Lange Wartelisten für einen Kita-Platz
Eltern haben die freie Wahl, wo sie ihr Kind tagsüber betreuen lassen möchten
Hainichen/Mittweida/Frankenberg. Eltern haben die freie Wahl, in welcher Einrichtung und in welchem Ort sie ihr Kind tagsüber betreuen lassen möchten. Doch die Plätze sind überall knapp.
78 Hainichener Mädchen und Jungen besuchen derzeit Kindertageseinrichtungen in 14 anderen Gemeinden. 35 Kinder von außerhalb werden in Hainichener Tagesstätten betreut. Diese Schere kostet die Stadt Hainichen richtig viel Geld. Denn, besucht ein Kind eine Einrichtung außerhalb des Wohnortes, so muss die Kommune die landesdurchschnittlichen Betriebskosten zahlen.
47.000 Euro musste der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung dafür zusätzlich locker machen. Im Gegenzug rechnet die Stadt Hainichen mit 52.000 Euro, die sie von anderen Gemeinden erhält. Nicht viel anders sieht das in Mittweida aus. 86.000 Euro zahlt die Stadt für 52 Kinder, die außerorts betreut werden. 72.000 Euro erhält sie für 37 Krippen, Kindergarten- und Hortkinder, die Einrichtungen in der Stadt besuchen. In Frankenberg hält sich das ganze etwa die Waage: 85 Mädchen und Jungen kommen in die Stadt, 95 werden außerhalb untergebracht.
Auf dem Weg zur Arbeit
Den Eltern ist es frei gestellt. Sie können selbst entscheiden, wo ihre Steppkes betreut werden. Doch so frei ist manchmal die Entscheidung gar nicht, denn viele Eltern pendeln in andere Orte zur Arbeit. Auf dem Weg dahin wird eine Kindereinrichtung gesucht. Markus Renner, Sprecher der Stadtverwaltung Mittweida, macht das an einem Beispiel deutlich: Wer in Tanneberg wohnt und in Hainichen auf die Autobahn muss, um zur Arbeitsstätte zu kommen, wird sein Kind in Rossau unterbringen wollen. Also muss die Stadt Mittweida zahlen.
Auch Förderschulen gibt es nicht in jedem Ort. "Die Lernförderschule ist nun mal in Flöha. Deshalb werden die Kinder auch dort im Hort umsorgt", gibt Heike Keilwitz von der Stadtverwaltung Frankenberg zu bedenken. In Hainichen gibt es gar einen Fall, da wird ein Kind auf einer Spezialschule in Dresden betreut. Aber auch integrative Einrichtungen, die beispielsweise Kinder mit Sprach- oder Verhaltensauffälligkeiten gezielt fördern, sind nicht allerorts präsent. "Da müssen die Eltern schon suchen", sagt Markus Renner. Manchmal entscheidet sich das auch über die frage des Trägers einer Einrichtung. Für den christlichen Kindergarten "Springbrunnen" in Hainichen gibt es auch Anfragen aus Mittweida.
Außenstelle keine Lösung
In einem Punkt ist man sich in den drei Rathäusern sicher: Plätze in Kindereinrichtungen sind begehrt und die Wartelisten dafür zum Teil schon ziemlich lang. Besonders angespannt ist die Lage in Hainichen. In den Einrichtungen der Volkssolidarität, des DRK und der Stadt stehen insgesamt 72 Krippenplätze, 267 Kindergartenplätze und 173 Hortplätze zur Verfügung. "Ausgebucht", sagt Ute Neumann. Mehr noch, die Nachfrage kann nicht mehr gedeckt werden. In einem Wohnblock auf dem Ottendorfer Hang besteht eine Außenstelle des Hortes der Kindertagesstätte "Storchennest". Vor Jahren ins Leben gerufen sollte das eine Übergangslösung sein.
Neubauten geplant
"Wir haben, um die Situation zu entspannen, auch schon darüber nachgedacht, eine weitere Außenstelle zu schaffen, etwa die Betreuung in speziell dafür hergerichteten Containern", sagt Uta Neumann. Doch das alles kostet viel zu viel Geld. Große Hoffnung wird deshalb auf die Fertigstellung des zentralen Schulstandortes zwischen Lutherplatz und Gellertstraße gesetzt.
Mit der Sanierung einer ehemaligen Fabrikantenvilla sollen dort frühestens im Jahr 2013 mehr als 200 Hortplätze bereitstehen. Auch in Frankenberg werden Pläne geschmiedet, um die insgesamt bereitstehenden 680 Betreuungsplätze weiter aufstocken zu können. Eine weitere Einrichtung soll an der August-Bebel-Straße, zwischen Freiberger und Parkstraße gebaut werden.


