Gotthard Bergner hat die Mittweidaer Blasmusik über viele Jahrzehnte mitgestaltet.
Foto: Falk Bernhardt
Mit Musik im Blut durchs Leben
Gotthard Bergner mit Ehrennadel der Stadt Mittweida in Bronze geehrt
Mittweida. Mittweida. Die Blasmusik hat es den 71-jährigen Mittweidaer Gotthard Bergner seit 56 Jahren angetan. Im Posaunenchor seiner Heimatstadt bestritt er seine ersten Auftritte.
"Offenbar hat mir mein Vater das Musikinteresse mit in die Wiege gelegt. Er spielte zuhause und in der Betriebskapelle das Waldhorn", erklärte Bergner. Er wollte mehr als Auftritte im Posaunenchor. Deshalb erwarb Bergner 1964 auf der Musikschule Leipzig die Oberstufe mit dem Instrument Trompete und in den 1970er-Jahren auf der Musikschule Zwickau die Lehrbefähigung für Trompete.
Bis zur Auflösung des Buchungsmaschinenwerkes Karl-Marx-Stadt nach der Wende arbeitete Bergner hier als Werkzeugbauer, war auch Mitglied des Betriebsrates. "Die Schließung des Betriebes konnten wir allerdings nicht verhindern." Selbst arbeitslos geworden, kam der Mittweidaer nach einer ABM-Maßnahme der Hochschule beim Laser-Betrieb Innotec unter, wo er bis zum Erreichen des Rentenalters tätig war.
Der Blasmusik ist er nie untreu geworden. So wirkte er zum Ende der 1970er-Jahre im Arbeiter-Sinfonieorchester Karl-Marx-Stadt mit. Noch gut sind ihm Auftritte bei den Arbeiterfestspiele in Dresden und Halle in Erinnerung geblieben. Auch Konzerte in den ehemaligen Ostblockstaaten CSSR, Polen und Sowjetunion haben sich bei ihm eingeprägt Später wurde er Mitglied im Arbeiterblasorchester Mittweida, das nach der Wende in Blasorchester Mittweida 1919 umbenannt wurde.
Zugleich übernahm Gotthard Bergner die Funktion des musikalischen Leiters. Nun trat das Orchester bei Altstadtfesten und Weihnachtsmärkten in der Zschopaustadt auf. Enge Kontakte wurden zu den Blasorchestern in Eschweiler, Bornheim, Viersen und Gernach in Bayern aufgebaut. Gemeinsame Konzerte erfreuten die Musikfreunde. Bergner: "Einmal pro Woche haben wir Mittweidaer geübt, und auch die geplanten Programme wurden gemeinsam erarbeitet."
Im September 2010 musste der Vollblut-Blasmusiker seine Funktion aus gesundheitlichen Gründen abgeben, bleibt aber als Ehrenmitglied Teil der Musikanten. Wenn es die Gesundheit zulässt, verfolgt Bergner die Auftritte "seiner Musiker" noch regelmäßig in der großen Kreisstadt.
"Ich wünsche mir, dass in Zukunft mehr mit dem Nachwuchs in den Schulen und Musikschulen gearbeitet wird. Talente sollten gezielt gefördert und frühzeitig gesichtet werden", erklärte Gotthard Bergner. Er begrüßte die Frankenberger Initiative, eine Bläser-Klasse ins Leben zu rufen und vielseitig zu fördern. Der Mittweidaer Senior weiß genau, wie wichtig es ist, rechtzeitig an talentierten Nachwuchs zu denken und Heranwachsende zu fördern. Das Blasorchester Mittweida besteht nämlich derzeit nur noch aus acht Musikern.
"Dabei müssen wir flexibler und abwechslungsreicher mit jungen Musikern arbeiten. Herkömmliche Blas- oder Marschmusik sollten mit moderner Interpretation kombiniert werden. Auch müssten die Ideen der Jugend beachtet werden", wirbt der begeisterte Blasmusiker für neue Formen bei der Nachwuchsgewinnung.


