Evelyn und Anne Hofmann, Jörn Hänsel (v. l.) und die Mochauer Himmelfahrtsband auf der 100-jährigen MS "Mittweida" zum Hafenfest an der Talsperre Kriebstein.
Foto: Falk Bernhardt
Mehr als 4000 Besucher erleben Kriebsteiner Hafenfest
Aufwartung für eine "ehrwürdige Lady"
Kriebstein. Die "ehrwürdige Lady" hat zwar mehr Jahre auf dem Buckel als jeder einzelne Besucher, der am Samstag und Sonntag ins Kriebsteiner Hafengelände gekommen war. Doch obwohl es das Motorschiff "Mittweida" bereits auf stolze 100 Lenze bringt, war es bei den Sonderfahrten anlässlich des ersten Hafenfestes flott unterwegs. Während sich die Gäste bei Seemannsliedern und Dixieland ihr Bierchen schmecken ließen, steuerten Hobby-Kapitäne von der Seebühne aus ihre Schiffsmodelle über das Wasser. Zweckverbands-Geschäftsführer Thomas Waldheim hat angesichts dieser gelungenen Hafenfest-Premiere bereits Pläne für weitere Veranstaltungen dieser Art.
Das Flair der 1920-er Jahre, als die "Titanic" sank und die MS "Mittweida" gebaut wurde, beherrschte am Wochenende den Kriebsteiner Hafen. "Es ist einzigartig hier. Ich kenne die Talsperre schon als Kind, bin auch privat ab und zu mal hier", gestand Hans Sachs, Entertainer bei den Verbalisten aus Dessau, die ihre Gäste mit Gesang, Tanz und Zauberei auf diese besondere Zeitreise mitnahmen.
Der 1. Görlitzer Shanty-Chor Bedos, die Mochauer Himmelfahrts-band und die Tanzperlen des Zschopautals - sie und viele andere gaben bei frühsommerlichen Temperaturen ihr Bestes. "All das, was schön ist, organisiert der Mittelsächsische Kultursommer", lobte Waldheim. Denn der Miskus habe maßgeblich zum Gelingen beigetragen. Doch Waldheim will dieses "kleine, aber feine Fest", wie er sagte, noch weiterentwickeln. "Es soll in Zukunft durchaus etwas verruchter werden - so, wie man sich eben richtige Hafenatmosphäre vorstellt."
Und noch etwas schwebt ihm vor: "Mein Vorgänger hatte schon das Ziel, die MS ,Mittweida' mit einer Dampfmaschine auszurüsten." Zwischen 20.000 und 40.000 Euro würde dieser Umbau kosten. Gemeinsam mit der Hochschule Mittweida wolle er nach Möglichkeiten suchen. Waldheim könnte sich vorstellen, mit einer solchen Attraktion noch mehr Liebhaber dieser historischen Technik anzulocken.
Wenige Meter von den Docks entfernt ließen am Wochenende von der Seebühne aus Hobby-Modellbauer ihre Schiffe und Boote zu Wasser. Werner Schmiedel, der Vereinsvorsitzende des 1. Chemnitzer Schiffsmodellclubs, steuerte fachmännisch sein selbst gebautes Segelschiff per Funk über den See. Etwa 800 Stunden hat er an der "Jollie Brise" gearbeitet, dessen Original 1913 in Frankreich als Lotsenkutter gebaut wurde und im englischen Southampton heute immer noch als Yacht fährt. "Detailtreue ist sehr wichtig, aber es muss auch funktionieren", schaute er seinem Boot mit den ziegelroten Segeln hinterher. "Die Talsperre bietet eine schöne Umgebung für so ein Treffen", freute er sich, bei diesem Hafenfest mit dabei zu sein.
Thomas Waldheim blickt bereits auf die nächsten Höhepunkte an der Erlebnistalsperre. Ein weiteres neues Projekt ist der Kirchentag zu Pfingsten mit dem Festgottesdienst am Pfingstmontag an der Seebühne. Am 4. und 5. August steht die Motorboot-Weltmeisterschaft an.

