Damm-Abriss - die Wogen schlagen hoch
Damm soll weg, weil Freistaat kein Geld mehr für Unterhaltung ausgeben will
Frankenberg. Es waren heftige Wogen, die den Hochwasserschutz-Planern am Dienstagabend im Technischen Ausschuss entgegenschlugen. Der Damm zwischen Schilfteich und "Fischerschänke" soll abgerissen werden. Der Schutzwall im hinteren Bereich Richtung Freibad darf bleiben. Allerdings möchte ihn der Freistaat der Kommune übertragen - und das aus finanziellen Gründen, wie Planer Frank Nieren vom zuständigen Ingenieurbüro IWU GmbH Chemnitz am Schluss seiner Präsentation einräumte. SPD-Stadtrat Ernst Kühnert reagierte ungehalten, und mit ihm erzürnte Bürger, die als Gäste gekommen waren.
In Regie der Landestalsperrenverwaltung seien mehrere Varianten geprüft worden, wie Nieren versicherte. "Sie können auch sicher sein, dass es umfangreiche naturschutzfachliche, finanzielle und bauliche Untersuchungen gegeben hat", versuchte er, die Gemüter zu beruhigen. Alles sei wissenschaftlich berechnet worden, mit dem Ergebnis: "Wir empfehlen den Rückbau als Vorzugsvariante."
Laut Nieren wird durch den Damm-Abriss die Aue zwischen der Zschopau und der Staatsstraße wieder ihre "natürlichste Funktion" als Überflutungs- und Rückflutungsgebiet zurückbekommen. Und: aus Sicht der Planer befindet sich in diesem Bereich nichts Schützenswertes, das die Kosten für die Unterhaltung des Dammes weiterhin rechtfertigen würde. Kühnert hält dagegen: "Durch den Rückbau steht das Gebiet schon bei leicht erhöhtem Zschopaupegel unter Wasser. Die Aue verkommt zur Kloake. Der Eigentümer, der das ,Tirol' gekauft hat, bekommt regelmäßig Probleme", kritisierte der Stadtrat, der auch Ortsvorsteher in Sachsenburg-Irbersdorf ist. Für die Gaststätte "Fischerschänke" sei das beabsichtigte Vorgehen ebenso geschäftsschädigend.
Nieren versicherte mit Blick auf Mike Zühlke, der als Betreiber der "Fischerschänke" ebenfalls mit im Ratssaal Platz genommen hatte: "Sie werden künftig sogar noch bessergestellt, wenn der Damm weg ist." Das hätten hydraulische Berechnungen der Strömungsverhältnisse ergeben. Gleiches gelte für die im Sinne der Abwasserentsorgung wichtige Kläranlage in Nähe des Schilfteichs.
Zu überzeugen von ihren Plänen vermochten Frank Nieren und auch Jan Herziger von der Landestalsperrenverwaltung die zum Teil aufgebrachten Bürger an diesem Abend nicht. "Ich habe alle Hochwasser von 1953 bis 2002 mitgemacht. Fast jedes Mal hat uns der Damm gerettet", sagte einer der Besucher. Die über 600.000 Euro, die nach dem Damm-Abriss in einen etwa 700 Meter langen asphaltierten Fahrrad-und Wanderweg gesteckt werden sollen, könne man sich sparen. Der Erhalt des Dammes sei viel wichtiger, denn der darauf befindliche Fußweg sei bei geringem und mittlerem Hochwasser die einzige Fußweg-Verbindung zwischen Frankenberg und Sachsenburg. Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) schlug vor, weitere Details auf einer Bürgerversammlung, die in den nächsten zwei bis drei Wochen stattfinden soll, zu diskutieren.


