Blick vom Elfgeschosser an der Karl-Kegel-Straße über die Dächer von Freiberg: Am Waldrand soll die geplante Ortsumgehungsstraße verlaufen.
Foto: Eckardt Mildner
Neuer Schlagabtausch um Ortsumgehung
Nach dem gerichtlichen Stopp des Großprojekts müssen die Planer Hausaufgaben machen - Befürworter und Gegner wollen am Mittwoch tagen
Freiberg. Die Bagger werden 2012 mit Sicherheit nicht im Hospitalwald anrollen - und doch bahnt sich schon zu Beginn des Jahres ein neuerlicher Schlagtabtausch um die Freiberger Ortsumgehung an. Für Mittwoch Abend lädt das Aktionsbündnis "Pro Ortsumgehung Freiberg" zu einer Diskussionsrunde in den Städtischen Festsaal ein. Dabei wollen die Organisatoren die Frage beantworten: "Gibt es wirklich Alternativen zur Ortsumgehung?"
Mitte Juli 2011 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den Bau des 68-Millionen-Euro-Projekts vorerst gestoppt. Begründung: Die Gestaltung der geplanten Trasse, die einen Bogen von der B 173 in Halsbach südlich über die B 101, den Hospitalwald und die B 173 zur B 101 bei Kleinwaltersdorf schlagen soll, verstoße gegen den Natur- und Artenschutz. Damit wurde einer Klage des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) stattgegeben. Moniert wurden fehlende Nachweise über Schutzmaßnahmen für Fledermäuse und Zauneidechsen; auch die Auswirkungen auf die Kreuzermarkteiche bei Halsbach seien nicht ausreichend untersucht worden.
Experten prüfen Naturschutz
Nach dem Gerichtsurteil liegt der Ball jetzt bei der Landesdirektion Chemnitz. Sprecher Joachim Eckert kündigte am Montag an, im April werde ein Ingenieurbüro damit beginnen, mögliche Auswirkungen des Baus auf den Artenschutz vor Ort zu untersuchen. Nach Abschluss der Analyse im Herbst würden Ergänzungen in den Plan eingearbeitet. Vor dem neuerlichen Planfeststellungsbeschluss würden auch betroffene Träger öffentlicher Belange gehört.
Derweil macht das Aktionsbündnis "Pro Ortsumgehung" wieder auf sich aufmerksam. "Mit der Diskussionsrunde wollen wir zeigen: Es gibt uns noch", sagte Organisator Sebastian Hamann. Als neutraler Fachmann soll Rainer Ebersbach, ein öffentlich bestellter Sachverständiger für Tief- und Straßenbau aus Chemnitz, referieren und der Frage nachgehen, wie seriös innerstädtische Verkehrslösungen als Alternative zur Ortsumgehung sind. Den Experten habe Baubürgermeister Holger Reuter als Mitglied des Aktionsbündnisses organisiert, berichtet Hamann. Man kenne sich von gemeinsamen Projekten mit der Stadt.
Straßenfan als Moderator
Reuter ist es auch, der die anschließende Podiumsdiskussion moderieren wird, zu der Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm, Mario Klippstein von der Aqua Saxonia GmbH und Stadtrat Klaus Stürzebecher (Sportinitiative) angekündigt sind. Zur Frage, wie der Baubürgermeister als erklärter Unterstützer der Ortsumgehung die Rolle eines Moderators übernehmen könne, sagte Hamann: "Ganz aus der Hand geben wollen wir die Veranstaltung nicht." Reuter sagte der "Freien Presse", die Veranstalter brauchten einen Vermittler mit Sachverstand.
Bei Norman Pohl von der Bürgerinitiative "Pro Wald" sorgte der Termin der Veranstaltung für heftige Kritik. Es sei eine Provokation, die Diskussionsrunde exakt auf die selbe Stunde zu legen, zu der sich "Pro Wald" zur ersten öffentlichen Strategieberatung in diesem Jahr verabredet hatte. Sebastian Hamann erklärte, man habe die Überschneidung bemerkt; eine zeitnahe Verlegung sei aber nicht möglich gewesen. Die BI "Pro Wald" sagte inzwischen ihr eigenes Treffen ab. Sprecher Jörg Thümmler: "Wir haben unseren Mitgliedern empfohlen, in den Festsaal zu kommen. Wir wollen gerne mit diskutieren."


