Auch im Gesundheitszentrum "Pro Agil" in Mittweida gibt es ein Solarium: Claudia Günther (l.) im Gespräch mit Doreen Gypstuhl.
Foto: Falk Bernhardt
Galgenfrist für die künstliche Sonne
Verschärfte Vorschriften für Solarien bringen Sonnenbank-Betreiber ins Schwitzen
Mittweida. Für einige Sonnenbänke in Mittweida und Umgebung sind die Tage gezählt. Denn die seit Anfang des Jahres geltenden neuen Richtlinien für die Solarien kommen deren Besitzer teuer zu stehen. Viele Betreiber entscheiden sich gegen die künstliche Sonne.
Was aus den beiden Solarien in den Pro-Agil-Gesundheitszentren in der Mittweidaer Goethestraße und im Lichtenauer Querweg wird, darüber denkt auch Detlev Müller nach. Der Geschäftsführer des Mittweidaer Elektronikdienstleisters IMM, zu dem die beiden Studios gehören, prüft gerade, ob eine Umrüstung der zwei Sonnenbänke überhaupt nötig ist und was diese kosten würde. Bei den Kunden der Gesundheitszentren würden die künstlichen Sonnen gut ankommen - "als Ergänzung unserer Angebote", wie Müller sagt.
Wer zehn Mal auf der Sonnenbank gelegen hat, muss laut neuer Verordnung beim elften Besuch wie ein Neukunde beraten werden - inklusive Hauttypbestimmung, erläutert Dr. Norbert Schmid-Keiner, Vorsitzender des Berufsfachverbandes Solarien und Besonnung. Auch sind die Betreiber verpflichtet, extra geschulte Leute zu beschäftigen, die stets da sein müssen, wenn die Sonnenbänke in Betrieb sind. "Wir haben schon immer Wert auf gut ausgebildetes Personal und gute Technik gelegt. Bei uns gibt es keine Powersolarien, sondern langsame Bräune", betont IMM-Chef Müller und ergänzt: "Wir verstehen uns ja als Gesundheitszentrum, insofern ist eine gute Beratung selbstverständlich. Schließlich wollen wir etwas für die Gesundheit unserer Besucher tun und nicht dagegen."
Doch nicht alle Solarium-Betreiber können den erhöhten Betreuungsaufwand leisten, weiß Verbandsvorsitzender Schmid-Keiner: "Eine Reihe von Studios, besonders die mit Selbstbedienung, wird schließen müssen." Nicht nur, dass die Umrüstung pro Gerät 1000 bis 1500 Euro koste. "Kaum ein Fitnessstudio, Hotel oder Schwimmbad kann sich Fachpersonal leisten, das ständig das Solarium beaufsichtigt."
Holger Menzel befürwortet die neuen Richtlinien. "Dank der Umrüstung können sich die Kunden in den Sonnenbänken kaum noch verbrennen", sagt der Inhaber des Sonnenstudios Solimar in Flöha. Und professionelle Beratung werde schon immer groß geschrieben. "Unter-18-Jährige dürfen bei uns schon längere Zeit nicht mehr auf die Sonnenbank", sagt Menzel.
Auch Gabriele Schimmel spricht sich für die neuen Solarium-Kriterien aus. "Bei uns ändert sich nichts: Unsere Mitarbeiter sind gut geschult, und eine neue Sonnenbank haben wir auch schon", sagt die Inhaberin des Buch- und Videocenters in der Hainichener Brückenstraße. Sie selbst legt sich auch gern mal auf die Sonnenbank: "Das ist gut für die Seele, man darf es nur nicht übertreiben." Laut Bürgermeister Dieter Greysinger (SPD) bestehen in der Gellertstadt derzeit drei Solarien. Zum Vergleich: 1995 gab es in Hainichen ein Solarium, 2000 zwei und im Jahr 2005 drei Solarien. (mit kan)


