Wie wird die Operation Krankenhaus ausgehen? Dem Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden Volker Uhlig - hier mit Schwester Angelika Fiedler beim Tag der offenen Tür 2009 im Krankenhaus Mittweida - liegt eigenen Angaben zufolge viel daran, dass die Krankenhausgesellschaft wieder auf Kurs gebracht wird.
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Mittweida: Operation Krankenhaus-Rettung
Finanzielle Schieflage der Mittweidaer Klinikgesellschaft ist nun Gegenstand umfangreicher Ermittlungen
Mittweida. Volker Uhlig überlegt sich in diesen Tagen jede seiner Äußerungen sehr genau, wenn es um die angeschlagene Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH geht. Denn auch als Vorsitzender des Aufsichtsrates ist er von dem 1,5-Millionen-Euro-Defizit, das für 2011 in den Büchern steht, überrascht gewesen. Als Landrat liegt ihm viel daran, dass die Gesellschaft wieder auf Kurs gebracht wird und "eine schwarze Null" schreibt.
Für konkrete Äußerungen sei es aber noch zu früh, betonte Uhlig. Man solle jetzt dem neuen Geschäftsführer Jens Irmer und seinem Fachberater Jörg Falke die Chance geben, den angekündigten Notfallplan zu erarbeiten. "Erste Ergebnisse erwarten wir in acht bis zehn Wochen", sagte Uhlig. Es gebe einen "dreigeteilten Plan", den er auf Belegschaftsversammlungen an den drei Standorten Mittweida, Frankenberg und Rochlitz vorgestellt habe: "Wir müssen, wollen und werden es aus eigener Kraft schaffen, die gGmbH wieder auf die Mittellinie zu stellen." Diese Lösung favorisiere er. Die zweite Option sei, zusammen mit Freiberg eine mittelsächsische Gesundheitseinrichtung zu schaffen. Sollte alles scheitern, wäre auch die Privatisierung bestimmter Einrichtungen eine Möglichkeit. Dies alles stehe unter dem Vorbehalt, dass der Mitgesellschafter - die Chemnitzer Kleinertz Health Rent Gmbh, die seit dem 2007 gefassten Kreistagsbeschluss 26 Prozent an der Krankenhausgesellschaft hält - die gesamte Entwicklung so mitträgt. Uhligs Ziel ist es, bis Jahresende eine solche Stabilität in der gGmbH zu schaffen, dass eine Zukunftsprognose gewagt werden kann.
Linkspartei geht in Offensive
Als eine der ersten Kreistagsfraktionen ist jetzt die Linkspartei aktiv geworden, um sich einerseits für den Erhalt der drei Standorte stark zu machen, aber auch um aufzuklären, wie es überhaupt binnen kurzer Zeit zu diesem Millionen-Defizit kommen konnte. Dazu hatte sie am Dienstagabend nach Mittweida und am Mittwoch nach Frankenberg zu Info-Veranstaltungen eingeladen.
Fraktionsvorsitzender Jens Stahlmann machte keinen Hehl daraus, dass er nächtelang nicht schlafen konnte und sich persönlich Vorwürfe gemacht hat. Auch ihn, der seit 1994 Mitglied der Gesellschafterversammlung ist, habe diese Negativ-Bilanz von 1,5 Millionen Euro "wie ein Blitz getroffen", sagte er.
"Am 28. November 2011 war die Welt noch in Ordnung - am 12. Februar 2012 war alles vorbei", konnte sich auch Linke-Kreisrat Peter Krause, der ebenfalls zur 18-köpfigen Gesellschafterversammlung gehört, noch gut an jene Sitzungen erinnern, bei denen die weit voneinander abweichenden Zahlen verkündet worden waren. Und die Leisniger Allgemeinmedizinerin Elgine Tur de la Cruz, die die Linkspartei sogar im Aufsichtsrat vertritt, hat von der Misere ebenfalls nichts gemerkt. "Wir waren wie vor den Kopf gestoßen", sagte sie. Selbst die Gutachten der Wirtschaftsprüfer hätten keinen Grund zur Besorgnis geboten. "Es wird ja stets das vorangegangene Jahr geprüft. Das letzte Gutachten, das uns vorgelegt wurde, bezog sich auf 2010. Da war noch alles in Ordnung."
Schwestern verzichten auf Lohn
Der Frankenberger Linke-Stadtrat Klaus Berger machte jedoch dem Aufsichtsrat den Vorwurf, "geschlafen" und sich nicht vor Ort in den Einrichtungen erkundigt zu haben. "Seit acht Jahren verzichten die Schwestern am Standort Frankenberg auf fünf Prozent Gehalt", nannte er nur ein Beispiel. Dieses Geld sei spurlos verschwunden. "Das sollte nur eine Übergangslösung für zwei Jahre sein", sagte eine Krankenhaus-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte.
Auch sind nach Angaben von Klaus Berger Schwestern eher nach Hause geschickt worden, um Geld zu sparen. Darüber hinaus seien die Frauen "angehalten worden, höhere Belegungszahlen reinzuholen". "Der Sache gehen wir nach", versprach Linke-Fraktionschef Stahlmann. Seitens des Aufsichtsrates und weiterer Kreisräte wurde Aufklärungsbedarf signalisiert.

