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Steven Kempe, Ramona Schulz, Günter Hoffmann und Klaus Kempe (v. l.) an der Baustelle in Sachsenburg, wo sich der kaputte Kanal befindet.

Foto: Falk Bernhardt Bild 1 / 2

Anwohner: Sachsenburger Kanal-Kompromiss ist faul

Die Bürger fürchten, dass sie beim nächsten Hochwasser wieder überschwemmt werden. Sie fordern, dass die Rohre sofort ausgetauscht werden. Die Stadt plant nun neu, aber das dauert.

Von Ute George
erschienen am 19.05.2017

Frankenberg. Steven Kempe, stellvertretender Ortschaftsrat von Sachsenburg, und einige Anwohner sind sauer. Grund ist der Kompromiss, den die Stadt Frankenberg kürzlich mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) vereinbart hat. "Wir haben erst aus der ,Freien Presse' davon erfahren", sagt Kempe. Bei den Bauarbeiten an der Ortsdurchfahrt war festgestellt worden, dass ein Kanal defekt ist und eigentlich saniert werden müsste. Denn auch der Durchmesser reicht nicht für die Abflussmenge, die bei einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre (HQ 100) vorkommt, aus. Der Straßenbau soll dennoch weitergehen, die alten Rohre zunächst in der Erde verbleiben.

"Wir waren entsetzt über diesen faulen Kompromiss", so Kempe. "Denn wir sind letztlich die Leitragenden", erklärt auch Anwohnerin Ramona Schulze. Nicht nur bei Hochwasser, auch bei Starkregen würden Straße und Grundstücke überflutet. "Wir wissen schon gar nicht mehr, wie wir unsere Häuser schützen sollen", sagt sie.

Kempe hat das Gefühl, dass es hier nur ums Geld geht. "Im April 2015 gab es eine Ortschaftsratssitzung, bei der das Lasuv das Projekt vorgestellt hat", sagt er. "Eigentlich sollten die Rohre für ein HQ 100 saniert werden, aber das hätte wohl 700.000 Euro gekostet", berichtet er. Deshalb habe man sich damals geeinigt, nur neue Rohre mit einem Durchlassvermögen für ein Hochwasser, wie es statistisch alle 50 Jahre vorkommt (HQ 50), zu verlegen. Das bestätigt auch Ramona Schulze. Doch bereits in dieser Sitzung habe es laut Kempe massive Proteste seitens der Anwohner gegeben. "Wir haben hier in den vergangenen Jahren einige Hochwasser erlebt. Der Bach war so voll, die Rohre konnten das Wasser nicht ableiten", begründet Kempe.

Zudem kritisiert Kempe, dass es bereits 2007 eine Befahrung des Kanals gegeben habe. Schon damals sei er nicht mehr in einem guten Zustand gewesen. Sein Vorwurf: Zustand des Kanals und der ungenügende Durchmesser seien bewusst aufgrund der Kosten ignoriert worden. "Das macht doch alles keinen Sinn", sagt auch Ramona Schulze. "Da darf ich noch miterleben, dass die Straße nun endlich gebaut wird und muss gleichzeitig miterleben, wie hier ein Nadelöhr bleibt, das wieder zu Wasserstaus führt", ärgert sich Günter Hoffmann. Er hat sich nun mit einem Schreiben an das Lasuv, die Untere Wasserschutzbehörde im Landratsamt, den ZWA Hainichen und die Stadt Frankenberg gewandt. Und auch Steven Kempe will den Kompromiss so nicht hinnehmen. "Der Kanalbau muss jetzt mit geplant und umgesetzt werden", fordert er. Er hat in einem Schreiben an das sächsische Wirtschaftsministerium den Zustand geschildert. "Es ist doch Irrsinn, dass jetzt Geld verbaut wird und später wieder, um die Straße wieder aufzureißen", sagt er.

Dass Lasuv gibt zu, dass es vor allem Kostengründe waren, warum der Kanal nicht erneuert wurde. "Die Stadt Frankenberg hatte sich auf Grund der damals fehlenden finanziellen Mittel dagegen entschieden. Anderseits drängte die Stadt aber auf die Durchführung der Straßenbaumaßnahme", erklärt Lasuv-Sprecherin Isabell Siebert. Dem Lasuv selbst sei der Zustand des Kanals nicht bekannt gewesen. "Jetzt sofort im Zuge der Straßenbaumaßnahme diesen Kanal noch mit zu erneuern, ist nicht möglich, da noch keinerlei Planungsunterlagen vorhanden sind. Der Kanal wird derzeit durch die Stadt Frankenberg für ein HQ 100 überplant", so Isabel Siebert. Die Vorbereitungen für die Kanalerneuerung dauern voraussichtlich bis Frühjahr 2018. "Somit hätten wir eine Bauunterbrechung und der Straßenbau müsste sofort eingestellt werden, um keine weiteren unnötigen Kosten zu verursachen. Denn der Baubetrieb hätte Anspruch auf entgangenen Gewinn. Die Stadt wird aber diese Kosten nicht tragen", erklärte die Lasuv-Sprecherin.

Die Stadt bestätigt, dass derzeit die Erneuerung der Rohre im defekten Teilabschnitt auf HQ 100 geplant wird. "Der jetzt festgestellte Zustand, der sich seit der Befahrung 2007 nochmals deutlich verschlechtert hat, war 2015, als der Planung zugestimmt wurde, in der Form und Qualität aber nicht bekannt", erklärt Bauamtsleiter Michael Thiel. Zudem sei grundsätzlich auch bei einem kleineren Querschnitt die Ableitung eines HQ-100-Hochwassers möglich, wenn zusätzliche Rückhaltemöglichkeiten vorgesehen werden. Dennoch hatte der Technische Ausschuss kürzlich dem Baustopp und der Neuüberplanung zugestimmt, womit aber das Lasuv nicht einverstanden war. Laut Thiel habe es nun gestern eine Abstimmung zwischen der unteren Wasserbehörde und der Stadtverwaltung gegeben. Wenn die Planung vorliegen, soll der Kanal erneuert und auf HQ 100 dimensioniert werden. "Die Finanzierung soll sichergestellt werden", so Thiel.

 
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