Marthe ist allgegenwärtig
Premiere der Stadtführung "Auf den Spuren der Hebamme" wird zum Erfolg
Freiberg.Wie die Rattenfänger von Hameln zogen am Sonntag zwei Mittelaltermusikanten der Gruppe "Fidelio" einen Pulk duch die engen Gassen der Freiberger Altstadt. Diego Scholz am Dudelsack und sein Bruder Roman an der Davul - einer großen Trommel - waren es aber nicht nur allein, die die Premiere der Stadtführung "Auf den Spuren der Hebamme" zu einem Erfolg werden ließen. Die Autorin selbst, Sabine Ebert, hatte es sich nicht nehmen lassen, diese ungewöhnliche Geschichtstour zu begleiten. Und letztendlich sind es ihre Hebammen-Bände, die fast 30 Neugierige angelockt hatten.
Denn die Geschichten um Marthe und Christian sind gleichzeitig Historie, Liebesgeschichten und Krimi, wie Stadtführerin Renate Bremerstein ihren Gästen erklärte. Ihr gelang es dann auch, alles spannend und humorvoll an geschichtsträchtigen Orten der Bergstadt zu vereinen. Ihr Mann, Reni Bremerstein, las passend dazu aus Sabine Eberts Büchern vor.
So war auch ein Stopp vor dem "Braustübel" . "Natürlich ist das nicht belegt, aber hier könnte die Stelle sein, wo damals der Siedlerzug ankam", berichtete die Stadtführerin. Die Neuankömmlinge waren nicht nur voller Zuversicht, sondern auch erschöpft und hungrig. "Die Frauen kümmerten sich um die Verpflegung", sprach Renate Bremerstein und ließ einen Korb mit Haferkeksen herumgehen.
Oberhalb des Kartoffelhauses, auf der Pfarrgasse, könnte einst Christiansdorf gestanden haben. "Viele Häuser sind aus dem 16. Jahrhundert, also viel später gebaut", so Renate Bremerstein, aber vermutlich war hier die Hauptstraße der einstigen Siedlung. "Das wäre logisch, denn hinter der heutigen Donatskirche gab es bis zum 15. Jahrhundert eine kleine Donatskirche." Um 1250 entstand das Bürgerhaus gegenüber der Dürerschule. Es ist das älteste Gebäude von Freiberg, weiß die Stadtführerin. Haben hier Christian und Marthe gelebt und sich geliebt? Vielleicht. Zumindest die Exkursteilnehmer konnten es sich vorstellen.

