Im Auftrag der Frankenberger Stadtverwaltung zerlegen Jürgen Morgenstern (l.) und Horst Trenner einen Baum, der auf dem Gelände zwischen Turnhallenneubau und Tennisplatz gefällt wurde. Da an die Fassade der Halle eine Solaranlage gebaut werden soll, mussten hier mehrere Bäume weichen.
Foto: Falk Bernhardt
Abholz-Aktion in Frankenberg ruft Kritiker auf den Plan
Obwohl es noch keinerlei Genehmigungen für neuen Sportpark gibt, wurden dort knapp 30 Bäume gefällt
Frankenberg. Im Auftrag des Bauamtes knattern zurzeit die Kettensägen im Frankenberger Stadtgebiet. Im Bereich zwischen der in Bau befindlichen Dreifeld-Sporthalle an der Max-Kästner-Straße und der Badstraße wurden knapp 30 Bäume gefällt. "Eine Riesensauerei", findet Jörg Hommel, Ortsverbandschef der Linken. Da es weder einen Baubeschluss für den in diesem Areal irgendwann vorgesehenen Sportpark gibt, noch Geld dafür bereit steht, kann Hommel diesen Übereifer nicht verstehen und hat deshalb den Stadtrat gebeten, diese Baumfällaktion in einer der nächsten Sitzungen zum Thema zu machen.
Bauamtsleiter Sven Blümel, der diese Aktion anordnete, hat eine Begründung dafür. "Fünf der Bäume mussten weg, weil an die Sporthallen-Fassade in Richtung Bahnhof eine Solaranlage gebaut werden soll", sagte er am Mittwoch der "Freien Presse". Weil die Anlage im Laufe des Jahres installiert werden soll und bis Oktober keine Bäume mehr gefällt werden dürfen, habe man dies jetzt getan. Weitere vier Bäume und eine Hecke seien entfernt worden, da die Stadt das im Gelände befindliche marode Gebäude Badstraße 4 erworben hat und nach dessen Abriss dort ein Kunstrasenfeld errichten möchte.
Dafür und auch für die Modernisierung des Tennisplatzes gebe es bereits konkrete Planungen. Fünf Bäume, die gefällt wurden, seien krank gewesen. "Und 15 Bäume sind einfach mal prophylaktisch mit entsorgt worden", reagiert Hommel empört. "Es stimmt, über diese 15 Bäume hätte man sich streiten können", gibt der Bauamtsleiter offen zu. Aber da die Technik einmal im Einsatz gewesen sei und die Stadt das Projekt Sportpark in diesem Bereich ohnehin weiterverfolgen möchte, habe man diesen Teil der Baumfällung gleich mit erledigt.
Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) verteidigt die Aktion. "Die Stadt geht doch nicht hin und schafft Fakten", kontert er. Wegen meist langwieriger Planungen, die oftmals Jahre dauern, müsse man vorausdenken. "Und wenn man langfristig dieses Kunstrasenfeld möchte, um die Masse der sportlichen Aktivitäten aus den Ortsteilen ins Stadtzentrum zu holen, weil größere Investitionen in Zukunft dort nicht mehr möglich sind, müssen eben auch Bäume gefällt werden", sagt der Bürgermeister. Die Stadt werde sich befleißigen und will künftig vorher öffentlich über derartige Aktionen informieren. Als Ersatz sollen 93 Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden. Wo genau, das sei noch nicht klar. Hommel bleibt bei seiner Meinung: "Gegebenenfalls hätte man diese Bäume in die Planung einbeziehen müssen."
Gabriele Augustin, die ehemalige Leiterin des Mühlbacher Kindergartens "Windrädchen", stimmt Hommel zu: "Ich bin sehr für die Natur. Das war so eine herrliche Parkanlage!" In diesem Zusammenhang tut ihr auch weh, dass vor kurzem am Spielplatz der Kita acht große Fichten gefällt wurden. Das sei mit der jetzigen Leiterin und den Grundstücksnachbarn so abgestimmt worden, entgegnet der Bauamtsleiter.


