Uwe Fritzsching vor dem Fahrgastschiff "Hainichen" an der Talsperre Kriebstein. Noch heute erinnert er sich genau an die Flut vor zehn Jahren. Uwe Fritzsching vor dem Fahrgastschiff "Hainichen" an der Talsperre Kriebstein. Noch heute erinnert er sich genau an die Flut vor zehn Jahren.

Foto: Falk Bernhardt

Land unter und Ärmel hochgekrempelt

Die Flut 2002 hat millionenfachen Schaden angerichtet - Uwe Fritzsching erinnert sich

Mittweida. Es ist wie ein Traum, ein böser. Auch nach zehn Jahren verblassen die Erinnerungen an die Geschehnisse in der Nacht zum 13.August nicht. Wie ein Film laufen sie bei Uwe Fritzsching ab. "22 Uhr bin ich an jenem Montagabend los", sagt der damalige Geschäftsführer des Zweckverbandes Kriebsteintalsperre. "Da stand das Fährhaus in Lauenhain schon unter Wasser."

Er fährt zur Staumauer. Im Kraftwerk ist bereits der Strom ausgefallen. "Dann klingelte ich einen Schiffsführer raus", erinnert er sich. Die Schiffe müssen verankert werden. Doch dann gibt es diesen Knall. Für das Motorschiff "Hainichen" kommt die Hilfe zu spät. Die Wucht der Zschopau kappt ein Stahltau. Mit voller Wucht drückt das Wasser das MS an die Staumauer. "Und dann kommen schon die ersten Wohnwagen vom Zeltplatz an der Aue geschwommen." Bäume, Tanks, Bungalows treiben auf der Talsperre, donnern gegen die Staumauer. 24Stunden lang ist Uwe Fritzsching damals auf den Beinen. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist längst noch nicht zu erahnen. Eins steht jedoch schnell fest: Die Saison am Kriebsteinsee ist zu Ende, bevor sie richtig begonnen hat. Daran ändern auch die Schaulustigen nichts, die mit der Bierflasche in der Hand kommen, süchtig auf ein Spektakel.

Norbert Fiedler und seine Kameraden von der Feuerwehr sind pausenlos im Einsatz. Die sonst so sanft dahinplätschernde Striegis hat sich in Böhrigen in einen reißenden Strom verwandelt. Mittelschule, Sportplatz, Kindergarten, alles ist überflutet. Keller in Wohnhäusern müssen ausgepumpt werden. Noch ist unklar, ob die Widerlager der Brücke über die Striegis halten - das Dorf wird zweigeteilt. Berbersdorf ist von der Außenwelt abgeschnitten. Kameraden der Feuerwehr gehen bis an ihre Grenzen: Sie retten zwei Menschen aus einem überfluteten Haus. Dramatische Szenen spielen sich ebenso in der Hammermühle in Riechberg ab. Erst nach Tagen gelingt es, eine Familie mit dem Schlauchboot zu befreien. Auch in Frankenberg nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Die Umgehungsstraße wird unter einer riesigen Wasserfläche begraben. Technisches Hilfswerk, Armee und Feuerwehr waren mit Hubschraubern und Technik im Dauereinsatz, um Menschenleben und Firmen vor den Wassermassen zu retten. Die Hängebrücken in Kockisch und Sachsenburg knicken wie Streichhölzer. Tagelang ist die Brücke über die Zschopau in Mittweida gesperrt. Keiner weiß, ob sie Schaden genommen hat.

Am Tag eins nach der Flut herrscht in vielen Rathäusern Ausnahmezustand. Das Wasser geht, was bleibt sind Schlamm und Geröll, zerstörte Brücken, Straßen, Häuser, überflutete Kläranlagen, aber auch der ungebrochene Wille, mit dem Schicksal nicht zu hadern, sondern anzupacken. Krisenstäbe werden gebildet, erste Hilfspakete geschnürt. Es sind die Leser der "Freien Presse", die zu den ersten gehören, die sich mit den Opfern der Flut solidarisieren. Der Verein "Leser helfen" kann schon wenige Tage später die ersten Spenden unter anderem an Einwohner in Böhrigen und Hainichen überreichen.

Heute, zehn Jahre nach der verheerenden Flut, sind die Schäden beseitigt, Brücken und Straßen wieder aufgebaut, Sportplätze neu angelegt, Häuser schöner denn je saniert - Ruinen abgerissen. Erinnern werden am zehnten Jahrestag vielerorts - so auch in Hainichen - Ausstellungen an das Hochwasser. "Je mehr Zeit vergeht, umso unvorstellbarer wird, was wir damals erlebt haben, aber auch, mit welcher Kraft wir an den Wiederaufbau gegangen sind", sagt Uwe Fritzsching.

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Petra Schumann )
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