Die 1950 gefertigten Hartgussglocken des Rechenberger Geläuts haben ausgedient und werden durch Bronzeglocken ersetzt.

Foto: Dieter Thümmel

Rechenberger Geläut schweigt für Wochen

Kran hat Hartgussglocken aus dem Kirchturm geholt - Neuer Dreiklang soll Anfang Mai geweiht werden

Rechenberg-Bienenmühle. Die Glocken der Kirche von Rechenberg-Bienenmühle schweigen seit Ostern. Aber nur so lange, bis ein neues Geläut in einigen Wochen mit hellem Klang wieder Himmel und Erde verbindet. Die bisherigen Glocken des Gotteshauses wurden am Dienstag samt ihrem Stuhl demontiert und vom Kirchturm herunter befördert.

Ein riesiger Kran transportierte zur Mittagsstunde die drei Hartgussglocken und die wertvolle Bronzeglocke von 1899 zu Boden. Von dort aus wurde das bronzene Stück, das aus der Dresdner Glockengießerei Bierling stammt, in die Kunstgießerei nach Lauchhammer gebracht. Die Glocke ist die kleinste, einzig noch vorhandene aus dem historischen Geläut der Rechenberger Kirche. Zwei größere Klangkörper wurden während des Zweiten Weltkrieges 1942 zu Rüstungszwecken in Hamburg eingeschmolzen.

"Die kleine Glocke durfte im Turm hängen bleiben und weiterhin läuten", erinnerte Norbert Wermke, Mitglied des Kirchenvorstandes. 1950 kamen drei Hartgussglocken hinzu. In einem Stahlgerüst, dem Glockenstuhl, wurden sie bis jetzt mit der Hand geläutet. "Die größte Glocke musste jedoch vor Jahren schon stillgelegt werden", sagte Norbert Wermke. Denn neben starker Korrosion im Glockenstuhl hatten sich auch Stahlverbindungen gelockert.

Der historische Bronzeklangkörper befindet sich nun in Lauchhammer in Gesellschaft zweier neuer Glocken, die nach dem Guss am 29. Februar einige Tage später aus der Form geschlagen wurden. "Dieses Dreier-Geläut wird aufeinander abgestimmt", sagte Norbert Wermke. Schließlich muss der Glockenklang für das menschliche Ohr harmonisch sein. Ein Sachverständiger der sächsischen Landeskirche wird dafür zur Verfügung stehen.

Einige Mitglieder der Rechenberger Kirchgemeinde haben in Lauchhammer das Glockengießen als historischen Akt für ihre Kirche dokumentiert. Schon für den 4. Mai hofft die Gemeinde darauf, das Geläut weihen zu können. Doch bis dahin gibt es auch im Kirchturm noch einiges zu tun. Sanierungsarbeiten sind vorgesehen, und ein neuer Glockenstuhl aus Eichenholz erhält dort seinen Platz. Darin werden die drei Bronzeglocken befestigt und künftig auch elektrisch geläutet. Selbst die große Uhr des Kirchturms erhält eine Generalkur und zeigt bald wieder die Zeit an.

Um die etwa 70.000 Euro der Glockensanierung einschließlich der nötigen Arbeiten aufzubringen, die von der Landeskirche, der Kirchgemeinde selbst und voraussichtlich dem Freistaat getragen werden, haben die Rechenberger Glockenbriefe ausgegeben. Die Spenden dafür fließen mit anderen Zuwendungen als Eigenanteil der Kirchgemeinde in die Gesamtsumme ein. Pfarrer Michael Fischer: "Über 30 dieser Briefe sind bereits ausgestellt worden. Deren Spendensumme beträgt je Brief zwischen 300 und 1000 Euro."

 
( Von Astrid Ring )
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