Am Wehr der Zschopau in Sachsenburg staut sich das Eis.
Foto: Falk Bernhardt
Der Winter lässt seine Muskeln spielen
Starker Dauerfrost verlangt Menschen einiges ab
Mittweida/Zschopau. Zweimal mussten die Mitarbeiter des Wasserzweckverbandes Hainichen (ZWA) am Wochenende nach Frankenberg ausrücken. Rohrbrüche hatten die Straßen binnen weniger Minuten in gefährliche Eisflächen verwandelt. "Der Frost im Boden hat die Reparaturen an den Leitungen nicht einfach gemacht", sagte Ulrich Pötzsch, Technischer Geschäftsleiter des ZWA, am Montag. Dennoch sei der Schaden relativ schnell behoben worden.
"Rasche Hilfe kam auch von den Mitarbeitern des Frankenberger Bauhofes", sagte Pötzsch. Die eisige Fläche wurde sofort mit Sand abgestumpft. Vermehrt brechen bei diesen Minustemperaturen Wasserleitungen in den Straßen. Die ZWA-Trupps hatten so in den vergangenen Tagen auf dem Steinweg in Mittweida, in Frankenberg, aber auch auf der Wiesenstraße in Hainichen und dem Friedens-Eck in Rochlitz zu tun. "Noch ist alles im grünen Bereich", sagt Pötzsch.
Allerdings häufen sich Fälle, in denen Wasserzähler einfrieren. "Eine völlig neue Situation verzeichnen wir in diesem Winter", ergänzte Pötzsch: Eingefrorene Hauswasseranlagen und Pumpenschächte. Zwar stecke der Frost erst etwa 50 Zentimeter tief im Boden, die meisten Anlagen liegen einen Meter tief, doch durch die Pumpschächte zieht eisige Kälte. "Es fehlt der Schnee", hat Pötzsch die Erklärung dafür. Etwas kritisch wird die Situation an den Kläranlagen. Dort bildet sich eine Eisschicht. "Die Ablaufrinnen müssen ständig eisfrei gehalten werden. Das ist sehr aufwändig." Dabei weiß Ulrich Pötzsch nur zu gut: Die meisten Schäden an Leitungen und Anlagen treten erst auf, wenn der starke Frost weicht. Am Dienstag will der ZWA entscheiden, ob weitere Partnerfirmen gebunden werden, um der drohenden Schadenswelle Herr werden zu können.
Am Montagmorgen hatten es viele Kraftfahrer bei teilweise Minus 20 Grad Celsius schwer, ihr Fahrzeug in Gang zu bringen. Besonders bei im Freien geparkten Autos streikten die Starterbatterien. Jürgen Kitzing vom gleichnamigen Mittweidaer Honda-Autohaus war den gesamten Vormittag unterwegs, um Fahrzeuge wieder fit zu bekommen. Zehn Fahrzeugen konnte geholfen werden. "Das geht schon seit Tagen so, hoffentlich gibt es noch genügend Batterien", sagte er. Häufig müssten Dieselfahrzeuge aller Marken abgeschleppt werden. Kitzing: "Das liegt zumeist am zu hohen Bio-Anteil im Kraftstoff und der flockt dann."
Im Mittweidaer DRK-Altenheim ist es zwar nicht verboten, dass die Senioren in den klirrend kalten Frühstunden das Haus verlassen. "Die Leute nutzen aber zumeist sonnige Mittagsstunden für einen kleinen Spaziergang. Unnötige Wege werden vermieden", erklärte Pflegedienstleiterin Martina Gwosdek. Im Kindergarten der Lebenshilfe am Mittweidaer Goethehain mussten am Montag alle Mädchen und Jungen in den Gruppenräumen bleiben. "Die Temperaturen waren zu niedrig. Keine Erzieherin kann da einschätzen, wie sich das auf Kinder auswirkt, jedes verträgt die Kälte ja anders. Schnell kann es zu Erfrierungen kommen", begründete die Leiterin Charlotte Truxa. Über kurze Aufenthalte im Freien wird nun von Tag zu Tag neu entschieden.
Auch Landwirte schauen besorgt auf das Thermometer. Milde Temperaturen in den Monaten Dezember und Januar hatten dafür gesorgt, dass Raps und Getreide schon recht gut entwickelt waren. "Der starke Frost ohne schützenden Schnee ist für die Pflanzen gefährlich", sagte Artur Walda, Chef der Agrargenossenschaft Grünlichtenberg. Über eventuelle Auswirkungen wolle er aber noch keine Aussagen treffen, hierfür sei es zu früh. Walda: "Wir müssen abwarten, ob es nach dieser Frostperiode die gefährlichen Wechselfröste gibt. Die heben den Boden und zerstören die Wurzeln der Pflanzen."
Die Müllentsorger wiederum haben bei der klirrenden Kälte Probleme mit der Entleerung der Bio-Tonnen, da deren Inhalt oft am Behälter anfriert. Solveig Schmidt von den EKM Entsorgungsdiensten Kreis Mittelsachsen rät, feuchte Abfälle in stark saugfähiges Papier einzuwickeln und die Behälterwände mit Papier auszukleiden. Besonders Windeln sollten in extra Tüten verpackt werden.
Laut dem Böhrigener Hobby-Meteorologe Stefan Liebscher wird der strenge Frost noch über das kommende Wochenende hinweg anhalten. Schnee werde es in diesem Winter in der Region nur noch wenig geben. "Zum Wintersport reicht das nicht", lautet seine Prognose.


