Ziehen bald dunkle Wolken über dem Solarworld-Konzern und seinem Vorzeigeobjekt an der B 173 auf? Förderkürzungen würden auch den Branchenprimus treffen.
Foto: Eckardt Mildner/Archiv
Solarbranche zittert vor Donnerstag
Firmen der Region bekommen Rückendeckung von Politikern
Freiberg. In diese Woche schlägt auch für die 1800 Solarworld- Beschäftigten am Freiberger Standort die Stunde der Wahrheit. Am Donnerstag entscheidet der Bundestag über das geplante Kürzungspaket der Bundesregierung. Proteste in Freiberg und Berlin waren in den vergangenen Wochen die Antwort der Betroffenen. Sie kritisieren angesichts der von der Bundesregierung geplanten Energiewende die hohen und zu kurzfristigen Absenkungen bei der Solarstromförderung.
Selbst den Solarworld-Konzern würden damit verbundene Kostensenkungen überfordern, hieß es Anfang des Monats. Aber nur wenn Modulhersteller wie Solarworld ihre Produkte preisgünstiger anbieten, können Kunden wie die Firma Sunstrom, die auch in der Freiberger Region Fotovoltaik-Anlagen projektiert und aufgebaut hat, weiter planen. Das sagt Sunstrom-Chef Stephan Riedel. Er hofft, dass zumindest ein Ermächtigungsgesetz, das die Minister Norbert Röttgen (CDU) und Philipp Rößler (FDP) zu selbstständigen Korrekturen berechtigen würde, keine Chance hat.
Jetzt appelliert auch die Freiberger Linken-Landtagsabgeordnete Jana Pinka an die mittelsächsische Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU), den Gesetzentwurf abzulehnen. "Im Bereich der Solarwirtschaft gab es in Sachsen 2010 etwa 6500, 2011 bereits 6800Beschäftigte. Der Umsatz in der Solarwirtschaft in Sachsen stieg von 2,7 Milliarden Euro 2010 auf 2,85 Milliarden 2011", sagte Pinka. Die Kürzungspläne der Koalition für die Solarenergie würden 20 bis 25 Prozent dieser Arbeitsplätze in Sachsen gefährden und die Energiewende hin zu dezentralen, erneuerbaren Energien blockieren. Bereits kurz nach Ankündigung der Regierungspläne seien Bestellungen storniert und Bankkredite für Solaranlagen widerrufen worden. "Installateure bleiben auf bestellter Ware sitzen, Investoren bricht die Finanzierung weg."
Solarworld-Konzernsprecher Milan Nitzschke kritisierte gestern das ständige Auf und Ab durch die Politik. Das sei weder nachhaltig, noch lasse es verlässliche Planungen zu. "Nach einem Auftragsrückgang mit Bekanntwerden der Pläne gibt es vor Stichtagen zu Förderänderungen eine verstärkte Nachfrage nach Modulen, danach wird sie wieder zurückgehen." Nitzschke hofft, dass die Länder im Bundesrat noch ihr Veto einlegen und sich zugunsten der Solarbranche einmischen. Die Branche stehe durch die Billigangebote aus China ohnehin unter Druck. Da gehe die Gesetzesänderung in die falsche Richtung. Dabei würde durch Solaranlagen an sonnigen Tagen deutschlandweit genauso viel Strom erzeugt wie vor der Abschaltung von allen Kernkraftwerken in der Bundesrepublik.
Ihr Abstimmungsverhalten will Veronika Bellmann von angekündigten Änderungen im Gesetzentwurf abhängig machen: "Wichtig ist Planungssicherheit für die Solarbranche." Zur Entwurfsgestaltung tagt heute noch die CDU-Fraktion.


08:03 Uhr
forasecond: Da gebe ich meinem Vorredner völlig recht.
Wir alle müssen die Subventionen in die Solarbranche in den nächsten Jahren durch permanente Erhöhung der Strompreise selbst tragen! Wer hätte sich denn ernsthaft ein Solarmodul OHNE staatliche Hilfen gekauft? Vermutlich niemand, weil es verschwendetes Geld gewesen wäre.
Es gibt heutzutage schon wirklich sinnvollere Nutzungen von erneuerbaren Energien.
13:17 Uhr
f1234: 55% der gesamten Fördermenge für 20 % des Ökostroms. 100 Mrd EURO für 3% des Strombedarfs.
Es wird höchste Zeit, dass dieser ökonomische Irrsinn zurück gefahren und hoffentlich bald beendet wird. So leid es mir für die Beschäftigten bei Solarworld tut, aber Firmen wie diese, deren Geschäftsgrundlage lediglich auf Subventionen beruht, haben hier mit Sicherheit keine Zukunft.
Solaranlagen werden sich in Deutschland niemals ohne Subventionen rechnen. Und die Herstellung ebenso nicht. Dafür ist der Herstellungsprozess viel zu simpel. Der vielgepriesene Hightec-Faktor dieser Firmen ist reines Marketinggeschwafel.
Jetzt stellt sich raus, dass der Kaiser nackt ist.