Bauarbeiten an Grundschule "Neubau der zweizügigen Grundschule 'Karl Günzel' mit Schulhort und Turnhalle" verkündet das Baustellenschild am Seilerberg 11a. Während die Bauleute einen klaren Plan haben, wird über den Schulnamen gestritten.

Foto: Klaus Ebert

Streit um neue Schulnamen entbrannt

Die Zetkin- und Günzelschule sollen laut Stadtrat neue Namen erhalten

Freiberg. Freiberg. Bernd-Erwin Schramm war am Dienstag sehr bemüht, die Wogen zu glätten. Ein gutes Dutzend Stadträte hatte den Freiberger Oberbürgermeister dadurch in die Bredouille gebracht, dass es Clara Zetkin und Karl Günzel als Namensgeber zweier Freiberger Schulen ablösen will. Die Anträge für die Stadtratssitzung am Donnerstag (ab 16 Uhr im Rathaus) waren erst durch die  Notbekanntmachung der Tagesordnung am Dienstag offiziell bekannt geworden - selbst bei den betroffenen Schulen.

Das Ansinnen werde von Abgeordneten von CDU, SPD, FDP sowie Haus/Grund unterstützt, erklärte CDU-Fraktionschefin Annette Licht am Dienstag. Dabei soll die in Wiederau bei Rochlitz geborene Frauenrechtlerin und KPD-Reichstagsabgeordnete Clara Zetkin (1857 bis 1933) durch den Freiberger Reformpädagogen Johann Carl Gotthelf Rochlitzer (1774 bis 1848) ersetzt werden.

An die Stelle des ersten Freiberger Nachkriegsbürgermeisters Karl Günzel (1890 bis 1960), der während der Nazi-Diktatur als Kommunist im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert war, soll der Freiberger Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder (1776 bis 1838) treten. Ursprünglich war hier der Dichter Novalis als Namenspatron vorgesehen. Das ist am Montagabend ebenso geändert worden wie die Absicht, die Namen gleich zu beschließen.

"Wir wollen Vorschläge machen, über die dann die Schulkonferenzen befinden können", betonte die CDU-Fraktionschefin. Der Schulneubau am Seilerberg habe Anlass gegeben, über einen neuen Namen nachzudenken, sagte die 57-Jährige. Und im Zetkin-Gebäude habe es bis 2007 eine Rochlitzer-Schule gegeben. Eine politische Diskussion sei damit nicht verbunden, erklärte Licht. Auch OB Schramm (parteilos) verwahrte sich am Dienstag gegen politische Grabenkämpfe: "Es geht in keiner Weise gegen Zetkin oder Günzel." Leider sei der Eindruck entstanden, es solle an den Schulkonferenzen vorbei gehandelt werden, bedauerte der 62-Jährige zugleich: "Das war aber so nicht beabsichtigt."

In der Tat fühlen sich die Schüler, Eltern und Pädagogen zurzeit außen vor gelassen, bestätigte die Leiterin der Günzelschule, Bärbel Stoll: "Offiziell wussten wir von nichts."

Mit der Zetkinschule wurde ebenfalls noch nicht gesprochen, bestätigte Wolfgang Renner: "21 Jahre nach der Wende ist das doch ein sinnloser Akt." Die Zetkinschule habe sich als Marke etabliert, so der Pädagoge. Auch Kristina Peitzsch, die hier von 1976 bis '84 Schülerin war, ist gegen die Umbenennung: "Es gibt doch Wichtigeres zu tun. Mit dem Geld könnte man den Springbrunnen im Albertpark reparieren."

 
erschienen am 05.07.2011 ( Von Steffen Jankowski )
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