Schneefreuden zum Geburtstag: Leoni Kunze (2. v. r.) feierte zusammen mit ihren Freunden ihren sechsten Geburtstag. Dazu gehörte auch ein Ausflug zu den Alpakas gegenüber des "Goldenen Sterns" Memmendorf.
Foto: Claudia Dohle
Region trotzt sibirischer Kälte
Mittelsachsen bibbern bei zweistelligen Minusgraden
Freiberg/Neuhausen. Kalt, kälter, am kältesten: Mit minus 25 Grad hat Deutschneudorf am Donnerstag, 6 Uhr nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes einen Kälterekord verbucht. Nach dem Blick aufs Thermometer war es Rathausmitarbeiterin Anke Heidenreich etwas mulmig zumute, als sie sich in ihr Auto setzte. "Angst hatte ich schon, dass mein Diesel nicht anspringt", sagte die 39-Jährige. Jörg Müller, Chef der Berggaststätte "Schwartenbergbaude", lässt sich von der Kälte nicht aus der Ruhe bringen. "Vor mehr als zehn Jahren war das noch anders. Inzwischen ist die alte Technik im Haus durch neue ersetzt worden", sagte der 47-Jährige, der bibbernde Gäste mit einem einzigartigen Blick über Neuhausen entschädigt.
Ein fast außerirdisches zauberhaftes Glitzern lag im Freiberger Albertpark in der Luft. "Das ist Polarschnee oder Diamantenstaub", erklärte der Frankensteiner Wetterexperte Manfred Tietz. Das Phänomen komme nur alle drei bis fünf Jahre vor - bei trockener Luft und knackiger Kälte von mindestens zehn bis 15Grad unter null. Dann bilden sich Eisnadeln aus dem Wasserdampf der bodennahen Luftschichten. Tietz glaubt, dass der Superfrost bis über die Mitte des Monats anhält.
Kaum schöne Seiten können die Autofahrer dem Winter abringen. Leere Batterien und eingefrorener Diesel nerven. Jens Walther vom gleichnamigen Freiberger Autohaus, das auch für den ADAC unterwegs ist, kommt kaum zum Aufatmen. "Am Mittwoch haben wir acht, am Donnerstag zwölf Diesel-Fahrzeuge abgeschleppt", erklärte der Juniorchef.
Sie hat Berge von warmen Fell- und Strickmützen, Handschuhen und Schals und friert trotzdem: Händlerin Susanne Molz auf dem Freiberger Wochenmarkt. "Nur beim Standaufbau war es mir warm", sagte die 34-Jährige aus Einsiedel. Obwohl sie Strumpfhosen, zwei Paar Socken und dicke Winterschuhe trug, hatte sie eiskalte Füße. "Da hilft nur ein heißes Bad." Als Unternehmerin kommt es für sie nicht infrage, im Warmen zu bleiben und sich das Wintergeschäft entgehen zu lassen: "Das ist unsere Saison."
Die Teilnehmer des 16. Schneeskulpturenwettbewerbes in Neuhermsdorf konnten sich nicht vor der eisigen Kälte drücken. Fünf Tage lang arbeiteten sie im Freien an eisigen Plastiken zum Thema "In einem Land vor unserer Zeit". "Die Kälte spürt man bei der Arbeit nicht", sagte Volker Beyer aus Langenau. Der zweimalige Wettbewerbssieger schuf einen "Paradiesgarten". "Durch den Frost ließ sich der Schnee zwar nicht leicht formen, zerbröselte etwas. Aber dafür besteht Hoffnung, dass unsere Skulpturen noch von vielen Besuchern angeschaut werden können."
Der Frost-Notfallplan greift bereits im Freiberger Tierpark (rund 120 Tiere). Chef Peter Heinrich und seine Mitarbeiter haben in den Ställen eine Extraschicht Stroh gestreut und alle Heizquellen in Betrieb genommen. "Das einzige Problem ist die Stromrechnung", sagte er. Die exotischen Vögel dürfen nicht mehr raus, vor den Verschlägen der Hasen hängen Decken, und im Terrarium der Ägyptischen Sandboa laufen die Heizspiralen auf Hochtouren. "Wir haben die Lage im Griff - aber es ist schon extrem", sagte Heinrich.
Während Versuche am Tierpark gescheitert sind und sich eine Einbahn-Alternative laut Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) schwierig gestaltet, ist man im Nachbarort weiter. Die Wegefarther nutzen die Rollschuhbahn zum Eislaufen. Die Feuerwehr kümmert sich um den Wasserzulauf von der Striegis, Achim Beier und Utz Wuttke pflegen die Anlage. Unterdessen warnt die Landestalsperrenverwaltung davor, Eisflächen auf Flüssen und Talsperren zu betreten: "Es besteht Lebensgefahr."


