Klaus Grund, stellvertretender Direktor des Lehr- und Forschungsbergwerks "Reiche Zeche" (rechts) und Olaf Einicke, Geschäftsbereichsleiter Bergbau bei der TS Bau GmbH Jena, im Rothschönberger Stolln, wo sich die "Talstation" der neuen Fahrkorbanlage befindet.
Foto: Böhme/Detlev Müller
Per Fahrstuhl hinab zum Rothschönberger Stollen
Drei Millionen Euro kostet die am Mittwoch übergebene Fahrkorbanlage in der "Reichen Zeche"
Freiberg. Tief in der "Reichen Zeche", wo vor zehn Jahren meterhoch das Wasser stand, ist jetzt eine moderne Fahrkorbanlage entstanden. "Die ist fahrstuhltauglich und kann sogar an einem Haken unter dem Fahrkorb bis zu 1500 Kilogramm transportieren", sagt Olaf Einicke, Geschäftsbereichsleiter Bergbau der TS Bau GmbH Jena am Mittwoch bei der Einweihung. Damit ist das größte Bauvorhaben im Bergwerk seit der Stilllegung des Freiberger Bergbaus 1969 beendet worden. Mit seinen Mitarbeitern hat Einicke dafür zweieinhalb Jahre unter Tage gebaut.
Viel Schweiß ist für das drei Millionen Euro teure Projekt geflossen, weiß auch der stellvertretende Bergwerksdirektor Klaus Grund. Nun können Personen und Material bequem von der "Etage" des Lehrpfades 80 Meter tiefer bis zur Sohle des Rothschönberger Stollens in 230Meter Tiefe transportiert werden. Bisher war das nur über sogenannte Fahrten, also Leitern, möglich. Maximal 100 Kilogramm an Arbeitsgeräten konnten da mit einer Winde hinab befördert werden.
Für die Jenaer Bergleute war das Vorhaben vor allem eine logistische Herausforderung, erzählt Einicke. Vor dem Einbau der neuen Fahrkorbanlage musste eine neue Winde installiert werden, die größere Materialtransporte ermöglichte. Zum Teil angeseilt haben die Bauleute hoch über dem Rothschönberger Stollen gearbeitet. In der Tiefe war eine noch vorhandene Einbruchstelle vom August 2002 zu sanieren. Das Jahrhunderthochwasser hinterließ große Schäden im Stollen, der im 19. Jahrhundert als Entwässerungsstollen für die Bergbaureviere der Region in den Fels getrieben worden war. Die Jenaer mussten vor dem Ausbau eingefallene Einbauten beseitigen. Ungenutzte Hohlräume wurden mit Abbruchmaterial verfüllt.
Bequemen Fußes kommt man nun zum Wasserlauf, wo ein gelbes Tretboot ankert, mit dem Klaus Grund zu Kontrollfahrten aufbricht: "Paddel sind an engen Stellen hinderlich. So kommt man besser voran", begründet er. Das Wasser fließt etwa fünf Kilometer bis zum Dreibrüderschacht und 20 Meter bis nach Rothschönberg. Diese Strecke touristisch zu erschließen ist aus Sicherheits- und Kostengründen kein Thema, erklärt Grund. Eine Erleichterung aber für Kontrollzwecke: "Ohne den Rothschönberger Stollen könnte das Bergwerk nicht betrieben werden, denn dann würde das Flutungsniveau der Grube bis zur oberen Stollensohle in 90 Metern reichen", betont Grund.
Die Anlage könnte dann weder für Lehr- und Forschungszwecke - gedacht ist auch an eine Grubenwehrausbildung - noch weiter oben für Gäste genutzt werden. Nötig ist die neue Anlage aber auch, um die Erdwärmeanlage, mit der Grubenwasser für die Beheizung der Objekte auf der "Reichen Zeche" genutzt wird, fertig zu stellen. Die Fahrkorbanlage dient zudem Versuchsständen der TU.

