Der Aufbau der Eisbahn auf dem Frankenberger Marktplatz hat begonnen. Jürgen Reibetanz, Matthias Thomas und Heiko Richter (v. l.) verlegten am Mittwoch die Kühlschläuche. Ab Sonnabend bis zum 26. Februar ist der Spaß auf Kufen garantiert.
Foto: Falk Bernhardt
Auch die Wasserzähler brauchen Mützen
Bittere Kälte und keine Entwarnung in Sicht
Mittweida/Hainichen/Frankenberg. Strahlender Sonnenschein am Mittwochmittag. Doch die Wetterstation des Wasserzweckverbandes in Hainichen meldet 13 Uhr noch minus 7,7 Grad Celsius. Mensch und Tier bibbern. Selbst die Wasserhähne brauchen Pudelmützen. Doch der Mensch hat seine Tricks gegen die sibirische Kälte.
"Die Polizisten haben neue blaue und warme Uniformen", sagt Frank Fischer, Pressesprecher der Polizei-direktion Chemnitz-Erzgebirge. Da gebe es keine Abstriche am Außendienst und bei Verkehrskontrollen, und auch die Blitzer sind aktiv. Denn, so Frank Fischer: "Die Kraftfahrer rasen bei Sonnenschein, egal, wie kalt es da ist." Und sie parken ihre Fahrzeuge nicht unbedingt dort, wo es erlaubt ist.
Davon können an diesen kalten Tagen auch die Vollzugsbediensteten der Stadtverwaltung Mittweida ein Lied singen. Eine ihrer Aufgaben ist die Überwachung des sogenannten ruhenden Verkehrs - soll heißen, bei den Verkehrssündern werden Knöllchen hinter die Scheibenwischer an den Windschutzscheiben gesteckt. Und sicherlich trifft es einige Kraftfahrer, schmunzelt Helga Quast, die ihre Autos möglichst so parken, dass der Weg im Freien recht kurz ist. "Eben wegen der Kälte", mutmaßt die Sachgebietsleiterin Sicherheit und Ordnung im Mittweidaer Rathaus. Auf "ein warmes Süppchen" kommen die drei "Politessen" mittags dennoch gern ins Rathaus. Was sie unter ihrer Dienstkleidung tragen, um der Kälte zu trotzen, das bleibt ihr wohlgehütetes Geheimnis.
Zweckverband gibt Tipps
"Pudelmützen für die Wasserhähne" lautet hingegen die Forderung des Wasserzweckverbandes Hainichen. Denn sind die Anlagen eingefroren, können sie leicht platzen. 99solcher Zähler musste der ZWA im Winter 2010/2011 austauschen. Die Kosten dafür trugen die Grundstückseigentümer. Susan Seidel, Sprecherin des ZWA, hat natürlich vorbeugend Tipps parat. Der simpelste: Kellerfenster geschlossen halten. Eine ständige Temperaturkontrolle im Bereich des Wasserzählers wäre ratsam. Gegebenenfalls müssten diese Räume beheizt werden. Wasserzählerschächte im Freien sollten besonders gut verpackt werden. Sie rät dringend davon ab, Wasserzähler selbst auftauen zu wollen. Dadurch könne es zu größerem Schaden kommen.
Auf den jedoch würden die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Mittweida in diesen bitterkalten Tagen am liebsten ganz verzichten. "Das Wasser in den Schläuchen kann gefrieren", sagt Wehrleiter René Schröter. Wenn es einmal läuft, dann läuft es, aber nach dem Löscheinsatz müssen die Schläuche speziell gelagert werden, bis sie wieder aufgetaut sind, erst dann können sie aufgerollt werden. "Löscharbeiten bei Minustemperaturen bergen stets ein zusätzliches Risiko", sagt René Schröter: Der Einsatzort kann sich blitzschnell in eine riesige Eisbahn verwandeln. Manch Mittweidaer erinnert sich sicherlich noch an den Brand am Marktplatz Anfang Januar 1963. Der Platz war schlagartig ein einziger Spiegel. "Die Feuerwehrleute mussten nach dem Einsatz die Schläuche längs auf das Dach der Fahrzeuge legen und sie so ins Depot transportieren", sagt René Schröter. Er hofft, dass die Bürger ganz fürsorglich einen Scheit im Kamin oder im Holzofen nachlegen und das Feuer stets unter Beobachtung haben, "damit ja nichts passiert."
"Eispickel" im Einsatz
Mit dem "Eispickel" bewaffnet waren Mittwochvormittag allerdings schon die Mitarbeiter der Stadtgärtnerei im Stadtpark Hainichen unterwegs. "Wir haben das Eis auf dem kleinen Teich aufgehackt. Unsere Enten können nun wieder schwimmen", sagt Mitarbeiter Klaus Niese. Die Hühner durften erst gegen Mittag aus den Stallungen ins Freie. "Früh war es einfach zu kalt dafür", sagt Klaus Niese. "Bei diesem Wetter ist der Aufwand im Tiergehege schon größer als sonst", ergänzt er. Da müssen vor allem die Wassernäpfe ständig kontrolliert und sauber gehalten werden. Gefüttert wird beispielsweise im Tiergehege Heu, damit nichts frieren kann.
Auch wenn mancher Teich schon zugefroren ist: "Betreten verboten", warnt Katrin Schöne, Pressesprecherin der Landestalsperrenverwaltung. Das sieht Thomas Waldheim, Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre, ebenso: "Das ist lebensgefährlich." Zumindest bis 2014: "Wir planen, einen Bereich so zu gestalten, dass eine Natureisbahn entsteht", sagt der Talsperrenchef.
Der Gefahr kann man spätestens ab Samstag in Frankenberg entgehen. Denn dann öffnet die künstlich angelegte Eisbahn auf dem Marktplatz. Bis 26. Februar ist der Spaß auf Kufen garantiert. Die Aufbauarbeiten haben begonnen. Damit das Wasser gefrieren kann, wurden am Mittwoch die Leitungen dazu verlegt.


