So nicht: Inhalt einer gelben Tonne.
Foto: EKM
Müll-Experiment: Brand-Erbisdorfer Entsorger untersuchen Abfall
Wertstoffe oftmals mit Restmüll verschmutzt
Brand-Erbisdorf. Der Teebeutel als Klassiker - Entsorger dürften ihre Freude haben, wie vorbildlich Komiker Otto Walkes Abfall trennt. Im wahren Leben sieht das jedoch anders aus. Mit Restmüll verschmutzte gelbe Tonnen sind an der Tagesordnung, wie eine Sortieranalyse von der Entsorger Becker Umweltdienste GmbH und Entsorgungsdienste Kreis Mittelsachsen (EKM) dieses Jahr im Landkreis ergab. Wertvolle Ressourcen gehen damit verloren. Deshalb wollen die Fachleute zwei Pilotprojekte in der Region Brand-Erbisdorf starten und damit mehreren Dingen auf den Grund gehen.
"Die Auswertung zum Inhalt der gelben Tonnen war ernüchternd. 30 Prozent gehörten in den Rest- oder Bio-Abfall, weitere sieben Prozent in die Papiertonne. Nur etwa die Hälfte in den Behältnissen waren Verkaufsverpackungen, wurden also richtig entsorgt", sagt René Linke, Betriebsstättenleiter bei Becker Umweltdienste. Die Situation in der Sortieranlage Langenau bringe deshalb teils unvorstellbare Belastungen, zudem könnten viele Wertstoffe nicht wieder verwendet werden. Während ihrer Touren hätten die Becker-Mitarbeiter nun den Auftrag, stark verschmutzte Tonnen nicht mehr zu entleeren und deren Inhalt zu fotografieren. René Linke: "Es ist ein Trugschluss, dass im ländlichen Raum Müll besser getrennt wird als in den Städten."
Auch die Füllstände der zweiwöchigen Entleerung der gelben Behältnisse haben die Entsorger registriert. "Dreiviertel der Tonnen waren nur halb voll, und nur ein Drittel wurde alle zwei Wochen zur Entsorgung bereitgestellt", erläutert Solveig Schmidt, Abfallberaterin bei der EKM. Im zweiten Halbjahr werden deshalb in Großhartmannsdorf und Neuhausen die gelben Tonnen nur noch einmal im Monat entleert. "Ziel muss weniger Restmüll in den Behältern sein", sagt Solveig Schmidt. "Und wenn richtig getrennt wird, gibt es kaum Geruchsbelästigung", hält René Linke derartigen Befürchtungen entgegen.
Großhartmannsdorfs Bürgermeister Werner Schubert sieht dem Projekt gelassen entgegen: "Wer mit den Tonnen nicht hinkommt, kann sich in der Gemeinde melden. Außerdem wurde uns zugesichert, dass das Vorhaben abgebrochen werden kann, sollten sich Schwierigkeiten herausstellen."
Mit einem weiteren Versuch wollen Becker Umweltdienste und EKM eigene Erfahrungen sammeln, wie sich die Entsorgung in Mittelsachsen gestaltet. Hintergrund ist laut Solveig Schmidt dabei die Ankündigung der EU, ab 2014 die Wertstofftonne einzuführen. "Darin werden dann beispielsweise die Plastikschüssel oder das alte Bobby-Car entsorgt. Derzeit kommt beides in den Restmüll, doch es kann sich niemand mehr leisten, solche Wertstoffe zu vernichten", sagt sie. Geprüft wird deshalb jetzt schon die genaue Abfallzusammensetzung. So wurde in Brand-Erbisdorf die Entsorgung von Restmüll und Leichtverpackungen dokumentiert. Nun werden die Einwohner schriftlich aufgefordert, alles an Plastik mit in die gelbe Tonne zu werfen. Nach einem gewissen Zeitraum soll eine erneute Analyse zeigen, was sich verändert hat. René Linke: "Wir sind gespannt, wie sich die Situation entwickelt."

