Seit reichlich drei Jahren arbeitet der Weißenborner Ortschronist Wolfgang Göhler gemeinsam mit einem Team an der Festchronik zur 850-Jahr-Feier von Weißenborn, die 2013 stattfindet.
Foto: Peter Hertel
Neue Ortschronik zur 850-Jahr-Feier
Jahresende soll das 300 Seiten dicke Werk gedruckt sein.
Weissenborn. Im nächsten Jahr steht in Weißenborn ein großes Fest ins Haus: die 850-Jahr-Feier. Dann soll es auch eine neue, aktualisierte und fortgeführte Chronik geben. An dieser arbeiten Ortschronist Wolfgang Göhler und ein Team seit reichlich drei Jahren. Das Werk wird 300 Seiten dick und hat genauso viele Abbildungen. In einer ersten Auflage sind 1000 Exemplare geplant. Der Titel lautet "Vom Waldhufendorf zur Industriegemeinde". Zu den Mitstreitern von Wolfgang Göhler gehören Albrecht Lorenz, Gerd Jäger, Frank Rothe und Jürgen Fege.
"Die Ortsgeschichte interessiert mich schon seit meiner Kindheit. Ich habe bereits während der Schulzeit Material gesammelt", berichtet der Papieringenieur Wolfgang Göhler, der jetzt in Altersteilzeit ist. Er hat auch alte Dokumente aus seiner Berufszeit aufbewahrt und fast die Hälfte aller Einwohner persönlich besucht, um Erinnerungen und Zeitzeugen auszukramen.
Die Arbeit an der Festchronik begann 2008. Grundlagen seien die Chronik des Lehrers Ernst Eckardt aus dem Jahr 1851 und die Ortsgeschichte "Weißenborn in acht Jahrhunderten" von 1963. "Damals haben die Weißenborner den 800. Geburtstag des Ortes gefeiert, obwohl es keine Gründungsurkunde gibt", erzählt der 64-jährige Ortschronist. Überliefert ist aber, dass der damalige Bürgermeister Erhard Meier nach langen Diskussionen um das Gründungsdatum mit der Faust auf den Tische gehauen haben soll und gesagt hat, 1963 ist Weißenborn 800Jahre alt und damit basta. So haben die Weißenborner jetzt ein festgeschriebenes Gründungsdatum.
Seit zwei Jahren arbeitet das Redaktionsteam unter Leitung von Albrecht Lorenz die Dokumente auf und bereitet sie für den Druck vor. Zunächst wurden kleinere Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit Landwirtschaft, Handel, Gewerbe, Schule, Orts- und Kirchengeschichte befassten. Eine andere nahm die Industriegeschichte der Kommune unter die Lupe. Damit verbunden ist vor allem die 1871 gegründete Papierfabrik, die ein Jahr später Aktiengesellschaft wurde und den Namen "Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn" erhielt. "Man wollte wohl vom Ruf Freibergs profitieren und damit Kunden anlocken", vermutet Wolfgang Göhler. Die Fabrik verhalf dem Ort schon seit ihrer Gründung zu Wohlstand und tut es noch heute.
Ebenso dokumentiert werden in der Chronik die Geschichte des Bergbaus und die Muldenflößerei. Eine weitere Autorengruppe beschäftigt sich mit Gesellschaftlichem, Historischem und Kommunalem.
Um die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen, gibt es seit 2010 in jeder Ausgabe des Weißenborner Amtsblattes einen Beitrag zur Geschichte. Bis zum Beginn des Heimatfestes werden so 34 Folgen erscheinen, die gesammelt auch einen historischen Überblick ergeben.
Wussten Sie schon?
... dass die Mulde 1616 einen lebensgroßen Kruzifix angeschwemmt brachte? Bis heute hat sich kein Besitzer gemeldet.
... dass Weißenborn von 1838 bis 1840 eine von Carl Gottlieb Munde betriebene Kaltwasserheilanstalt am Ortseingang aus Richtung Freiberg besaß? Mit dem Wasser aus Reichels Teich wurden Behandlungen nach Kneipp durchgeführt.
... dass 1888 mit einer Steigung von 1:39 die zweitsteilste Bahnlinie Sachsens von der Papierfabrik bis zum höher gelegenen Anschluss an die Bahnstrecke Freiberg-Moldau in Betrieb genommen wurde?
... dass 1897 ein mächtiges Hochwasser die große Straßenbrücke durch angeschwemmtes Holz blockierte und einen Neubau der Brücke zur Folge hatte?
... dass der praktische Arzt Moritz Maximillian Weidauer 1914 das erste Auto in Weißenborn fuhr? Es war ein Pkw Protos des Berliner Herstellers Protos Automobile GmbH. (peh)


