Halsbrücke. Beim Absturz eines Ultraleichtflugzeuges sind am Montagfrüh im Landkreis Mittelsachsen zwei Menschen ums Leben gekommen. Foto: Eckardt Mildner
Freiberger und sein Co-Pilot sterben bei Flugzeugabsturz
Ultraleichtflieger in Mittelsachen auf ein Feld gekracht und ausgebrannt - Ursache stellt Experten vor viele Rätsel
Niederschöna. Nur wenige Minuten nach dem Aufprall eines Ultraleichtflugzeuges des Typs "Storch 582" am Montagvormittag im Halsbrücker Ortsteil Niederschöna, Landkreis Mittelsachsen, war klar: Hier hat niemand überlebt. Binnen Minuten brannte der Zweisitzer komplett aus, die herbeigerufene Gemeindefeuerwehr Halsbrücke rückte mit 23 Mann aus und hatte die Flammen schnell gelöscht. In den wenigen Überresten bot sich ein grausiger Anblick: Zwei Menschen haben bei dem tragischen Absturz ihr Leben verloren.
Nach Informationen der "Freien Presse" handelt es sich bei dem Piloten um einen 22-Jährigen Flugsportbegeisterten aus Freiberg. Beim zweiten, ebenfalls tödlich verletzten, Insassen des am Montag bei Niederschöna abgestürzten Leichtflugzeuges handelt es sich offensichtlich um einen 21-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen. Einen endgültigen Aufschluss zur Identität müssen die rechtsmedizinischen Untersuchungen geben.
Nachdem die Beamten der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge die Unfallstelle gesichert und Zeugen vernommen hatten, übernahmen am Nachmittag die aus Braunschweig angeforderten Kollegen der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) die Ermittlungen zu Absturzhergang und -ursache. Bis zum Abend lagen noch keine konkreten Ergebnisse vor.
Zeuge hörte stockenden Motor
Die beiden Männer waren am Morgen auf dem Flugplatz im nur zirka sechs Kilometer entfernten Mohorn mit unbekanntem Ziel aufgebrochen, gegen 8.30 Uhr stürzte das mit einem 62 PS starken Motor ausgerüstete Fluggerät bei Niederschöna ab. Bernd Schönstein wohnt im nahe gelegenen Oberschaar und ahnte schon kurz vor dem Absturz Schlimmes: "Hier kommen ab und zu mal Flugzeuge vorbei, die in Mohorn gestartet sind", erzählte er. "Bei diesem habe ich sofort gehört, dass der Motor stockte."
Also blieb er mit dem Blick bei dem kleinen Flieger, der mit einem Propeller angetrieben wird. "Das Flugzeug geriet immer mehr ins Trudeln und stürzte dann senkrecht nach unten", erinnerte sich Schönstein. "Ich bin mir auch sicher, dass es bereits in der Luft eine Explosion gegeben hat." Der Augenzeuge eilte sofort zur Unglücksstelle, musste dort aber feststellen, dass nichts mehr zu retten war. "Da lag nur ein Haufen Schrott, der noch brannte. Die Männer von der Feuerwehr waren sehr schnell da, aber dort hatte niemand eine Chance."
Auch Bolislaw Richter war an den Unglücksort geeilt. Der Freiberger hat selbst vor einiger Zeit einen Pilotenschein für Ultraleichtflugzeuge bei der UL Airsport GmbH Freital gemacht - auf genau der Maschine, die auf dem Feld in Trümmern lag. Für ihn ergaben sich nach dem ersten Blick auf das Wrack viele Rätsel. So erkannte sofort, dass am Flieger kein geöffneter Fallschirm zu erkennen war. "Das ist deshalb sehr ungewöhnlich, weil dieser Fallschirm das komplette Flugzeug bei einem Sturzflug auffängt", erklärte er. "Selbst 100 Meter über dem Boden rettet er noch."
Zudem waren auf dem Feld, das abgeerntet und sehr weiträumig war, keine Spuren einer versuchten Notlandung zu entdecken, was sich mit den Aussagen des Augenzeugen deckt. Richter: "Wenn der Motor ausfällt, ist es kein Problem, so ein Flugzeug zu landen, erst recht nicht auf so einem Feld. Wir können uns nicht erklären, was hier passiert ist."
Gemeinsam mit Gerd Schicke, dem Geschäftsführer der UL Airsport GmbH Freital, suchte der Freizeitpilot am Montag nach Erklärungen. "Wir stehen noch unter Schock", sagte Richter. "Herr Schicke hat dem jungen Mann erst vor wenigen Stunden das Flugzeug ausgehändigt." Der Unglückspilot hatte den Ultraleichtflieger für einen privaten Flug gechartert. Er war weder Mitglied der Airsport GmbH noch Flugschüler. Seit über zwei Jahren war er im Besitz einer Fluglizenz, er galt als sicherer Pilot. Noch am Sonntagabend hatte er einen sogenannten Beurteilungsflug absolviert, bei dem seine Kenntnisse mit dem Flieger, den er einen Tag später steuern wollte, geprüft wurden. Dort lief alles glatt.
Geschichte wiederholt sich
Fast schon beängstigend für die Anwohner von Niederschöna und Umgebung sind Ort und Zeit des Unglückes. In Sichtweite der Absturzstelle befindet sich ein Denkmal, das an den tödlichen Absturz zweier Offiziere am 21. September 1912 erinnert. Am Samstag sollte 100 Jahre nach dem Unglück an der frisch restaurierten Gedenksäule eine Kranzniederlegung stattfinden. Ob und in welcher Form diese Gedenkveranstaltung nun stattfinden wird, soll in den kommenden Tagen entschieden werden.


20:59 Uhr
Emploi: Die abgebildete Karte ist sehr veraltet, die Verbindungsstraße zwischen Falkenberg und Niederschöna gibt es seit einigen Jahren nicht mehr. Aktuelle Karten erhaltet ihr z.B. völlig kostenlos hier: http://www.openstreetmap.org/?lat=50.95798&lon=13.41465&zoom=16&layers=M Das Fliegerdenkmal befindet sich dort: http://www.openstreetmap.org/?lat=50.96612&lon=13.40632&zoom=17&layers=M MfG
20:25 Uhr
flyingtyszko: Ohne den Untersuchungsergebnissen vorzugreifen - oft wird von "erfahrenen Piloten" berichtet, dabei ist die Zeit seit Erhalt der Fluglizenz unbedeutend, wichtiger ist - ob und wann hat der Pilot sein letztes Sicherheitstraining absolviert ! An der Fliegerschule "August der Starke" in Dresden empfehlen wir Fluglehrer jedem Schüler nach der Ausbildung und jedem Privatpiloten mindestens einmal im Jahr an einem Sicherheitstraining teilzunehmen, dann ist auch die Landung bei einem Motorausfall kein Problem. Leider nehmen an solchen Trainings meist nur die Piloten teil, die eh schon viel fliegen.... Quintessenz: mögliche Interessenten an Rundflügen sollten sich nach dem letzten Sicherheitstraining des Piloten, dem sie ihr Leben anvertrauen, fragen...
Manfred Tyszkiewicz