Steffi Schädlich, Bürgermeisterin der Gemeinde Lichtenberg.Foto: P/Archiv
"Wir müssen wieder Kraft sammeln"
Gemeinde Lichtenberg setzt sich 2012 zwei große Ziele
Lichtenberg. Die Gemeinde Lichtenberg blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück und hat sich für 2012 neue Ziele gesetzt. Astrid Ring sprach darüber mit Lichtenbergs Bürgermeisterin Steffi Schädlich (Freie Wähler Mittelsachsen).
Freie Presse: Wenn Sie auf das Jahr 2011 zurückblicken, gibt es in der Gemeinde Lichtenberg einiges vorzuweisen. Was sind die größten kommunalen Erfolge?
Steffi Schädlich: Auch wenn es schon in der Öffentlichkeit bekannt ist, wir sind stolz darauf, im vorigen Jahr unser neues Gewerbegebiet am Lichtenberger Bahnhof in nur fünf Monaten vom ersten Spatenstich bis zur Übergabe verwirklicht zu haben. Die Erschließung kostete rund 820.000 Euro, davon waren knapp 800.000 Euro förderfähig über die Gemeinschaftsaufgabe Ost. Nun können die Ansiedlungen losgehen. Und wir könnten noch einmal so viel Fläche verkaufen, denn es gibt weitere Anfragen wegen Gewerbeflächen. Im vergangenen Jahr konnte zudem die Beseitigung der Hochwasserschäden entlang der Gimmlitz abgeschlossen werden. Es wurde viel getan, allerdings konnte nicht jeder Wunsch in Erfüllung gehen. Doch auch 2012 und in den kommenden Jahren sind weitere Arbeiten zu erledigen.
Was konnte die Kommune im vergangenen Jahr nicht verwirklichen?
Eigentlich wollten wir mit dem Geld, das die Gemeinde als Ausgleich für die Windkraftanlagen auf Gemeindeflur erhalten hat, einen neuen Belag für den Radweg zwischen Lichtenberg und Weißenborn finanzieren. Doch die 55.000 Euro reichen nicht aus. Gemäß der Empfehlung der unteren Naturschutzbehörde sollte ein wasserdurchlässiger Asphaltbelag aufgebracht werden. Jedoch haben die Recherchen ergeben, dass dieser zu teuer ist. Wir suchen nun nach einer äquivalenten Lösung, die Beratungen dazu beginnen. Ziel ist es, den Belag in diesem Jahr aufzubringen und den Radweg damit gut nutzbar zu machen.
Die Gemeinde Lichtenberg hat laut Statistik im vergangenen Jahr einen Einwohnerschwund von mehr als 100 Personen zu verzeichnen. Wie erklären Sie sich das?
Lichtenberg hatte zum 31. Dezember 2010 insgesamt 2891 Einwohner. Zum 30. Juni 2011 waren es noch 2794. Bis zu diesem Zeitpunkt sind genau 116ausländische Arbeitskräfte wieder in ihre Heimatländer zurückgekehrt, die zuvor an der Erdgastrasse Opal in der Region tätig waren. Das erklärt den statistischen Einwohnerrückgang. Zum 31.Dezember 2011 hatten wir genau 2761 Einwohner in der Gemeinde. Gerade im vorigen Jahr sind einige Häuser neu entstanden. Es gibt eine hohe Nachfrage nach Singlewohnungen. Aber auch für größere Wohnungen für Familien mit mehreren Kindern besteht Bedarf. Dafür ist die Nähe zur Stadt Freiberg entscheidend. Argument für Zuzüge ist auch immer wieder die Kinderbetreuung in unserer Tagesstätte "Schatzinsel". Außerdem haben wir die Grundschule im Ort. Nicht zu vergessen das funktionierende Vereinsleben und die Gemeinschaft bis hin zur Nachbarschaftshilfe. Das alles macht Lichtenberg lebens- und liebenswert.
Welche Ziele stellen Sie sich mit Ihrem Gemeinderat und der Verwaltung für das jetzt begonnene Jahr?
Weil wir im vergangenen Jahr viel Eigenmittel eingesetzt haben, unter anderem auch für das Gewerbegebiet, müssen wir jetzt erst einmal wieder Kraft sammeln für neue Aufgaben. Doch es gibt einiges, das dieses Jahr ansteht. Dazu gehört unter anderem die Instandsetzung der Straße am Dorfbach in Müdisdorf. Diese Anliegerstraße, die auch von Landwirtschaftsfahrzeugen genutzt wird, ist in einem schlechten Zustand. Die Sanierung des etwa 1,6 Kilometer langen Abschnitts wird einschließlich Beleuchtung rund 240.000 Euro kosten. Allerdings wird über die Finanzierung zu reden sein, denn die Fördermöglichkeit über die Integrierte ländliche Entwicklung (Ile) fällt weg. Das ist für mich als Bürgermeisterin und für viele meiner Amtskollegen ein großes Ärgernis und beschneidet uns Kommunen enorm. Es wird schwer, ohne diese Förderung die ländliche Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Meiner Meinung nach ist es nicht Aufgabe, über Ile Schulen zu fördern, dafür muss der Freistaat andere Töpfe nutzen. In der nächsten Beratung der Ile-Arbeitsgruppe "Infrastruktur" wird das Thema sein. Ein weiteres Ziel für 2012 und 2013 wird die DSL-Erschließung der gesamten Gemeinde Lichtenberg innerhalb der Landkreisinitiative sein. Dafür muss die Gemeinde 15.000 Euro aufbringen.
Gibt es weitere Ziele in der Verwaltung dieses Jahr?
In diesem Jahr laufen außerdem alle Vorbereitungen für die Einführung der sogenannten Doppik in der Haushaltsführung der Gemeinde ab 2013. Das kostet einige Kraft, zumal wir innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft mit Weißenborn auch für diese Kommune mit federführend arbeiten.
Ist die Gemeindefusion ein Thema in Lichtenberg?
Sie ist innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Lichtenberg/Weißenborn ein Thema, aber es gibt noch kein konkretes Ergebnis.


