Der neue Promovierendenrat (von links): Alireza Arab, Kamal Zurba, Wenke Wilhelms, Nadja Schmidt, Alexander Egeling, Tatsiana Piliptsevich und Christian Jäh.
Foto: Eckardt Mildner
Nachwuchswissenschaftler wählen erste eigene Vertretung an TU
Doktoranden hatten an der Universität bisher keine Anlaufstelle
Freiberg. Seit dieser Woche vertritt ein Promovierendenrat die Interessen der Nachwuchswissenschaftler an der TU Bergakademie. Zum ersten Mal haben Freiberger Promovierende aus ihren Reihen sieben Vertreter gewählt, die den jungen Wissenschaftlern eine Stimme geben.
Niemand weiß, wie groß ihre Zahl an der Freiberger Universität ist. "Wir Doktoranden werden im sächsischen Hochschulgesetz nicht als eigene Gruppe aufgeführt", erklärt Wenke Wilhelms, Mitglied des neu gewählten Gremiums. "Dort sind nur Studierende, Mitarbeiter und Professoren genannt. Deswegen werden wir auch nicht erfasst", bedauert die Doktorandin am Institut für Geophysik und Geoinformatik. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit zwischen 300 und 500 Wissenschaftler in Freiberg ihre Doktorarbeit schreiben.
Bislang gab es keine Anlaufstelle, an die sich Promovierende mit ihren Fragen wenden konnten. Offiziell werden sie zwar vom Personal- oder dem Studentenrat vertreten. "Doch beide Gremien verfügen nicht über das nötige Wissen, um Promotionsprobleme anzugehen", erklärt Wilhelms. Deshalb gründete die 29-Jährige im Oktober 2008 mit einer Hand voll Gleichgesinnter die Freiberger Initiative der Promovierenden (FIP). Ziel war es, ein eigenes Gremium zu schaffen, das sich um ihre Belange kümmert.
Wie das aussehen kann, machte die Universität Leipzig vor. Dort wählten Doktoranden im Sommer 2010 den ersten Promovierendenrat in Sachsen. "So etwas wollten wir auch für Freiberg", erinnert sich Wilhelms. Mit Unterstützung des Prorektors für Bildung und wissenschaftlichen Nachwuchs sowie der Graduierten- und Forschungsakademie der TU Freiberg organisierte die FIP nun die Wahlen. Alle Promovierenden waren aufgerufen, ihre Stimme auf einer Vollversammlung in der Neuen Mensa für einen der zehn Kandidaten abzugeben. Rund 100 Doktoranden folgten dem Aufruf. "Diese Wahl ist sehr wichtig, um endlich eine eigene Vertretung an der Universität zu etablieren", begründet Jörg Neßler, Doktorand am Institut für Mineralogie, seine Teilnahme. "Die meisten Promovierenden haben ähnliche Probleme. Da ist es gut, einen Ansprechpartner zu haben, der viele Erfahrungen in sich vereint und weiterhelfen kann."
Doch der Rat will nicht nur Beratungen anbieten. "Wir werden uns hochschulpolitisch einbringen", kündigt Wenke Wilhelms an. So werde derzeit über die Novelle des sächsischen Hochschulgesetzes beraten. "Dort müssen die Rechte von Promovierenden gestärkt werden", betont Wilhelms. Um das zu erreichen, bauten die Freiberger Wissenschaftler schon erste Kontakt zu Parteien im sächsischen Landtag auf.

