Simona und ihr Mann Mike Börner sowie Bärbel Weise (v. l.) gehören zu den Niederbobritzscher Anwohnern, die von den Windkraftanlagen genervt sind und Unterschriften gesammelt haben. 
Simona und ihr Mann Mike Börner sowie Bärbel Weise (v. l.) gehören zu den Niederbobritzscher Anwohnern, die von den Windkraftanlagen genervt sind und Unterschriften gesammelt haben.

Foto: privat

Niederbobritzsch: Einwohner kämpfen gegen Windmühlen an

Anwohner sind von Geräusch genervt

Niederbobritzsch. In der Viertelsiedlung in Niederbobritzsch formiert sich Widerstand. Die fünf Windmühlen auf der Fläche zwischen Tannenhübel und Schmohlhöhe bringen die Anwohner um ihren Schlaf. "Es hört sich an, als würde ständig ein Flugzeug am Himmel kreisen. Das nervt," schimpft Anwohner Mike Börner. Mit einer Unterschriftenliste wollen sie jetzt ein Lärmschutzgutachten erzwingen.

Seit August vergangenen Jahres drehen sich die Windräder, die von der WAK Tannenhübel Limited aus Dresden errichtet wurden, auf der Anhöhe. Das Gebiet, das Flurstücke von Bobritzsch und Hilbersdorf umfasst, war von der damaligen Gemeinde Bobritzsch 2004 als Vorranggebiet für Windkraftanlagen ausgewiesen worden, um Wildwuchs zu verhindern. Auch im Regionalplan Chemnitz-Erzgebirge ist das Areal verankert und damit für Windkraftanlagen privilegiert.

"Es ist eine absolute Lärmbelästigung", berichtet Anwohnerin Hannelore Friebe. Sie habe zunächst gar nicht gewusst, dass das Geräusch von den Windmühlen käme, "bis mein Mann mich aufgeklärt hat". "Wenn der Wind aus Westen kommt, und das ist hier meistens der Fall, ist es besonders schlimm", berichtet auch Bärbel Weise. Zudem habe sie ständig Schattenschlag in ihrem Wintergarten. "Das mindert doch auch den Wert unserer Grundstücke," sagt sie. Klaus Liebscher würde das Geräusch sogar im Wohnzimmer bei laufendem Fernseher hören, obwohl er ein Stück weg im Rosental wohnt. Simona Börner ergänzt: "Sonst hatten wir im Herbst im Zugvögel hier. Die waren letztes Jahr nicht da." Johannes Börner hat tagsüber Fledermäuse gesehen. "Die werden von den Windmühlen gestört," vermutet er. Auch der Vorsitzende der Grünen Liga Sachsen, Tobias Mehnert, hatte den Windpark kritisiert. Auf der Schmohlhöhe befinde sich ein Rastplatz für Kiebitzschwärme, zudem brüteten dort Offenland-Vögel wie Braunkehlchen und Wiesenpieper.

Die Anwohner fühlen sich allein gelassen. "Wir haben gehofft, dass der Bürgermeister sich mal mit uns zusammensetzt, damit wir darüber reden, was man eventuell tun kann," moniert Simona Börner. Von den Bau der Windmühlen habe man bis zuletzt nichts gewusst. "Es war immer die Rede davon, dass sie auf der Schmohlhöhe gebaut werden", sagt die Anwohnerin. 77 Unterschriften aus Hilbersdorf und Niederbobritzsch haben sie gesammelt und in der Unteren Immissionsschutzbehörde des Landratsamtes Mittelsachsen eingereicht. Das war Anfang Januar. "Bis heute haben wir keine Reaktion erhalten", sagt Hannelore Friebel. Die Anwohner fordern eine Lärmmessung über einen längeren Zeitraum. Zudem sollen die Anlagen über Nacht abgestellt werden. Und das Problem des Schattenschlages müsse gelöst werden.

"Wäre eine Überschreitung von Immissionswerten zu befürchten gewesen, hätte das Vorhaben nicht genehmigt werden dürfen," erklärt Cornelia Kluge, stellvertretende Pressesprecherin im Landratsamt Mittelsachsen. Die Behörde wolle nun aber die Beschwerden zum Anlass nehmen, um weitere Schritte zu prüfen. Das Landratsamt selber könne Geräuschimmissionsmessungen nicht durchführen. Anlagenbetreibern könne aber in begründeten Fällen angeordnet werden, durch Messbüros diese durchführen zu lassen, wenn schädliche Umwelteinflüsse befürchtet würden.

"Ich kann den Unmut der Bürger verstehen," räumt Bürgermeister Volker Haupt (CDU) ein. Allerdings kämen die Proteste zu spät. Den Vorwurf der Anwohner, dass sie nichts gewusst hätten, will er so nicht gelten lassen. Die Bauplanphase sei über einen geraumen Zeitraum öffentlich gelaufen. "Es gab Bürgerinitiativen in Hilbersdorf und Naundorf, aber keine Reaktion aus Niederbobritzsch", erklärt er. Das Areal des Windparks liege zwischen Tannenhübel und Schmohlhöhe, daher habe man sich im Bebauungsplan auf den Namen Schmohlhöhe geeinigt. Er gibt allerdings zu: "Wir hätten als Gemeinde versuchen sollen, die Bürger zu unterstützen." Jetzt müsse man zunächst die Lärmschutzmessung abwarten. Danach will der Bürgermeister eine Einwohnerversammlung anbieten. "Wenn die Werte tatsächlich überschritten werden, müssen sich die Betreiber etwas einfallen lassen", sagt er. Wenn nicht, hätten die Anwohner allerdings keine Chancen, mit ihren Forderungen durchzukommen. "Wir haben jedoch bereits mit dem Landratsamt gesprochen, die Ausgleichsmaßnahmen für die Bebauung dahin zu ändern, dass mithilfe einer Bepflanzung der Lärm abgemildert wird."

Der Windanlagen-Betreiber, die WAK Tannenhübel Limited, war bisher für keine stellungnahme zu erreichen.

 
erschienen am 11.03.2013 ( Von Ute George )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 11.03.2013
    19:31 Uhr

    Wattgackenfranz: Ich habe jetzt eine Baustelle in Österreich wo aus Wasserkraft Strom gemacht wird. Die Merkel bekommt da sicher was ab wenn was übrig bleibt. Punkt. Das Wasserkraftwerk ist nicht weit weg von Bayern. Und wer baut an der Elbe oder an deren Zuflüssen? Ich nicht ich DARF in Österreich MUSS nicht in Deitschland

    3 1
     
  • 11.03.2013
    16:17 Uhr

    frmueller: leider ist das ja das "übliche" problem:

    energiewende ja bitte!

    aber bloß nicht vor meiner haustür!

    5 5
     

 
 
 
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