Jens Rachwalik von der Reinsberger Spezialpapier GmbH an der Umrollmaschine für Maler-Krepppapier. Diese portioniert die Papierrollen. Foto: Rolf Rudolph
Pilotanlage macht aus Abfall Dampf
Reinsberger Spezialpapierfabrik betritt erfolgreich Neuland - Weitere Investition geplant
Reinsberg. Reinsberg. Die neue Pilotanlage für Dampferzeugung in der Reinsberger Spezialpapierfabrik GmbH hat ihre Testphase so gut wie bestanden. Die Anlage, in der Rohstoffe wie Folie und Kunststoffe verbrannt werden, soll ab Ostern in den Dauerbetrieb gehen.
"Da wir Neuland betreten haben, hat die Testphase länger gedauert als geplant", erklärte der Geschäftsführende Gesellschafter Gerald Gotthardt. Der 54-Jährige hatte im Vorfeld nach alternativen Möglichkeiten der Dampferzeugung gesucht, um vom Ölpreis unabhängig zu werden. Die Rohstoffe fallen bei der Verarbeitung von Altpapier an. Das Verbrennungsprinzip sei ähnlich wie bei einer Müllverbrennungsanlage, erklärte Gotthardt. Deshalb waren umfangreiche Genehmigungsverfahren notwendig. Rund eine Million Euro hat die Firma in die Pilotanlage investiert. Mit dem erzeugten 130 Grad Celsius heißen Dampf wird zukünftig der Zylinder der großen Papiermaschine beheizt.
Die Reinsberger Spezialpapierfabrik beschäftigt 34 Mitarbeiter und zwei Lehrlinge, die im Dreischichtbetrieb aus Altpapier täglich etwa 13 Tonnen Spezialpapiere herstellen. Dabei handelt es sich vorwiegend um Malerkrepppapier für Baumärkte, aber auch Spezialpapiere für die Legebatterien von Eierproduzenten, die Automobilzulieferindustrie sowie Verpackungsbranche. Die Produkte aus Reinsberg gehen unter anderem in die Benelux-Länder, nach Österreich und die Schweiz, aber auch nach Saudi Arabien und Libyen.
"Die Wirtschaftskrise ist auch an uns nicht spurlos vorübergegangen. Bei großen Aufträgen wurden die Bestellmengen nach unten korrigiert", erläuterte der Geschäftsführer. Diese Zeit habe der Betrieb mit Kurzarbeit, Abbau von Überstunden und Qualifizierungsmaßnahmen überbrückt. Vorwiegend beim Verpackungspapier gab es Einbrüche, so Gotthardt. Bei Maler-Krepppapier sei die Nachfrage gut.
Dennoch: Der Jahresumsatz 2009 war um etwa 15 Prozent rückläufig. Zudem machen dem mittelständischen Unternehmen die steigenden Strompreise und Rohstoffkosten zu schaffen. Gotthardt lässt sich jedoch nicht entmutigen: "Wir wollen unser Sortiment erweitern und ein Papier produzieren, was zwischen Krepp-Papier und Papier mit glatter Oberfläche angesiedelt ist." Mehrere 10.000 Euro sollen dafür in eine gebrauchte Maschine investiert werden.
Mit dem neuen Produkt will Gotthardt Arbeitsplätze in Reinsberg sichern. Zudem wird die Reinsberger Spezialpapier GmbH dieses Jahr wieder einen Papiertechnologen ausbilden.


