Solarworld kann auf Politik-Hilfe hoffen
Sachsen will sich morgen im Bundesrat für den Konzern stark machen
Freiberg. Wenn der Bundesrat morgen über Änderungen bei der Solarförderung befindet, gibt es für Solarworld-Konzernsprecher Milan Nitzschke nur ein Ziel: "Am Ende muss eine Gesetzesänderung für mittlere Anlagen zwischen 10 und 100 KW stehen." Deren Förderung sei nach dem Beschluss der Regierungskoalition jetzt mit Industrieanlagen, die wesentlich preisgünstiger zu produzieren sind, gleichgestellt. Eine 50-prozentige Kürzung innerhalb eines Jahres für diese Anlagen sei nicht zu verkraften.
Nitzschke appelliert deshalb an die Politiker, für die Anlagen, die vor allem für kommunale Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten sowie Wohnungsbau genutzt werden, die Förderung zu korrigieren. Komme dieser Schritt nicht, sei ein weiteres Sterben von Firmen der Branche zu erwarten. Die Staatskanzlei in Dresden bestätigte am Mittwoch, dass man beim Bund weiter auf Verbesserungen dränge - so wie es Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) vergangene Woche im "Freie Presse"-Interview ankündigte. Die stellvertretende Regierungssprecherin Sandra Jäschke präzisierte: "Sollten bis morgen keine Änderungen bei der Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes erreicht werden, ist eine Anrufung des Vermittlungsausschusses unumgänglich." Man brauche zudem eine gezielte Förderung neuer Technologien zur Energiespeicherung für Strom aus Fotovoltaikanlagen. Damit würden die Stromnetze entlastet.
Solarworld-Sprecher Nitzschke beklagt indes: "Nicht nur fehlgeleitete Förderpolitik bricht manchem Solarunternehmen das Genick, sondern auch chinesische Konkurrenz." Dumpingpreise, die durch staatliche Subventionen entstünden, sorgten für einen unfairen Wettbewerb und eine zu schnelle Marktbereinigung bei deutschen Firmen. Für Solar World mit seinen 1800 Beschäftigten in Freiberg befürchtet der Sprecher trotz aller Einschnitte aber keinen Untergang. "Wir spüren zwar den Kostendruck, haben aber eine gute Ausgangsposition."
Aussagen einer aktuellen Studie des Zentrums für Solarmarktforschung in Berlin teilt man bei Solar World nicht. In der Analyse wird die Position des Konzerns auf dem Markt nur als mittelmäßig eingestuft. Kritik gibt es an der Wertschöpfungskette, die zu lang sei und so zu hohe Kosten nach sich ziehe. Diese zu zahlen, sei der Verbraucher nicht mehr bereit. "Das Papier stiftet eher Verwirrung", meint Nitzschke. Die konzentrierte Produktionskette vom Wafer bis zum Modul am Freiberger Standort sorge gerade für eine starke Position des Konzerns. Dadurch schalte man Abhängigkeiten von vornherein aus.


10:43 Uhr
St0nemender: Der Solarworld-Sprecher hat völlig recht. Nur das 'nicht nur' ist etwas fehl am Platze - es sollte 'vor allem' heissen. Die geplanten Änderungen an der Solarförderung haben nur sehr wenig mit der Misere in der Solarbranche zu tun. Es geht nur um die Einspeisevergütung!