Schlossplatz bei Nacht zum Tag der Sachsen So schön feierte Sachsen in Freiberg: der Schlossplatz bei Nacht zum Tag der Sachsen.

Foto: René Jungnickel

Tag der Sachsen in Freiberg: "Das Lob der Gäste entschädigt für jeden Aufwand"

Oberbürgermeister Schramm und Stadtmarketing-Chef Neumann über die größte Party im Freistaat

Freiberg. Der Tag der Sachsen 2012 hat Freiberg von allen Seiten viel Sympathie eingebracht. Am Tag nach dem Ende des größten Volksfestes in der Stadtgeschichte sprachen am Montag Oliver Hach und Gabriele Fleischer mit Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm und Projektleiter Knut Neumann über den organisatorischen Erfolg, über Geld und Besucherzahlen und über einen Auftritt von Militaria-Fans im Festumzug, der der Stadt doch noch Negativschlagzeilen einbrachte.

Freie Presse: Herr Schramm, Herr Neumann, Glückwunsch zu einem gelungenen Fest. Wie fühlen Sie sich heute?

Bernd-Erwin Schramm: Gut (lacht). Heute Nacht habe ich sechs Stunden geschlafen.
Knut Neumann: Ich bin noch nicht unten. Man spürt die Anstrengungen schon, körperlich und nervlich. Jeden Morgen war ich kurz nach 7 auf Arbeit und erst spätabends zu Hause. Immerhin: Samstagabend konnte ich mich mal an einem Weinstand erholen.

Ihre bleibenden Eindrücke?

Schramm: Beeindruckt hat mich vor allem die Atmosphäre - das, was von den Menschen rüber kam. Das betrifft auch unser Haus selbst. Ich habe hier bei den Mitarbeitern kein einziges Mal ein mürrisches Gesicht gesehen. Und was wir an positiven Reaktionen der Gäste erleben, entschädigt für jeden Aufwand.

Was war das Besondere am Tag der Sachsen in Freiberg?

Schramm: Von der Landesebene war zu hören: Die Bedingungen, die ihr hier habt, sind ein Traum. Wir haben eine Größe, die ideal für das Fest ist. Auch vonseiten der Händler und der Betreiber der Medienbühnen hieß es: Solche Möglichkeiten wie hier hatten wir noch nie.

Das Konzept der großen Räume ging auf, auch wenn am Freitag die Festmeilen noch nicht voll waren. Was konnten Sie an Erfahrungen sammeln?

Neumann: Bei einer Beratung zum Bergstadtfest kam kürzlich die Idee, den Donnerstag als ersten Festtag wegzulassen. Doch man braucht einen Nachmittag zum Einlaufen - das hat auch der Tag der Sachsen wieder gezeigt. Am Freitagabend meinten noch einige: Hier erwartet uns ja eine Trostlosigkeit. Denen habe ich gesagt: Wartet den Sonnabend ab. Das hat sich bewahrheitet. Was die Größe des Festgeländes betrifft, so war das schon eine einmalige Sache. Einzelne Elemente werden aber Nachahmung beim Bergstadtfest erfahren - etwa dass die Stände meist nur noch auf einer Straßenseite aufgebaut werden, damit die Besucherströme besser zu bewältigen sind. Neu war auch, dass die kleinen Bühnen, vor denen erstmals überall Sitzgelegenheiten aufgebaut waren, fast bis 24 Uhr bespielt wurden. Das war sicher einer der ausschlaggebenden Gründe dafür, dass so viele Leute mit dem Fest zufrieden waren.

Bei allem berechtigten Lob: Gab es auch Kritik?

Neumann: Das war wie bei jedem Bergstadtfest: Einige Händler schimpften über den schlechten Platz und klagten, sie hätten keinen Umsatz gemacht - sie wollen aber alle wiederkommen.

Und Schäden, Prügeleien?

Neumann: Das waren wirklich nur Bagatell-Sachen. Natürlich gab es auch mal Handgreiflichkeiten, aber da ist die Polizei konsequent eingeschritten. Schramm: Ich hab mir das im Polizeistab selbst angesehen: Die Liste der Delikte hatte Dorffest-Niveau.

Ist die Finanzierung des Tages der Sachsen aufgegangen?

Schramm: Wir gehen davon aus, dass es kommt wie geplant: Der Tag der Sachsen kostete etwa 2 Millionen Euro. Bei den Einnahmen rechnen wir mit 1,3 Millionen Euro - aus Händler- und Parkgebühren sowie Zuschüssen von Land und Landkreis. Bleibt eine Differenz von 700.000 Euro. Das ist der beschlossene Zuschuss der Stadt einschließlich interner Kostenverrechnungen.

Noch eine andere Zahl wird viel diskutiert: die der Besucher. Mit 470.000 wurde der Plan quasi übererfüllt. Woher stammte die Vorgabe? Wie wurde gezählt?

Schramm: Die Besucherzahl ist mir egal. Entscheidend sind zufriedene Besucher und nicht Gigantomanie. Neumann: 450.000 Gäste als Prognose kamen von der Polizei. Diese Zahl war Grundlage für das Sicherheitskonzept. Gemeinsam mit der Polizei haben wir auch die 470.000 ermittelt - anhand von Parkplätzen, Lagekarten und Luftbildern.

Lassen Sie uns noch über die Außenwirkung des Festes reden. Sicher ist die insgesamt sehr positiv. Einzelne Medien haben aber hauptsächlich den Auftritt von Militaria-Freunden ins Visier genommen. Da fiel auch die unschöne Schlagzeile vom Nazi-Skandal beim Sachsentag in Freiberg.

Schramm: Es ist schade, wenn die Dinge in dieser Form nur darauf reduziert werden. Hier reicht es offensichtlich nicht, wenn formal-juristisch alles korrekt ist. Neumann: Wir haben uns die Gruppe genau angeschaut. Nach der Überprüfung des Standes in der Poststraße wurden ein Schild mit der Aufschrift "2000 Kilometer bis Moskau" und ein Schützenstand entfernt. In Kamenz war die Gruppe voriges Jahr ein großer Block. Wir haben die Zahl der Fahrzeuge eingeschränkt. Ob während des Festumzuges nicht genehmigte Waffen aus den Fahrzeugen geholt wurden, wird das Landratsamt anhand der Videoaufzeichnungen überprüfen und gegebenenfalls ahnden.

Hätte man den Auftritt nicht komplett verbieten sollen?

Neumann: Wir haben uns letztlich für den Auftritt entschieden und die Gruppe extra in den Teil des Festumzugs aufgenommen, der die sächsische Geschichte zeigt. Im übrigen war das nur ein winziger Abschnitt im Festumzug.
Schramm: Mir wäre es auch lieber, wir müssten heute nicht darüber reden. Wir sind in engem Kontakt mit Schwarzenberg für 2013. Da werden wir Hinweise geben. Offensichtlich müssen solche Themen noch sensibler behandelt werden.

 
erschienen am 10.09.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
7
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.09.2012
    20:34 Uhr

    Eddi67: Soll man in Zukunft diese Epoche, obwohl man sieht was für einen technichen Fortschritt zu diesem Zeitpunkt entwickelt wurde, einfach ausblenden? Wer uns kennen gelernt hat weiß, wir sind von der Technick begeistert und nichts anderes. Alles anderes ist Auslegungssache! und noch was: Wer freut sich heute noch, wenn ein Scheinwerfer am Auto nicht mehr funktioniert, daß er dann in die Werkstatt muss,weil man es nicht mehr selbst hinbekommt?

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  • 12.09.2012
    08:46 Uhr

    St0nemender: @Deluxe - sie haben natürlich recht. Eine Auseinandersetzung mit der Epoche muss stattfinden und man kann da einiges durchaus differenziert sehen.

    So steht die Wehrmacht angesichts der gezielten Bombardierung von Zivilisten wie in Dresden oder Hiroshima sicherlich nicht allein da, wenn man über Kriegsverbrechen diskutiert. Nur ändert das rein gar nichts daran, dass es am Krieg im Allgemeinen und an der Wehrmacht im Speziellen nichts aber auch gar nichts zu heroisieren gab.

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  • 11.09.2012
    19:07 Uhr

    Deluxe: Korrektur:
    100 Jahre - ich meinte natürlich 100 Jahre, nicht 10.

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  • 11.09.2012
    17:25 Uhr

    Deluxe: Im Prinzip haben die Vorredner Recht. Unter dem Deckmantel einer historischen Schau gibt es immer wieder Spinner, die eine solche Gelegenheit nutzen um mal wieder ausgiebigst den Nazi zur Schau zu stellen.
    Andererseits kann und darf es aber auch nicht sein, daß wir diese Epoche der deutschen Geschichte regelmäßig weg-zensieren. Die Epoche hat nunmal stattgefunden, eine große Bevölkerungsmehrheit hat damals Hurra geschrien. Und heute tragen wir nachkommenden Generationen diese Epoche als Last auf unseren Schultern, obwohl wir daran völlig unschuldig sind.
    Man sollte also zukünftig einen Mittelweg finden, der einerseits ohne die verkappten Nazis und Möchtegern-Kriegshelden auskommt, andererseits aber nichts wegläßt, was nunmal dazugehört und was die deutsche Geschichte der letzten 10 Jahre mehr beeinflußt hat als alle anderen Ereignisse.

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  • 11.09.2012
    16:12 Uhr

    Matthias1: Leider wird man hier nur unvollständig informiert. Wie man etwa in der Rheinischen Post lesen kann, wurde nicht nur eine Wehrmachtsuniform gezeigt, sondern Leute in Wehrmachtsuniform stellten dann noch Wegweiser mit der Aufschrift "Moskau" auf. Das ist eindeutig eine Provokation mit Angriffskriegsplänen und zeigt, dass hier nicht nur eine Geschichtsstunde gegeben, sondern Weltkriegs-Angriffe verherrlicht werden sollten. Wer sich dann noch hinstellt und sagt, man habe nicht wissen können, was von den "Militärfreunden" zu erwarten sei, der ist entweder so naiv, dass er kein politisches Amt bekleiden sollte, oder er lügt einfach.

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