Der Betrieb von "Genuss im Schloss" rechnet sich für Anette Haber nicht - einer der wichtigsten Gründe dafür sind die Nebenkosten für die weitgehend ungenutzten oberen Räume.
Foto: Eckardt Mildner
Verdruss statt "Genuss im Schloss"
Restaurant wegen zu hoher Kosten aufgegeben
Freiberg. Anette Haber hat die Reißleine gezogen. Immer höhere Ausgaben vor allem durch steigende Betriebskosten zwingen die Geschäftsführerin von "Genuss im Schloss" zur Aufgabe. Zum Jahresanfang 2012 schließt sie ihr Restaurant im Schloss Freudenstein. Die Bauarbeiten am Schloßplatz hätten ihr endgültig das Genick gebrochen: "Durch Schmutz, Lärm und erschwerten Zugang zum Schlosshof seit März wurden Besucher abgeschreckt." Die Einnahmen würden längst nicht mehr die Kosten decken.
Dabei wollte sie mit ihren sieben Angestellten im März den vierten Geburtstag des Restaurants feiern und hat einst mit viel Enthusiasmus begonnen. Themenabende und 54 Kochkurse bescherten ihr ein Stammpublikum. Ihr Konzept mit einem hochwertigen Speiseangebot aber haben offenbar nicht alle toleriert, denn die Einnahmen reichten nicht, um das Restaurant über zwei Etagen zu bewirtschaften. Auch die zum Teil weit auseinanderliegenden Räume dürften dafür nicht optimal sein.
"Mehrmals habe ich die Stadt um eine Änderung des Mietvertrages gebeten, um von den hohen Kosten runterzukommen - leider erfolglos", betont sie. Für die 441Quadratmeter musste sie an die Stadt monatlich 2087 Euro zahlen. Finanzbürgermeister Sven Krüger hält das nicht für zu teuer: "Da konnten wir nichts ändern. Bei einer Kaltmiete von fünf Euro pro Quadratmeter waren wir schon kulant." Die Kaltmiete hat Anette Haber auch nicht gestört. Vielmehr waren es die Nebenkosten, die sich als erdrückend erwiesen. Während Krüger von monatlich 2000 Euro spricht, zählt die Geschäftsführerin 7000 Euro auf, denn sie müsse nicht nur an die Stadt zahlen. Heute, so sagt sie, könne man es als "blauäugig" bezeichnen, dass sie auch die oberen Räume, für die sie laut Krüger allerdings keine Kaltmiete zahlen musste, mit übernommen hat. Strom-, Heizungs- und Wasserkosten, aber auch die auf alle Schloss-Mieter verteilten Kosten für Hofreinigung, Hausmeistertätigkeit, Wartungsarbeiten und Feuerwehrkontrollen habe sie in dieser Höhe nie einkalkuliert.
Sie bedauert, dass die Absprache mit der Stadt, die obere Etage für Repräsentationszwecke zu nutzen, seit der Amtsübernahme durch Bernd-Erwin Schramm (parteilos) nicht mehr eingehalten wurde. Das räumt der Finanzbürgermeister ein, sieht aber keinen Handlungsbedarf für die Stadt. Allerdings wurde das Rosenzimmer von Mai bis September für Trauungen genutzt. Krüger versicherte, dass die Trauungen dort auch 2012 stattfinden. Anfragen Habers bei der TU Bergakademie, die obere Etage mit zu nutzen, brachten ebenfalls keinen Erfolg.
Keine Probleme für die nächsten Freiberger Sommernächte sieht Holger Scheich, Geschäftsführer der Gastroservice Mittelsachsen GmbH. Auch wenn er die Schließung bedauert, geht er davon aus, dass viele "seiner" Gäste und die der "Terra mineralia" nicht zu den Besuchern des Restaurants gehörten. Was fehle, sei ein Imbissangebot. Ob es das künftig in den Restauranträumen gibt, ist unklar. Finanzbürgermeister Krüger spricht zumindest von Gesprächen mit Interessenten für das Schlossrestaurant. Den Stadträten soll im ersten Quartal 2012 eine Lösung präsentiert werden.
Habers zweites Standbein, den spanischen Spezialitäten- und Weinhandel, will die Unternehmerin jedoch ausbauen. Martin Schlösser, der Küchenchef des Schlossrestaurants, soll sie dabei unterstützen. "Ab Frühjahr 2012 möchte ich eine Vinothek mit Bistro in der Nähe des Schlosses öffnen", kündigt sie an. Dort plant sie auch weiter Kochkurse, Wein- und Sherryabende.


