Auf Tuchfühlung mit der neuen Arbeitsstelle: Bernhard Cramer vor dem Oberbergamt in Freiberg.
Foto: Eckardt Mildner
Vom Norden dem "Berggeschrey" gefolgt
Bernhard Cramer tritt am 1. Dezember sein Amt als Chef des sächsischen Oberbergamtes an
Freiberg. Er sitzt zwar noch auf den Umzugskisten, in Freiberg ist er trotzdem seit vergangener Woche angekommen, der künftige Chef des Sächsischen Oberbergamtes. Der 46-jährige Geologe Bernhard Cramer wird ab 1. Dezember Nachfolger von Reinhard Schmidt, der in den Ruhestand geht. Der gebürtige Hamburger, der zuletzt in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover gearbeitet hat, freut sich auf seine neuen Aufgaben. Er sei gerade dabei, sie zu erschließen und sich bei den 76 Mitarbeitern in der obersten sächsischen Bergbehörde vorzustellen.
Im sächsischen Wirtschaftsministerium bereitet er sich auf das Amt vor. Und das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Schließlich hagelte es bereits Kritik, als sein Name ins Gespräch gekommen war und er Ende August von der sächsischen Regierung bestellt wurde. Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) hatte auf eine öffentliche Ausschreibung verzichtet, weil "kein besonderes dienstliches Interesse vorlag", so wie es im Beamtengesetz steht. Unverständnis herrschte darüber nicht nur bei der Landtagsabgeordneten Jana Pinka (Die Linke), zumal eine "auf zwei Jahre befristete Sachbearbeiterstelle im Referat 12 Altbergbau öffentlich ausgeschrieben wurde". Pinka glaubt, dass es im Oberbergamt dafür qualifiziertes Personal gegeben hätte. Bernhard Cramer hätte sich ja bisher mehr mit Erdöl- und Erdgaslagerstätten beschäftigt. In Sachsen aber gehe es vor allem um Baurohstoffe, Braunkohle, Erdwärme und Erze. Derartige Bedenken aber könne Cramer, den die Aufregung um seinen Posten offensichtlich berührt hat, ausräumen. Nicht nur in seiner letzten Arbeitsstelle an der Bundesanstalt hat er sich mit weitaus mehr als Erdöl und Erdgas beschäftigt. Hier war er auch für Bergbau und Rohstoffwirtschaft von Kohle und Uran zuständig. Auch in seinem Lehrauftrag an der Leibniz-Universität Hannover steht die Lagerstättenkunde im Mittelpunkt der Arbeit des studierten Geologen.
Mit der Vermutung, dass er möglicherweise ein Parteifreund von Sven Morlok ist, räumte er gegenüber "Freie Presse" auf: "Ich gehöre keiner Partei an." Da er sowohl in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe als auch im Bundeswirtschaftsministerium gearbeitet hat, könnte man seine Nähe zur Politik tatsächlich vermuten. Beide Seiten kennen zu lernen, also Politik und Praxis, hätte ihn aber bereichert. Das sind für ihn nützliche Erfahrungen für die Leitung des Oberbergamtes. Ansonsten sei er natürlich nicht Herr des Auswahlverfahrens um den Amtsposten, könne und wolle sich nicht weiter dazu äußern. Nun hofft er, dass sich die Wogen um seine Person glätten und er sich Schritt für Schritt seinen Aufgaben widmen kann. Natürlich müsse er sich in einige Gebiete einarbeiten, aber das sei bei jeder neuen Tätigkeit so. Ihn reizt vor allem das neue "Berggeschrey" in Sachsen, wo er sich einbringen möchte. Verpflichtung sind für ihn die reichen Traditionen, die mit dem jahrhundertelangen Bergbau in der Region verbunden sind. Mit der TU Bergakademie als Ressourcenuniversität hofft der promovierte Geologe auf gute Partnerschaft. Ein erstes Gespräch hat er mit Rektor Bernd Meyer geführt. Zugute dürfte dem Neuen an der Spitze des Oberbergamtes auch kommen, dass er perfekt die russische Sprache beherrscht. Eines seiner Schwerpunktthemen waren lange Zeit die Lagerstätten in Sibirien.
Dass er sich als Norddeutscher der Geologie verschrieben hat, muss an den Familiengenen liegen. Ein Teil würde zur Ärzteschaft tendieren, der andere zu den Geologen und Bergleuten, sagt Cramer. Die Entscheidung, nach Freiberg zu kommen, sei ihm nicht schwer gefallen, auch wenn der Familienrat deshalb getagt hat: "Ich habe mich sofort in Freiberg verliebt." Auch seine Frau war schon beim ersten Besuch begeistert. Josephine, die sechsjährige Tochter, soll nächstes Jahr in der Bergstadt eingeschult werden.


