignet. Das Unternehmen verfüge ohnehin über keine weiteren Immobilien. Auch Opitz betont, dass sich nur durch den Verkauf des Kunsthandwerkerhofs für die Mieter nichts ändert: "In Deutschland werden bei einem Eigentümerwechsel bestehende Mietverträge nicht berührt."

 
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