Unbeschwert durch die Natur: Bei Sonnenschein zogen die Siedler am Sonntag nach Riechberg. Der Auftakt für den 19. Historischen Besiedlungszug erfolgte am Samstag auf dem Seidelhof in Sachsenburg.
Foto: Falk Bernhardt
190 Teilnehmer fliehen beim Besiedlungszug aus dem Alltag
Die erste Etappe ist gut überstanden: Von Sachsenburg ging es nach Riechberg
Sachsenburg/Riechberg. Es ist ein besonderer Urlaub, vielleicht eine Flucht aus dem Alltag, auf jeden Fall aber ein großer Spaß: Dementsprechend groß war der Jubel bei den Teilnehmern am Samstagnachmittag, als Lokator Franko Beck den 19. Besiedlungszug für eröffnet erklärte. Am Sonntag stand dann für die fast 190 Siedler die erste Etappe an: Am frühen Nachmittag erreichte der Tross das Ziel in Riechberg.
Bei Sonnenschein gab es auf der Strecke keinerlei Probleme. "Allen geht es gut", freute sich Heike Lohs vom Verein Historischer Besiedlungszug über einen gelungenen Start. Und so kann sich auch der Lokator auf die Brust klopfen: "Wenn es gut klappt, dann habe ich die Strecke ausgesucht", hatte er noch am Samstag verkündet. Andernfalls schiebt Franko Beck dem neuen Vereinschef Andreas Rausch die Verantwortung zu. Mit solchen Ansagen sorgt Beck bei den Hobby-Siedlern für gute Laune, und damit die auch während der gesamten nächsten Woche nicht flöten geht, legte er zu Beginn die wichtigsten Regeln fest.
"'Ei-Pötte' könnt ihr gleich euren Verwandten mitgeben. Die brauchen wir nicht", will Beck von modernen Musikabspielgeräten und anderen elektronischen Helfern nichts hören und sehen. "Ich freue mich auf eine Woche ohne Handy. Da kann ich wirklich abschalten und entspannen", sagte die 18-jährige Isabell Thümer aus Merzdorf. Schon mehrfach war sie beim Besiedlungszug dabei, beschreibt die Zeit als einen Urlaub der ganz anderen Art. "Schade, dass man hinterher kaum was in den Alltag rüberretten kann." Doch in den kommenden Tagen genießt die junge Frau gemeinsam mit den anderen Teilnehmern das Leben in der Natur und ein abwechslungsreiches kulturelles Programm. Am Samstag sorgte die zum Verein gehörende Theatergruppe Anfissa mit "Das tapfere Schneiderlein" für Unterhaltung. Und auch am Sonntag kam bei Musik, Gaukelei und Reiterspielen mittelalterliches Flair auf. Geselligkeit bis tief in die Nacht gehört beim Besiedlungszug ebenso dazu wie das tägliche Wecken 7 Uhr. Hier kennt Lokator Franko Beck auch keine Gnade, schließlich müssen bis 10 Uhr alle bereit sein für den nächsten Fußmarsch.
Hanna Beck kennt diese Abläufe schon genau, ist mit ihren 79 Jahren älteste Teilnehmerin und bereits zum achten Mal dabei. "Hauptsächlich, weil ich da mit meinen Enkeln unterwegs bin", sagte sie. Und so ein bisschen ist sie dann während der Tour auch die Oma für die anderen Mädchen und Jungen. Hanna Beck genießt das freie Leben und die Geselligkeit, so wie eigentlich alle Teilnehmer. "Ich hoffe nur, dass es nicht pausenlos regnet. Das wäre das Schlimmste", erklärte Isabell Thümer. Blasen an den Füßen seien hingegen zu verschmerzen. Die Wetterprognosen stehen gut, aber die Beteiligten machen ohnehin das Beste aus jeder Situation. Neuland betreten die Siedler in diesem Jahr in der Döbelner Region, wo erst Wege ausfindig gemacht werden mussten.

