Tasillo Römisch in seinem privaten Mittweidaer Museum. Dort bewahrt er viele wertvolle Stücke aus der Raumfahrt auf. Um die Nachfrage zu bedienen, ist er nun auf der Suche nach weiterem Mars-Gestein.
Foto: Falk Bernhardt
Mittweidaer auf eigener Mars-Mission
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Mittweida. Dieser raketenartige Schub ist selbst für den langjährigen Mittweidaer Raumfahrtexperten Tasillo Römisch eine ganz neue Erfahrung. Gut eine Woche nach der erfolgreichen Marslandung der Amerikaner ist die Nachfrage nach der Mittweidaer Mars-Uhr (199 Euro), die er gemeinsam mit dem Mittweidaer Uhrmachermeister Jens Grundmann entwickelte, ungebrochen. Gemäß dem Landedatum 6.8. sollten ursprünglich "nur" 68 Zeitmesser mit dem wertvollen Marsgestein gefertigt werden. Doch die Beiden haben sich für eine zweite Serie entschieden - eine besondere Herausforderung, denn der eine muss bauen, der andere muss suchen.
Uhrmachermeister im Stress
Während sein Partner Jens Grundmann mit Überstunden und Präzision die Liste der Bestellungen aus aller Welt nun abarbeitet, muss Römisch alle seine Verbindungen spielen lassen, um winzige Körnchen des begehrten Mars-Gesteins, von dem es auf der Erde gerade mal neun Kilogramm gibt, heranzuholen. Sogar aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá und aus Hongkong seien Bestellungen eingegangen, aus ganz Deutschland sowieso.
Suche nach wertvollem Gestein
Römisch bemüht sich nun um kosmischen Nachschub. "Ich habe Verbindung aufgenommen zu meinen Kollegen in der Schweiz, den USA und Großbritannien, um noch was aufzutreiben", sagt der Experte. Was nur ganz wenige wissen: Anfang des Jahres sei in Marokko ein Mars-Meteorit gefunden worden. Der Mittweidaer Raumfahrtexperte sieht daher gute Chancen, weitere Steine zu bekommen. Gehandelt werde Mars-Gestein derzeit mit mehr als 150.000Euro für ein einziges Gramm. Jedes Körnchen, das Jens Grundmann in filigraner Handarbeit auf das Ziffernblatt aufbringt, um es dann per Lupe im Uhrglas sichtbar zu machen, stamme von Funden in Nord-West-Afrika.
Dass die Steine auf den Uhren tatsächlich vom Mars auf die Erde gelangt sind, ist laut Römisch per Zertifikat verbrieft. "Es gibt nur zwei bis drei Universitäten auf der ganzen Welt, die das prüfen und zertifizieren dürfen", weiß Römisch, der seit Jahren in Mittweida ein privates Raumfahrtmuseum betreibt, persönliche Kontakte zu Kosmonauten unterhält und gefragter Gesprächspartner bei Foren und in Fernsehsendungen ist. Unzuverlässigkeiten in Sachen Echtheit des Gesteins könne sich da niemand leisten. Und auch den Mittweidaer Mars-Uhren werde ein Echtheits-Zertifikat beigelegt.
Für den 58-Jährigen ist die aktuelle Mars-Mission eine technische Meisterleistung. "Ich verfolge täglich das Geschehen", verrät er. Vor allem habe ihn fasziniert, mit welcher Präzision die Landung am Montag voriger Woche funktioniert hat - auf die Minute, fast punktgenau. Und das nach 570 Millionen Flugkilometern und neun Monaten Reise durchs All. Die beiden Mittweidaer haben nun ihre eigene kleine Mars-Mission. Sie wollen Kunden in aller Welt mit den begehrten Uhren glücklich machen.

