Matthias Georgi bugsiert die Knollen in Großwaltersdorf in den Container der Hamburger Spedition. 23 Zentnersäcke liegen auf einer Palette.
Foto: C. Dohle
Großwaltersdorf schickt Kartoffeln nach Nordkorea
Fünf Container Pflanzkartoffeln gehen auf eine sechswöchige Schiffsreise
Großwaltersdorf. Kartoffeln aus Großwaltersdorf gegen den Hunger in Nordkorea. Insgesamt 125 Tonnen Pflanzkartoffeln aus Anbaubetrieben der Kartoffellager- und Handelsgenossenschaft "Unteres Erzgebirge" treten am Samstagmittag vom Hamburger Hafen aus die sechswöchige Schiffsreise über China Richtung Nordkorea an. Am Freitagmittag fuhr der fünfte und letzte Laster vom Hof des Kartoffellagerhauses in dem Eppendorfer Ortsteil. In seinem Container rollten die in 50-Kilogramm-Säcken abgepackten Knollen der Sorte Juwel wohl temperiert bei sieben Grad Celsius Richtung Norden. Allerdings war das Beladen der Container bei den zweistelligen Minusgraden eine echte Herausforderung. Doch die Mitarbeiter des Lagerhauses und ihre Helfer aus den Anbaubetrieben der Genossenschaft brauchten für das Einstapeln der jeweils 25 Tonnen dank ausgeklügelter Technik nur eine gute halbe Stunde.
Auftraggeber für die Kartoffeltransporte in die sich weitgehend abschottende Volksrepublik ist die Deutsche Welthungerhilfe. "Nur etwa 20 Prozent der Landfläche Nordkoreas kann landwirtschaftlich genutzt werden. Diese Tatsache, gekoppelt mit rund 24 Millionen Einwohnern, führt jedes Jahr zu einem Nahrungsmitteldefizit", erklärt Ralph Dickhof, Pressesprecher der Organisation.
Aufgrund der klimatischen Bedingungen kann Reis nur einmal pro Jahr, im Oktober, geerntet werden. Die Ernte wird eingelagert und nach und nach an die Bevölkerung verteilt. "Diese Vorräte gehen gewöhnlich in den Monaten Mai und Juni zur Neige und können erst mit der nächsten Reisernte wieder aufgefüllt werden. In diesen Monaten herrscht ein chronischer Mangel an Nahrungsmitteln", sagt Dickhof. Dem will die Welthungerhilfe unter anderem mit der Einfuhr von zertifizierten Frühkartoffelsorten, deren Anbau sich bereits in Nordkorea bewährt hat, entgegenwirken. Denn Frühkartoffeln kann man Ende Mai/Anfang Juni ernten und damit die Mangelperiode überbrücken.


