Sanierung der Günzelschule Stefan Bauer und Andreas Osztrovszki (v. l.), Mitarbeiter der Sprint Sanierung GmbH Dresden, trennen nach dem Wasserschaden den Fußbodenbelag im Speisesaal der Günzelschule heraus.

Foto: Eckardt Mildner

Nach Bauschaden: Sorge um Gesundheit

Lehrer und Kinder klagen über Probleme

Freiberg. Kopfschmerzen, brennende Augen - Lehrer und Schüler der Günzelschule klagen seit dem Wasserschaden Ende 2011 gleichermaßen. Dabei dürften sie diese Beschwerden gar nicht haben. Ein Aushang im Schulhaus, ausgestellt vom Privatinstitut für Innenraumtoxikologie Dr. Blei GmbH in Jena, bescheinigt nach eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen: "Eine Gesundheitsgefährdung durch Schimmelpilzbestandteile aus dem Schadensbereich kann ausgeschlossen werden."

Was war passiert? Eine undichte Pressverbindung an der Warmwasserleitung in der Küche hatte laut Hochbauamtsleiter Andreas Böhn-stedt dazu geführt, dass das Wasser bis unter den Estrich gelaufen war, sodass Bodenaufbau und Dämmung getrocknet und der Trockenbau im Erdgeschoss erneuert werden muss. Während die Verwaltung von "Verkettung unglücklicher Umstände" spricht, bezeichnen andere den auf 30.000 Euro geschätzten Schaden wenige Wochen nach der Eröffnung als "Baupfusch". Architekt Dirk Westpfahl von der für den Bau verantwortlichen Arbeitsgemeinschaft Phase 10 versichert, dass erst vor zwei Wochen wiederholt Proben entnommen wurden und nach der Trocknung erneut geprüft wird: "Wir nehmen die Sache sehr ernst."

Das gesamte Erdgeschoss der erst vor wenigen Monaten mit großem Bahnhof übergebenen Passivhausschule gleicht in diesen Wochen einer Baustelle. Die Situation ist für die Nutzer nicht nur "unschön", wie es Bildungsbürgermeister Sven Krüger formulierte, sondern nahezu unerträglich: In allen Zimmern im Erdgeschoss laufen mittlerweile rund um die Uhr die Trockner. Trotz der Vorgabe, die Brandschutztüren zu schließen, um die obere Etage zu schützen, ist diese nicht völlig abzuriegeln. Schimmel, der sich durch die Nässe in Flur und Sekretariat gebildete hat, ist laut Westpfahl mit Wasserstoffperoxyd abgedeckt worden. Die dabei absterbenden Teile würden abgesaugt, erklärt der Architekt. Neue Schimmelstellen seien nicht aufgetreten. Trotzdem beruhigt das die Betroffenen nicht.

Sämtlicher Unterricht findet in der oberen Etage statt. Ein logistischer Aufwand, der gemeistert wurde, wie Schulleiterin Bärbel Stoll versichert: "Außerdem haben wir die Eltern durch Aushang über das Baugeschehen informiert." Allerdings ist nicht nur sie mit ihrer Kraft am Ende: Die Schulkonferenz hatte wegen der Belastungen gefordert, die Winterferien eine Woche vorzuziehen. Nachdem der Vorschlag offenbar zunächst abgelehnt wurde, prüfe es nun die Stadt mit der sächsischen Bildungsagentur, betont Bürgermeister Krüger. Allerdings sei damit das Problem der Hortbetreuung nicht geklärt, die die meisten der 144 Kinder nutzen. Als Vertreter der Stadt, in einer Versammlung die Eltern über die Lage an der Schule aufzuklären, sieht Krüger nicht als zwingend an:

"Eine Einladung dazu ist von der Schule nicht gekommen". Außerdem würden Aushänge ausreichend informieren. Die Eltern ihrerseits fühlen sich von der Stadt zu wenig "wahrgenommen", wie die Mutter des neunjährigen Franz, Annett Großer, sagt. Sie macht sich wie alle Eltern Sorgen um die Gesundheit der Sprösslinge: "Die Luft ist kaum auszuhalten", betont sie. Jana Heschel bestätigt: "Unser Sohn Leon klagt wie viele Mitschüler in der Klasse 4b über starke Kopfschmerzen. Er war vorher kerngesund."

Dass die Passivhausbauweise, in der die Schule errichtet wurde, Ursache sein könnte, schließt Stefan Vetter von der Sächsischen Energieagentur Saena GmbH aus. Baustoffe würden gerade für Schulbauten sorgfältig ausgewählt. Schäden wie an der Günzelschule könnten an jedem Gebäude auftreten. "Sanitärleitungen werden mit der sogenannten Druckprobe überprüft. Trotzdem sind Leitungsschäden nicht zu 100 Prozent auszuschließen."

 
erschienen am 30.01.2012 ( Von Gabriele Fleischer )
 
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