Mitten in einem der Gruppenzimmer der Frauensteiner Kindertagesstätte: Eine Rettungstreppe und ein schwarzes Loch am Fenster, das die Erzieherinnen mit einer Jalousie verdecken. Dahinter verbirgt sich die geforderte Rettungsrutsche. Ohne Aufsicht dürfen die Kinder nicht auf die Treppe, nur wenn die Erzieherinnen Daniela Schulz (r.) und Grit Baldauf (l.) einen Blick darauf haben.
Foto: Eckardt Mildner
Unzumutbare Bedinungen im Kindergarten Frauenstein
In der Tagesstätte lauern Gefahren für die Gesundheit
Frauenstein. Mit einem offenen Brief haben sich die Erzieherinnen der Frauensteiner Kindertagesstätte an den Stadtrat gewandt. Denn für die Betreuung der derzeit 60 Kinder, davon drei Integrativplätze, werden die Bedingungen zunehmend zum Problem. Es besteht sogar Gefahr für die Gesundheit: An den Wänden einiger Gruppenräume hat sich Schimmel gebildet.
"Großflächige Stellen wurden im vergangenen Jahr bereits behandelt und gestrichen; die ersten davon schimmeln erneut", heißt es in dem Brief der Erzieherinnen. Die im Krippenzimmer eingebaute Rettungsrutsche wirke wie ein schwarzes Loch vor dem Fenster, die Treppenleiter davor berge Gefahren. Der Mehrzweckraum im Kellerbereich sei nur noch bedingt nutzbar, weil die Wände feucht sind und es trotz regelmäßigen Lüftens unangenehm riecht. Die Tagesstätte wird vom DRK-Kreisverband Dippoldiswalde geführt.
Doch damit nicht genug. In der Einrichtung gibt es nicht ausreichend Räume, die vorhandenen sind zudem zu klein. "Wenn wir den sächsischen Bildungsplan erfüllen wollen, geht das nur, indem wir täglich improvisieren", bringt es Tagesstättenleiterin Carla Köhler auf den Punkt. Rückzugsmöglichkeiten gebe es für die Kinder im Alter zwischen einem und sieben Jahren kaum. "Sie können sich nicht ausbreiten und kreativ betätigen." Bastelarbeiten der Kinder beispielsweise müssen wegen des fehlenden Platzes stets weggeräumt werden. "Das Raumproblem belastet nicht nur die pädagogische Arbeit", heißt es in dem Brief weiter. Es gibt keinen Aufenthaltsraum für das Personal, Elterngespräche finden in Gruppenräumen statt -die Erwachsenen sitzen auf den Kinderstühlen.
Dennoch: Die Frauensteiner Tagesstätte ist so gefragt wie nie. "Für September gibt es bereits 21 Neuanmeldungen, meist Krippenkinder. Und viele Eltern, auch aus umliegenden Orten wie Reichenau und Pretzschendorf, fragen an. Sogar bis Dresden sind die Plätze begehrt", sagt Carla Köhler. Allerdings werden auswärtige Eltern vom DRK vertröstet, denn die Kapazitätsgrenze des Hauses ist bei 60 Kindern erreicht. Wegen all dieser Probleme muss laut Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos) eine Grundsatzentscheidung fallen, wie es mit der Tagesstätte weitergehen soll. Nächstes Jahr wird das Haus an der Freiberger Straße 40 Jahre alt.
"Es ist in den vergangenen Jahren viel getan worden, aber es bleibt ein alter Kindergarten", umreißt es Axel Werthmann, Vorstandsvorsitzender des DRK Dippoldiswalde. Seit 2003 wurden insgesamt 128.000 Euro in die Tagesstätte investiert, knapp 78.000 Euro davon brachte die Stadt Frauenstein auf, der Rest kam über Fördermittel. Aus Sicht der Erzieherinnen wäre zumindest ein Krippenanbau an das bestehende Gebäude ein Anfang. "Ebenerdig, ohne Treppen und somit für die Betreuung der Kleinsten geeignet", sagt die Kindergartenchefin. Dann könnten die Räume im alten Gebäude für die größeren Kinder saniert, großzügiger gestaltet und auch Zimmer für das Personal geschaffen werden.
"Zuerst muss aber der Schimmel weg", fordert Carla Köhler. Laut Axel Werthmann wurde dieser bereits intensiv bekämpft. "Wir haben regelmäßig Vertreter von Gesundheits- und Hygienebehörde im Haus", besänftigt der DRK-Vorstand. Es sei an der Zeit, sich mit Vertretern der Stadt Frauenstein und den Erzieherinnen an einen Tisch zu setzen, um eine Entscheidung zu treffen. "Das Raumproblem und die Kapazitätsgrenze müssen besprochen werden, aber ein Neubau würde Millionen kosten", gab Axel Werthmann zu bedenken. Bürgermeister Reiner Hentschel sprach im Stadtrat davon, dass der Brief der Erzieherinnen und eine Kostenanalyse innerhalb der Haushaltsdebatte im Frühjahr auf der Tagesordnung stehen.

