Klasse 5 a des Frankenberger Martin-Luther-Gymnasiums beim Biologie-Unterricht Die Klasse 5 a des Frankenberger Martin-Luther-Gymnasiums beim Biologie-Unterricht. Ab dem neuen Schuljahr soll es auf Anweisung der Bildungsagentur nur noch drei neue fünfte Klassen geben.

Foto: Falk Bernhardt

Frankenberger Gymnasium soll Fünftklässler abweisen

Stadt der Bildung protestiert

Frankenberg. Weder die Schüler selbst noch der Elternrat wollen sich das gefallen lassen. Und Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) schon gar nicht. Erstmals nach fünf Jahren versucht die Sächsische Bildungsagentur, die Vierzügigkeit bei den neuen Fünftklässlern am Frankenberger Martin-Luther-Gymnasium auf drei Klassen herabzustufen - und das, obwohl Eltern aus umliegenden Orten gern ihre Kinder zum Lernen nach Frankenberg schicken möchten. Zähneknirschend hat die Schulkonferenz die Obergrenze bei den Klassenstärken auf 29 Schüler angehoben, um die Kinder nicht wegschicken zu müssen.

Nachfrage von außerhalb

"Das ist wie eine späte Bestrafung", findet Firmenich und hat sich mit einem Brief an die Bildungsagentur gewandt. 85 Anmeldungen - darunter sogar aus Chemnitz, Oederan und Rossau - für das kommende Schuljahr 2012/13 liegen dem Gymnasium vor. Weitere zwei Anmeldungen seien noch aus der Astrid-Lindgren-Grundschule zu erwarten.

"Wir sind stolz auf die Qualität der Bildung in unserer Stadt und wollen diese auch halten", zeigt sich der Bürgermeister unnachgiebig. Frankenberg habe zwischen 2005 und 2012 nicht nur 38 Millionen Euro in die Bildungsinfrastruktur investiert, sondern durch die Gründung des Eigenbetriebes "Bildung, Kultur und Sport" die Bildungsqualität nachhaltig verbessert. Dieses Engagement zahle sich jetzt aus. Eltern würden sich sehr bewusst für die Frankenberger Schulen entscheiden. Für dieses "dirigistische Eingreifen" des sächsischen Kultusministeriums, wie es Firmenich nennt, hätten Eltern wie Pädagogen kein Verständnis.

Elternratsvorsitzender Jens Göbel kann das nur bestätigen. Für ihn sind das "Notbremsmaßnahmen" als Folge einer verfehlten Bildungspolitik. Der aktuelle und auch künftige Lehrermangel dürfe nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden. Bei Klassenstärken von 28 bzw. 29 Schülern leide die Unterrichtsqualität massiv. Es dürfe nicht immer nur um den Kostenfaktor gehen, gibt er zu bedenken.

Schüler planen Protestaktion

Mirko Gauss vom Elternrat kann dem nur beipflichten: "Der hohe Zuspruch für die Schule darf nicht zu hohen Klassenstärken führen. Es müssen dauerhaft wieder Lehrer her." Vor allem die Schüler selbst bekommen den Lehrermangel beinahe täglich zu spüren. "In Geografie hängt es ab und zu, in Latein hängt es komplett", kann Schülersprecher Julian Seiler bestätigen. Wenn alle Lehrer da sind, würden sich die Ausfallstunden in Grenzen halten. Doch im Krankheitsfall komme es nicht selten vor, dass Schüler Aufgaben bekommen und kein Lehrer vor der Klasse steht. Mirko Gauss sieht darin auch ein gewisses Frisieren der Statistik, denn wenn die Schüler Selbststudium verordnet bekommen, zähle das nicht als Unterrichtsausfall - das sei Schönfärberei.

Ralf Berger, Leiter der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur, schätzt das Engagement der Stadt Frankenberg sehr, wie er in einem Brief an die Stadtverwaltung mitteilt. Dennoch könne am Gymnasium Frankenberg die Bildung einer vierten 5. Klasse "vor dem Hintergrund der personellen Ressourcen und der Umsetzung der Schulnetzplanungsverordnung nicht erfolgen". Denn dafür wären zusätzlich 1,3 Lehrerstellen nötig, die wiederum für Vertretungen im Krankheitsfall in der Region nicht mehr zur Verfügung stünden. "Sowohl am Gymnasium Mittweida als auch am Gymnasium Flöha sind noch genügend freie Plätze in den zu bildenden Klassen vorhanden, sodass eine Umlenkung von Schülern aus den Wohnorten Rossau und Mittweida ohne eine spürbare Verlängerung der Schulwege erfolgen kann", schreibt Berger.

"Es wird niemand abgewiesen", kontert Firmenich. Ein Zeichen, wie ernsthaft Frankenberg um jeden einzelnen Schüler kämpft, sei auch die Tatsache, dass die Stadt aus eigener Tasche für 25.000 Euro pro Jahr einen Schulbus finanziert. Dieser transportiert die Schüler aus der Region Oederan, ohne dass sie umsteigen müssen - ein zusätzliches Angebot zu dem des Landkreises, der eigentlich für den Schülertransport zuständig ist. Um auf die Missstände aufmerksam zu machen, wollen die Schüler des Gymnasiums am kommenden Montag, 13.15 Uhr, eine Protestaktion vor der Schule starten.

 
erschienen am 02.07.2012 ( Von Uwe Lemke )
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